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Geldanlage mit viel Gefühl

, Nadine Oberhuber

Investieren kann Spaß machen und sogar eine Extrarendite abwerfen – wenn man sich über seine Gefühle im Klaren ist. Von Nadine Oberhuber

Nachdenklicher Mann hinter Bildschirm © Getty Images
Das Bauchgefühl ist bei der Geldanlage nicht der schlechteste Ratgeber

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über GeldanlagethemenNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Manchmal bekommt man den Eindruck, Geldanlage kann vieles – für Wohlstand sorgen, für das Alter vorsorgen, für Crashs an den Börsen sorgen und den Ruin ganzer Staaten auslösen – nur Spaß machen, das kann sie nicht. Oder besser: Das darf sie auch gar nicht. Wer Spaß hat beim Umgang mit Geld an der Börse, der ist vermutlich ein übler Zocker. Zumindest aber ein unverbesserlicher Optimist, der aus den vergangenen Börsenabstürzen nichts, aber auch rein gar nichts gelernt hat und sich auch noch hoffnungslos überschätzt. Man solle sich deshalb bloß nicht von Emotionen leiten lassen beim Investieren, denn die schaden nur. Sondern lieber rein rational anlegen, vielleicht sogar mithilfe von Tradingprogrammen. Computer sind ohnehin die besseren Anleger.

Wer solche Ratschläge befolgt, der bringt sich tatsächlich um den Spaß beim Geldanlegen und oft nicht nur das. Er outet sich damit auch als Pessimist oder zumindest als Skeptiker und bringt sich damit nicht selten auch um einen Teil der Rendite, die er andernfalls hätte einstreichen können, wenn er ein bisschen mehr Risiko eingegangen wäre. Denn es ist nun mal so: Wir alle sind Optimisten oder Pessimisten, wir haben Gefühle und können sie auch nicht verleugnen – aber das heißt nicht, dass Emotionen immer nur negativ sind. Wir können sie auch genauso gut nutzen für unsere Geschäfte an der Börse. Zumindest dann, wenn wir uns darüber im Klaren sind, zu welcher Art von Gefühlstyp wir gehören und was das für unsere Geldanlage bedeutet.

Natürlich ist es so, dass Gefühle beim Anlegen nicht folgenlos bleiben, wissen Forscher. Wer zum Beispiel ein großer Optimist ist, überschätzt eher die möglichen Gewinne, die eine Geldanlage abwerfen wird und überschätzt möglicherweise auch sich selbst als Depotmanager. Hat er erst mal ein paar erfolgreiche Trades geschafft, wird er vielleicht sogar von Gier übermannt, die ihn in immer gewagtere Investments jagt. Was nach aller Wahrscheinlichkeit irgendwann schiefgehen muss.

Emotionale Anleger haben auf Dauer Erfolg

Doch das Gegenteil ist auch nicht unbedingt besser: Ein Pessimist dagegen wird von permanenter Angst getrieben und legt dadurch viel zu zaghaft an. Er beschränkt das Anlagespektrum dadurch unnötig selbst, wählt womöglich sogar bloß unlukrative Anlageklassen, die kaum die Kosten einspielen, die sie verursachen. Vielleicht hält er sich ganz aus Aktien fern, weil die Börsen doch tagtäglich auf kaum kalkulierbare Art und Weise schwanken. So überschätzt er systematisch die Verlustrisiken, schätzt aber auch die Gewinne massiv zu niedrig ein, die er eigentlich erzielen könnte. Von daher raten viele Forscher alten Schlages: Emotionen ausknipsen! Und besser auf durchkalkulierte Strategien setzen.

Ist das wirklich die Lösung? Nein, sagen Verhaltensökonomen, die sich auf genau dieses Thema spezialisiert haben. Im Gegenteil. Sie haben emotionale Anleger mit rein rational anlegenden Börsianern verglichen und stellen fest: Emotionale Anleger handeln nur am Anfang schlechter als diejenigen, die ihre Gefühle ausblenden. Die also nicht auf innere Stimmen hören wie: Das ist mir zu gewagt. Der Kurs wird nicht noch weiter steigen. Oder: Diese Anlageidee klingt wirklich spannend. Auf Dauer nämlich lernen die Emotionstrader viel dazu und akzeptieren die Tatsache: Ich kann mich auch irren. So überholen sie nach einer Weile die Rationalen deutlich. Letztere dagegen machen immer wieder dieselben Fehler, weil sie das Scheitern ihrer ausgeklügelten Strategie nicht wirklich für möglich halten.

Muss man dafür ein Börsenkenner sein oder zumindest die Branchen und Produkte genau beobachten, in die man investiert? Auch nicht, das schadet meist sogar nur, wie Forscher in vielen Tests herausgefunden haben. Wer Halbwissen hat, fühlt sich bereits damit oft so sicher, dass er seine Fähigkeiten überschätzt. Ganz ohne Wissen dagegen war den Investoren sehr wohl bewusster, dass sie einzig und allein ihrem Bauch vertrauten. Sie legten deutlich weniger riskant an.

Durchhalten - und zwar möglichst lange

Daraus leiteten die Forscher ab: Der Mensch kann sich nicht nur nicht gegen seine Emotionen wehren, er sollte es auch nicht tun. Er sollte akzeptieren, wenn sein Bauch ihm bei gewissen Investments zur Vorsicht rät. Er sollte es riskieren, wenn er einen gewissen Nervenkitzel bei einer guten Anlagestory empfindet. Und warum sollte er nicht antizyklisch Aktien oder Gold kaufen, wenn die Kurse abschmieren, oder auf Schwellenländer setzten, obwohl viele andere abraten – zumindest wenn er fest davon überzeugt ist, dass es schon bald wieder bergauf geht? Wenn es für ihn ein gutes Gefühl ist, auf einen Nischenmarkt zu setzen dann soll er es ruhig wagen. Das Einzige, was er dann aber auch tun muss: Durchhalten - und zwar möglichst lange.

Denn nur eines schmälert das Vermögen an der Börse noch mehr als eine einmalige Wette auf das falsche Papier: das ständige Umentscheiden. Das stete Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren, die man wieder abstößt, wenn man den Eindruck hat, die Strategie gehe nicht auf, die irgendwelche Analysten empfohlen haben. Wer dagegen vom Bauch her überzeugt ist, dass er die richtige Strategie fährt, der wird ihr treu bleiben. Und nur dann wird sie sich auch auszahlen. Denn auf lange Sicht betrachtet, ist es bei vielen Investments eher unwahrscheinlich, dass sie sich nicht doch auf viele Jahr gesehen positiv entwickeln. Selbst wenn man sie kurz vorm Marktcrash gekauft hat.

Clevere Verhaltensökonomen empfehlen deshalb diese Strategie: Teilen Sie ihr Vermögen auf in einen großen Block (den Kern) und einen kleinen (den Satelliten). Je nach Risikoneigung kann das Verhältnis zwei Drittel zu ein Drittel heißen, 90 zu 10 oder wie auch immer. Der große Block bildet den festen Kern, den sie eher langweilig und passiv investieren. Und so, dass sie dabei jahrelang nicht umsteuern müssen, egal, was die Börsen tun. Möglichst aber nicht aufs Tagesgeldkonto legen oder Ähnliches, sondern wenigstens in breit gestreute Aktienfonds stecken, zum Beispiel auf den MSCI World oder den Eurostoxx. Vielleicht auch noch einen breiten Anleihen-ETF dazu kaufen. Der Kern wirft dann die Grundrendite ab. Mit einem breiten Aktieninvestment wären das auf lange Sicht rund sechs bis sieben Prozent pro Jahr.

Der kleinere Teil des Geldes ist der Satellit, das Geld, mit dem Sie Spaß haben können. Das kann man dann nach Lust und Laune anlegen – je nachdem, was das Bauchgefühl sagt – in Nischenmärkte (koreanische Tec-Aktien oder kanadische Ölversorger), außergewöhnliche Assetklassen (Rohstoffe, REITS oder Spezialitätenfonds), man kann einen bestimmten Anlagestil auszuprobieren (Trendfolge, Value oder Growth) oder auf Einzelaktien setzen (Apple, Nestlé oder VW). Sofern man die Gesamtgewichtung nicht aus dem Auge verliert und zwischenzeitliche Verluste tatsächlich verkraften kann, ohne die Strategie zu ändern, kann Anlegen so tatsächlich Spaß machen. Und sogar noch eine Extrarendite abwerfen, wenn das Geld im Satelliten nicht im Lauf der Zeit an der Börse verglüht.


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