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"Sparer werden zu Investoren"

, Annika Fröhlich

Daniel Lösche, Investmentstratege bei Schroders, erklärt, warum sich Income-Fonds in Deutschland erst spät durchgesetzt haben und warum Anlegern ihnen auch dann die Treue halten sollten, wenn die Zinsen wieder höher liegen. Von Annika Fröhlich

© Getty Images
Income-Fonds haben sich in Deutschland erst spät durchgesetzt

Sogenannte Income-Fonds, die regelmäßige Ausschüttungen bieten, sind in angelsächsischen Ländern besonders populär. Warum?

Die Geldanlage am Kapitalmarkt hat in diesen Ländern eine viel längere Tradition. Dort gibt es zudem schon länger eine Affinität zu Multi-Asset-Produkten. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Angelsachsen insgesamt risikofreudiger investieren und eher Aktien beimischen. Das Konzept der Income-Fonds entspricht dem Bedürfnis angelsächsischer Anleger.

In Deutschland sind die Produkte erst durch das Niedrigzinsumfeld populär geworden. Dabei ist die Idee, dauerhaft regelmäßige Erträge mit der Geldanlage zu erwirtschaften, eigentlich bestechend. Warum haben die Deutschen so lange gezögert?

Über viele Jahrzehnte haben Staatsanleihen ausgereicht, um eine zufriedenstellende Rendite zu erzielen. Jetzt sieht die Zinslandschaft völlig anders aus. Da ist es nur logisch, dass auch konservative Anleger vermehrt einen Blick auf Income-Fonds werfen.

Sie könnten statt Renten- ja auch Dividendenfonds kaufen.

Die Manager von Income-Fonds sind aber besonders flexibel. Sie können weltweit jene Regionen und Anlageklassen ausfindig machen, die gerade die beste Kombination aus Ertrag und Risiko versprechen. Angesichts des Zinsumfelds in Europa ist es zum Beispiel derzeit von Vorteil, Anleihen aus Schwellenländern beizumischen, weil dort noch positive Realrenditen zu finden sind.

"Anleger müssen sich heute mehr trauen"

Hat sich die Vorsorgekultur in Deutschland im Niedrigzinsumfeld strukturell gewandelt?

Auf jeden Fall. Wir beobachten aktuell einen Wandel, der durch die gesamte Branche geht. Sparer werden mehr und mehr zu Investoren. Anleger müssen sich heute mehr trauen und selektiv Risiken in Kauf nehmen, um ihre Anlageziele zu erreichen. Für jemanden in der Verrentungsphase sind möglichst kontinuierliche Erträge attraktiv. Genau dafür sind Income-Fonds eine hervorragende Lösung.

Werden deutsche Anleger den Produkten denn auch dann die Treue halten, wenn die Zinsen wieder höher liegen und sie mit Anleihen allein wieder regelmäßige Erträge erzielen können?

Die Normalisierung der Zentralbankpolitik, die langsam erkennbar ist, wird ein äußerst langwieriger Prozess, der in kleinen Schritten abläuft. In einem solchen Umfeld ist es besser für Investoren, flexibel zu bleiben und beispielsweise neben einer strategischen Aktienquote auch andere Anleihe-Segmente in Erwägung zu ziehen.

Niedrige und steigende Zinsen stellen doch aber auch Income-Fondsmanager vor Probleme.

Sie sind mit Sicherheit eine Herausforderung. Vor allem Multi-Asset-Manager müssen ein Gefühl dafür haben, welche Bereiche gerade die besten Chancen bieten. Je nach Bedürfnis der Anleger müssen Income-Fondsmanager zudem Lösungen finden, die zum Risikoprofil ihres Produktes passen. Das ist eine Kunst.

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