• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Fonds

Smart-Beta-ETFs sind kein Selbstläufer

, Julia Groth

ETFs, die alternativ gewichtete Indizes nachbauen, sammeln immer mehr Geld ein. Wollen Privatanleger in die Produkte investieren, sollten sie darauf achten, dass diese teilweise anders eingesetzt werden als herkömmliche Indexfonds. Von Julia Groth

© Getty Images

Die Nachfrage nach börsengehandelten Indexfonds (ETFs) auf alternativ gewichtete Indizes steigt. Die Produkte nutzen Marktbarometer als Grundlage, die nicht etwa nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, sondern besonders schwankungsarme, besonders dividendenstarke Aktien oder andere alternative Auswahlen enthalten. Im ersten Quartal dieses Jahres flossen in Europa unterm Strich 1,8 Mrd. Euro in sogenannte Smart-Beta-ETFs, berichtet der Anbieter Lyxor ETF. Ende März verwalteten die Produkte 31,8 Mrd. Euro. Das waren elf Prozent mehr als zum Jahresende 2016.

Besonders gefragt waren Produkte, die Value-Strategien verfolgen. Sie basieren auf Indizes, die unterbewertete Aktien enthalten. Solche Titel sollen sich auf lange Sicht besser entwickeln als der breite Markt. Auch in Smart-Beta-Produkte, mit denen Anleger möglichst hohe laufende Erträge erzielen sollen, floss in den ersten Monaten dieses Jahres vergleichsweise viel Geld. Sogenannte Income-ETFs investieren meist in Aktien mit hoher Dividendenrendite.

Anleger setzen große Hoffnungen in Smart-Beta-Indexfonds. Sie sollen je nach Strategie höhere Renditen bringen als herkömmliche Indexfonds oder in Abwärtsphasen Verluste begrenzen. Eine Auswertung des Analysehauses Absolut Research zeigt allerdings, dass sich diese Hoffnungen längst nicht immer erfüllen. Sowohl in Europa als auch in den USA schnitten einzelne Smart-Beta-Ansätze zwischen Februar 2014 und Februar 2017 phasenweise schlechter ab als der breite Markt.

Anleger müssen bei Smart Beta öfter ins Depot schauen

Auf dem europäischen Markt blieben gleichgewichtete Smart-Beta-ETFs hinter Indizes zurück, die klassisch nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. In solchen Produkten haben alle Werte dasselbe Gewicht. In den USA entwickelten sich gleichgewichtete Indexfonds im selben Zeitraum überdurchschnittlich gut. Dafür blieben alle anderen Ansätze hinter der breiten Benchmark zurück. Auch innerhalb einzelner Smart-Beta-Kategorien gab es Unterschiede. So erzielten ETFs, die in US-Dividendentitel investieren, in den vergangenen drei Jahren zwischen minus drei und plus 15,8 Prozent.

Herkömmliche ETFs auf Indizes wie den MSCI World werden in der Regel als Langfrist-Investments vermarktet. Viele Smart-Beta-Produkte laufen dagegen nur in bestimmten Marktphasen gut. Wer Indexfonds auf alternativ gewichtete Marktbarometer kauft, sollte deshalb öfter in sein Depot schauen als ein klassischer ETF-Anleger und sich genau überlegen, wann er welche Produkte wie im Portfolio einsetzt. „Mit dieser Überlegung beschäftigen sich bislang vor allem institutionelle Investoren“, sagt Martin Weithofer, Leiter des Bereichs Strategic Beta bei der Deutschen Asset Management. Sie nehmen beispielsweise vier unterschiedliche Smart-Beta-Strategien ins Portfolio und verändern deren Gewichtung je nach Marktphase. Für Privatanleger bedeutet ein solches Vorgehen viel Arbeit.

Eine noch junge Generation von Smart-Beta-ETFs soll Investoren die knifflige Allokationsarbeit abnehmen. Die neuen Angebote könnten die Produkte so für Privatinvestoren zugänglicher machen. Sogenannte Multi-Faktor-ETFs vereinen mehrere Strategien unter einem Dach, ähnlich wie aktiv verwaltete Mischfonds. „Multi-Faktor-ETFs stehen noch am Anfang, könnten aber ein großer Trend werden“, sagt Weithofer. Zuletzt hat etwa der Anbieter Invesco Powershares einen solchen ETF aufgelegt. Er vereint die Strategien – oder „Faktoren“, wie es im Fachjargon heißt – Qualität, Value und Momentum.

Capital-Depotcheck

Machen Sie den Depotcheck für 2017!
Ermitteln Sie die Renditeerwartungen und das eingegangene Risiko Ihres Depots:

www.capital.de/depotcheck.html


Artikel zum Thema