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Investoren zittern vor Frankreich-Wahl

, Julia Groth

Die Möglichkeit eines Wahlsiegs von Marine Le Pen verunsichert Anleger. Wie sich Investoren jetzt aufstellen sollten, hängt deshalb auch von ihrer Meinung über den Wahlausgang ab. Von Julia Groth

Wahlplakate von Emmanuel Macron und Marine Le Pen © Getty Images
Emmanuel Macron und Marine Le Pen gelten als Favoriten bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl

Am 23. April wird in Frankreich ein neuer Staatspräsident gewählt. Sollte an diesem Tag kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, gibt es am 7. Mai eine Stichwahl. Meinungsforscher rechnen damit, dass der parteiunabhängige liberale Kandidat Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen die Wahl zwischen sich ausmachen werden. Die meisten sehen Macron in der Stichwahl vorn. Ausgeschlossen ist ein Sieg von Le Pen aber nicht.

Allein die Möglichkeit, dass sie das Amt der Staatspräsidentin übernehmen könnte, sorgt bei Anlegern für schlaflose Nächte. Ein Wahlsieg der EU-Feindin wäre ein verheerendes Signal für die Zukunft Europas. Sollte Rechtspopulistin das Rennen machen, würden die Kurse europäischer Aktien voraussichtlich fallen. Die Risikoaufschläge europäischer Staatsanleihen könnten steigen, womöglich auf ein ähnliches Niveau wie auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2011, prophezeien Marktbeobachter. Andererseits könnte ein Wahlsieg Macrons oder auch des derzeit abgeschlagenen konservativen Kandidaten François Fillon an den Aktienmärkten für eine kleine Rally sorgen.

Wie Anleger sich jetzt aufstellen sollten, hängt davon ab, welches Szenario sie für wahrscheinlicher halten. Der Schweizer Fondsanbieter Unigestion ist vorsichtig: Um die Erträge aus den ersten drei Monaten dieses Jahres nicht zu gefährden, hat er sein Engagement in riskanten Anlagen zurückgefahren und die Cash-Quote erhöht. Investoren unterschätzten die Gefahr, die von der Frankreich-Wahl für die Märkte ausgehe, warnt Unigestion-Manager Florian Ielpo. Das Investmenthaus BMO Global Asset Management gibt sich dagegen optimistisch. Trotz der politischen Risiken seien europäische Aktien weiterhin attraktiv, sagt BMO-Chefökonom Steven Bell. Grund: die starken Fundamentaldaten.

Investoren trauen Umfragen nicht mehr

Optimisten können ihre Quote an europäischen Aktien hochfahren, um von einer möglichen Erleichterungsrally nach der Wahl zu profitieren. Pessimisten können entweder in Geldmarktpapiere flüchten, bis das Wahlergebnis klar ist. Oder sie greifen zu deutschen Staatsanleihen. Die sind zwar mittlerweile teuer und bieten kaum noch Zinsen, haben sich aber als sicherer Hafen bewährt. Sollte es nach der Wahl Marktturbulenzen geben, könnten ihre Kurse steigen.

Wer in offenen Immobilienfonds investiert ist, kann der Wahl je nach Produkt gelassen entgegensehen. Viele Fonds haben ihren Frankreich-Anteil vorsorglich reduziert, zeigt eine Untersuchung von Scope. Die Ratingagentur hat zehn Fonds unter die Lupe genommen, die zusammengenommen 63 Mrd. Euro Immobilienvermögen besitzen. Davon sind derzeit 8,4 Mrd. Euro in französische Objekte investiert. Anfang vergangenen Jahre waren es noch 9,2 Mrd. Euro. Die Fonds haben derzeit im Schnitt einen Frankreich-Anteil von 13,3 Prozent. Das Spektrum reicht von null Prozent beim UniImmo bis zu 20,8 Prozent beim Deka-ImmobilienEuropa. Vor allem die Fonds HausInvest und Grundbesitz Global haben ihre Frankreich-Quote zuletzt deutlich gesenkt.

Selten war der Ausgang einer Wahl so ungewiss wie jetzt in Frankreich. Das Brexit-Votum und die US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr lassen Meinungsforscher an der Aussagekraft ihrer Prognosen zweifeln. Auch Investoren sind seitdem auf alles gefasst. Wie tief die Unsicherheit sitzt, zeigt sich auch bei Hedgefonds: Manche Hedgefonds-Manager haben zuletzt Risiken abgebaut, berichtet der Fondsanbieter Lyxor in seinem aktuellen Hedgefonds-Bericht. Andere haben ihr Europa-Engagement erhöht. Wieder andere setzen jetzt zwar verstärkt auf steigende Märkte in Europa, sichern sich aber zugleich gegen mögliche Rückschläge ab.

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