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Umweltschutz per Anleihe

, Julia Groth

Mit Indexfonds wollen Investmenthäuser grüne Bonds für Privatanleger interessant machen. Für die Papiere gibt es allerdings noch immer kein einheitliches Nachhaltigkeitssiegel. Von Julia Groth

© Getty Images
Das zarte Pflänzlein nachhaltige Geldanlage bekommt wieder Zuwachs

Fondsanbieter sehen weiteres Wachstumspotenzial bei nachhaltigen Investments. Nachdem es bereits viele ökologisch und ethisch korrekte Aktienprodukte gibt, fokussieren sie sich nun stärker auf nachhaltige Anleihen. Der französische ETF-Anbieter Lyxor hat jüngst einen Indexfonds auf sogenannte Green Bonds aufgelegt. Der Fonds bildet einen Index nach, der 116 nachhaltige Anleihen mit Investment-Grade-Rating enthält. Die Papiere müssen den Standards der Climate Bond Initiative entsprechen, eine Restlaufzeit von mindestens zwölf Monaten und ein Marktvolumen von mindestens 300 Mio. Euro oder US-Dollar haben. „Investoren haben mit dem Indexfonds die Gewissheit, wirklich nur in nachhaltige Unternehmen und Projekte zu investieren“, sagt Heike Fürpaß-Peter, Vertriebsspezialistin bei Lyxor.

Weltweit stecken derzeit gerade einmal 170 Mrd. US-Dollar in nachhaltigen Anleihen. „Der Markt für Green Bonds ist klein, wächst aber seit 2013 kontinuierlich“, sagt Fürpaß-Peter. Bislang werden die Papiere hauptsächlich von institutionellen Investoren genutzt. ETFs sollen sie nun auch für Privatanleger interessant machen. Der US-Fondsanbieter State Street hat bereits im Frühjahr 2015 einen ETF auf Green Bonds aufgelegt. Neben Lyxor hat nun im laufenden Jahr auch der US-Investmentriese Blackrock ein entsprechendes Produkt lanciert. Auf Kundenseite gebe es starkes Interesse an klimafreundlichen Investments, erklärt Fondsmanager Ashley Schulten.

Green Bonds passen zum Zeitgeist

Immer mehr Investoren legen Wert darauf, mit ihrer Geldanlage Gutes zu tun oder zumindest keinen Schaden anzurichten. Der Anteil nachhaltiger Investments am Gesamtmarkt ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Im Jahr 2005 steckten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengenommen rund 14 Mrd. Euro in nachhaltigen Fonds und Mandaten, zeigen Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlage. Im Jahr 2015 waren es rund 257 Mrd. Euro.

Green Bonds passen zum Zeitgeist. Die Papiere können von Staaten, Unternehmen oder supranationalen Organisationen emittiert werden. Der Emissionserlös soll umweltfreundliche oder soziale Projekte finanzieren. Das klingt zwar gut. Grüne Anleihen haben allerdings denselben Haken wie viele andere Öko-Investments: Sie sind nicht immer so grün, wie es scheint.

Die Platzierungserlöse von Green Bonds flössen zum Teil in Unternehmenskassen, aus denen Müllverbrennungsanlagen im Baltikum und Atomkraftwerke in Frankreich finanziert werden sollen, bemängelt die Beratungsgesellschaft Capmarcon. Der Name der Papiere sei mitunter eher Marketing-Masche als Programm. Es fehle an verbindlichen Standards, die festlegen, wann eine Anleihe wirklich grün ist.

Kurse bewegen sich im Rahmen des Üblichen

Die Anbieter von Green-Bond-Fonds bemühen sich, den Papieren in ihren Portfolios das Siegel der Seriosität zu verleihen. Dabei gehen sie allerdings unterschiedliche Wege. Während sich manche Anbieter auf die Standards der Climate Bond Initiative stützen, richten sich andere nach den „Green Bond Principles“ der International Capital Market Association (ICMA). Eine einheitliche Messlatte ist auch zehn Jahre nach dem Start des Marktsegments nicht in Sicht.

Anleger müssen keine Nachteile befürchten, wenn Green Bonds in ihrem Portfolio nicht wirklich grün sind. Die Kurse der Anleihen bewegen sich ohnehin so wie die Kurse herkömmlicher Bonds. Sie sollten sich nur nicht der Illusion hingeben, mit einem Green-Bond-Fonds immer ein lupenreines Nachhaltigkeitsinvestment im Depot zu haben.

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