• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Aktien

Geld verdienen mit Kursschwankungen

, Christian Scheid

2016 könnte ein sehr unruhiges Jahr für die Aktienmärkte werden. Wagemutige Anleger können von der Volatilität sogar profitieren.

Ein Mann mit hinter dem Kopf verschränkten Armen sitzt vor vielen Bildschirmen © Getty Images
Wer wagt, kann viel gewinnen - auch bei schwankenden Kursen

Starke Kursrückgänge, wie wir sie nach dem Crash an Chinas Börsen erlebt haben, überfordern viele Anleger: Entweder sie stoßen ihre Wertpapiere ab und realisieren die Verluste. Oder sie behalten sie stoisch und müssen oft Jahre warten, bis sich der Kursrückgang kompensiert hat. Wenige entscheiden sich, ihr Depot mit Methoden wie der Stop-Loss-Strategie abzusichern.

Erfahrene Investoren können von starken Schwankungen indes profitieren – etwa indem sie auf Volatilitätsindizes setzen. In der Regel nehmen die Schwankungen in Zeiten fallender Kurse zu, während sie in einem Börsenaufschwung weitgehend unverändert bleiben oder sogar sinken. Je nach Risikoneigung lassen sich Depots so absichern – oder sogar auf Gewinn trimmen.

Die sogenannten Vola-Indizes haben sich an der Börse als Gradmesser für die Nervosität etabliert. Der VDax-New etwa drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des Dax aus. Er gibt in Prozentpunkten an, welche Volatilität in den folgenden 30 Tagen für den Dax erwartet wird. Grundlage für die Berechnung sind Optionskontrakte auf den Index, deren Kurse umso weiter auseinanderliegen, je weniger die Erwartungen der Marktteilnehmer übereinstimmen.

Nachdem der VDax-New im Juni und Juli 2015 noch weit unter 20 Punkten notierte, schoss er nach den schweren Kursverlusten im August zeitweise auf mehr als 40 Punkte nach oben. Das ist allerdings immer noch weit entfernt von der Unruhe an den Märkten 2008, als die Finanzkrise ausbrach. Damals lag der Index bei mehr als 80 Punkten. Aktuell notiert der VDax-New bei 27 Punkten.

Vorsicht vor Rollverlusten

Privatanleger können die unsichere Lage nutzen, indem sie Zertifikate auf Volatilitätsindizes kaufen. Solche Produkte werden beispielsweise auf den VStoxx angeboten, dem europäischen Pendant zum VDax-New. Papiere wie das der Commerzbank (siehe Tabelle unten) bilden die Wertentwicklung eines dem Index zugrundeliegenden Futures ab.

Wer in Vola-Zertifikate investiert, sollte sich genau mit deren Funktionsweise beschäftigen: Mit Ablauf eines aktuellen Future-Kontraktes investiert („rollt“) das Zertifikat automatisch in den nächsten Kontrakt mit der höchsten Liquidität. Der Preisunterschied zwischen altem und dem neuen Future kann sich im Kurs des Zertifikats als sogenannter Rollverlust niederschlagen. Diese Eigenart führt dazu, dass Anleger, die auf einen Anstieg der Volatilität gesetzt haben, womöglich Verluste hinnehmen müssen, selbst wenn sich der VStoxx nicht verändert.

Investoren, die dies vermeiden möchten, greifen deshalb besser zu Papieren, die vor allem von kurzfristigen Bewegungen der Vola-Indizes profitieren. Denn auf Sicht von wenigen Tagen spielen Rollverluste kaum eine Rolle. Solche Spekulationen sind unter anderem mit sogenannten Hebelprodukten, etwa einem Turbo-Long-Zertifikat auf den amerikanischen Volatilitätsindex Vix, möglich. Die Gewinnchance ist hier weitaus größer – ebenso wie das Risiko, Verluste einzufahren.

[Seitenwechsel]

Weniger wagemutige Anleger sind mit Discount-Optionsscheinen besser bedient, wie sie zum Beispiel die Société Générale anbietet: Beim Kauf von VStoxx-Future-Discount-Optionsscheinen erhalten Anleger einen Preisabschlag (Discount) auf den Basiswert. Im Gegenzug nehmen sie nur bis zu einer Obergrenze (Cap) an Kurssteigerungen teil.

Selbst Fondsgesellschaften bieten mittlerweile Produkte an, die auf die Schwankung an den Märkten setzen und Rollverluste minimieren. Beim Volatility-World-­Equities-Fonds kaufen die Manager der französischen Gesellschaft Amundi Volatilität mithilfe von Optionen, wenn sie unter dem langjährigen Durchschnitt liegt, und verkaufen sie, sobald sie diesen überschreitet. Die Expertise bezahlen Anleger allerdings teuer: Zum Ausgabeaufschlag von bis zu 4,5 Prozent addieren sich Kosten von 1,6 Prozent pro Jahr.

Den Schwerpunkt legen die Fondsexperten auf die USA, die Eurozone und Japan. Solange die Börsen kontinuierlich stiegen, war das kein besonders einträgliches Geschäft: Zwischen 2012 und Mitte 2014 verloren die Fondsanteile beständig an Wert. Seither haben sie jedoch um gut 20 Prozent zugelegt.

Günstig Spekulieren mit ETFs

Die Gesellschaft Lupus alpha bietet sogar einen Vola-Fonds an, der Verluste möglichst vermeidet. Ihr Volatility Invest zielt darauf ab, auf Jahresbasis eine positive Rendite zu generieren – egal ob der Gesamtmarkt steigt oder fällt. Das Basisportfolio besteht aus kurz laufenden Euro-Rentenpapieren mit sehr hoher Bonität. Darauf aufbauend wird die Optionsstrategie umgesetzt. Auch Lupus alpha langt bei den Anlegern kräftig zu: 20 Prozent des Wertzuwachses werden als Gebühr fällig. Dazu kommen neben dem Ausgabeaufschlag laufende Kosten von 0,58 Prozent pro Jahr.

Deutlich günstiger sind Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs). Beim S&P 500 Vix Futures Enhanced Roll von Lyxor bildet der zugrunde liegende Index in ruhigen Marktphasen ein Portfolio aus länger laufenden Futures ab. Nehmen die Kursschwankungen zu, wird umgeschichtet in Kontrakte mit maximal zwei Monaten Laufzeit, die stärker auf Volatilitätsanstiege reagieren. Für Anleger, die bei der Auflage des ETF im Mai 2013 eingestiegen sind, hat sich das Konzept indes nicht ausgezahlt: Seither hat er rund 13 Prozent seines Werts eingebüßt.

Besser gelaufen ist es beim MSCI-Europe-Minimum-Volatility-­Indexfonds von iShares. Der ETF bildet die Performance jener Aktien im MSCI-Europe-Index ab, die die niedrigsten absoluten Renditeschwankungen besitzen, wobei die Wertpapiere mithilfe einer „Mindestvolatilitätsstrategie“ ausgewählt werden. Seit Auflage im November 2012 hat der Indexfonds um 60 Prozent zugelegt – und somit manchen Kurssturz an den Weltbörsen ausgeglichen.


Artikel zum Thema
Autor
  • Aktien
Tipp der Woche - Thyssenkrupp

Thyssenkrupp und Tata sprechen über eine Zusammenarbeit. Mit einem Capped Bonuszertifikat können Anleger profitieren.MEHR

  • Aktien
Tipp der Woche - Adler Real Estate

Die Aktie der Immobilienfirma schwimmt noch im Windschatten von Vonovia und Deutsche Wohnen - zu Unrecht.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.