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Hohe Zinsen, sinkendes Risiko

, Julia Groth

Hochzinsanleihen punkten mit hohen Kupons und sinkenden Ausfallraten. Ein Wermutstropfen sind die niedrigen Risikoaufschläge. Renditejäger müssen genau hinschauen. Von Julia Groth

Kurschart © Getty Images

Staatsanleihen mit guter Bonität werden für Anleger immer unattraktiver. Erstens werden steigende Leitzinsen in den USA die Anleihekurse mittelfristig unter Druck setzen. Zweitens dürfte die Inflation in der Eurozone und in den USA über kurz oder lang steigen, auch wenn sie zuletzt niedriger lag, als Ökonomen erwartet hatten. Eine höhere Teuerung knabbert an den ohnehin niedrigen Anleihezinsen. Drittens sind bonitätsstarke Staatsanleihen verglichen mit früheren Jahren teuer.

Unternehmensanleihen gelten als wichtigste Alternative für Zinsjäger. Weil auch dieses Feld schon reichlich abgegrast ist, raten immer mehr Bond-Spezialisten zu einem Investment in Hochzinsanleihen. Es gibt in der Tat einiges, das für Unternehmensanleihen mit mäßiger Bonität spricht. Wichtigstes Argument sind die vergleichsweise hohen Kupons. Auch die Tatsache, dass Hochzinsanleihen in der Regel weniger sensibel auf steigende Zinsen reagieren als andere Rentenpapiere, macht sie für Anleger interessant.

Die Wirtschaft in Europa ist stabil, die Konjunktur zieht an. Das ist ein gutes Zeichen für den Hochzinsmarkt. Läuft die Wirtschaft gut, sinken nämlich die Ausfallraten unter den schwächeren Anleiheemittenten. Manche Unternehmen können sogar auf bessere Bonitätsnoten hoffen. Allerdings treibt die gute Stimmung auch die Anleihekurse in die Höhe. Viele Fondsmanager rechnen deshalb mit einem Verweis auf die hohen Preise für europäische Hochzinsanleihen mit einer Marktkorrektur im zweiten Halbjahr. Weil der langfristige Wirtschaftsausblick positiv ausfällt, könnte sich genau das als günstige Einstiegsgelegenheit erweisen.

Das Ausfallrisiko sinkt

In den USA sieht es am High-Yield-Markt ebenfalls gut aus. Fondsmanager rechnen damit, dass die Ausfallquote bei US-amerikanischen Hochzinsanleihen im laufenden Jahr sinkt. Die US-Wirtschaft wächst zwar nicht so kräftig wie gedacht, weil von Präsident Donald Trump angekündigte Reformen und Investitionen ins Stocken geraten sind. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten präsentieren sich aber solide. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass im laufenden Jahr rund vier Prozent aller US-Hochzinsanleihen ausfallen werden. Das entspräche etwa dem historischen Durchschnitt. „Wir gehen davon aus, dass die Ausfallraten niedrig bleiben und sich auf wenige Sektoren beschränken werden“, sagt William J. Morgan, Hochzins-Fondsmanager bei J.P. Morgan Asset Management.

In den vergangenen zwei Jahren sorgten Hochzins-Bonds aus dem US-Energiesektor für Unruhe unter Investoren. Viele Energieunternehmen litten unter dem Einbruch des Ölpreises, einige konnten ihre Anleihen nicht mehr bedienen. Weil Bonds aus der Energiebranche in US-Hochzinsindizes ein großes Gewicht haben, entstand bei Investoren das schiefe Bild, der gesamte amerikanische Hochzinsmarkt sei in die Krise gerutscht. Noch immer ist die Lage in der Branche nicht gerade rosig. Eine neue Ausfall-Welle sei aber nicht zu erwarten, sagen Marktbeobachter.

Das größte Problem, mit dem sich Hochzins-Anleger derzeit konfrontiert sehen, sind die vergleichsweise niedrigen Risikoaufschläge gegenüber bonitätsstarken Anleihen. Bei vielen High-Yield-Bonds liegen die sogenannten Spreads so tief, dass sie Anleger nicht mehr angemessen für das höhere Ausfallrisiko entschädigen. Sinken die Spreads, steigen üblicherweise die Kurse von Hochzinsanleihen. Für weitere fallende Spreads gibt es aber kaum noch Spielraum. Wer ein Extra-Plus an Rendite möchte, muss daher auch auf dem High-Yield-Markt genau hinschauen.

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