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Hiobsbotschaften für Staatsanleihen

, Julia Groth

Deutsche Anleger haben zuletzt viel Geld in Rentenfonds gesteckt, offenbar auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Staatsanleihen aus der Eurozone sind seit der jüngsten EZB-Sitzung allerdings unattraktiver denn je.

Händler an der Frankfurter Börse © Deutsche Börse
Wohin mit dem Geld, fragen sich angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten viele Anleger.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Zins in der Eurozone abgeschafft: Auf ihrer Sitzung Mitte März hat die Notenbank den Leitzins auf null gesenkt. Banken, die Geld bei der EZB parken, müssen künftig 0,4 Prozent Strafzins zahlen, zuvor waren es bereits 0,3 Prozent. Darüber hinaus hat die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm ausgeweitet: Ab Juni kauft sie nicht mehr nur Staatsanleihen, besicherte Bankanleihen und verbriefte Kredite, sondern geht auch bei Unternehmensanleihen guter Bonität auf Einkaufstour. Das Volumen der Anleihekäufe steigt von bisher 60 Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro pro Monat. Das Programm soll zudem länger laufen als ursprünglich geplant.

Die Lage auf den Rentenmärkten wird durch das rigorose Vorgehen der EZB nicht einfacher. Um mit Staatsanleihen noch Geld zu verdienen, müssen Investoren bereits seit längerem zu Papieren mit sehr langen Laufzeiten greifen. Jetzt sind Kurzläufer noch unattraktiver geworden. Auch wer Anleihen nicht wegen ihres Zinses kauft und bis zur Fälligkeit hält, sondern die Papiere vorher wieder verkaufen will, hatte zuletzt keinen Grund zur Freude: Die Kurse vieler Staatsanleihen aus der Eurozone profitierten nur kurz von der EZB-Entscheidung. Zuletzt waren sie wieder gesunken.

Das schwierige Umfeld spiegelt sich in der Wertentwicklung europäischer Rentenfonds wider. In den vergangenen zwölf Monaten haben Fonds, die Euro-Staatsanleihen kaufen, im Schnitt 1,4 Prozent an Wert verloren, wie Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar zeigen. Manager, die globale Anleihen kaufen, machten im selben Zeitraum im Schnitt sogar 2,5 Prozent Verlust.

Unternehmensanleihen versprechen bessere Chancen

Anleger lassen die Verluste offenbar kalt. Im Januar dieses Jahres waren Rentenfonds jedenfalls die Verkaufsschlager der Fondsbranche. Deutsche Investoren steckten in diesem Monat nach Angaben des Fondsbranchenverbands BVI rund 2 Mrd. Euro in die Produkte – so viel wie in keine andere Fondsgattung. Die hohe Nachfrage dürfte vor allem dem schlechten Jahresauftakt an den Aktienmärkten zu verdanken gewesen sein.

Flüchten Anleger bei Aktien-Turbulenzen weiterhin in Staatsanleihen als vermeintlich sicheren Hafen, tun sie sich aber keinen Gefallen. Aus den USA droht bereits neuer Ärger. Die US-Notenbank Fed kündigte vergangene Woche zwar an, den Leitzins in den USA erst einmal auf dem bisherigen Niveau zu belassen. Bis Ende des Jahres erwartet sie allerdings ein Zinsniveau von 0,875 Prozent. Das legt nahe, dass Fed-Chefin Janet Yellen den Leitzins im laufenden Jahr zweimal leicht anheben wird. „In den USA tendieren die Zinsen nach oben“, sagt Ulrike Jäger, Investmentstrategin bei der Privatbank Sal. Oppenheim. „Weil sich Europa davon nicht entkoppeln kann und die Kupons niedrig sind, ist die Gefahr von Verlusten groß.“

Wer trotz der Zinsmisere in Rentenfonds investieren will, sollte eher zu Unternehmensanleihe- als zu Staatsanleiheprodukten greifen. In diesem Bereich dürften sich die jüngsten Schritte der EZB nämlich positiv bemerkbar machen, sagen Analysten – vor allem die Entscheidung, künftig auch Unternehmensanleihen aufzukaufen. Durch den neuen großen Käufer am Markt werden die Kurse steigen, sagt Jäger. Einige Experten warnen allerdings davor, dass es durch das Eingreifen der Notenbank Liquiditätsengpässe geben könnte. Auch bei Unternehmensanleihen ist also Vorsicht geboten.


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