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Geht Daimler die Puste aus?

, Daniel Saurenz

Unter den Auto-Aktien ist Daimler der Liebling der Investoren. Analysten sehen die Perspektiven nicht mehr ganz so rosig. Von Daniel Saurenz

Mercedes-Stern
Zuletzt fuhr die Daimler-Aktie unter einem guten Stern, doch langsam kommt Skepsis auf

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Mit einem Schulterzucken haben die zuletzt etwas verwöhnten Investoren von Daimler die jüngsten Quartalszahlen des Premiumherstellers aufgenommen: Der Konzern hat der Schwäche auf dem chinesischen Automarkt getrotzt und solide Ergebnisse vorgelegt – mehr allerdings auch nicht. „Daimler ist in Sachen Performance seit Mitte Oktober in die Parkposition übergegangen“ kommentiert daher auch Gregor Kuhn vom Aktienbroker IG. Dort und auch bei anderen Anbietern gehören die Autoaktien zu den beliebtesten Basiswerten seit VW die Branche durcheinander gebracht hat.

Blicken wir auf Daimler im Detail: Im dritten Quartal war der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 37,3 Mrd. Euro gestiegen. Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft schoss um ein Drittel auf 3,7 Mrd. Euro nach oben. Überzeugt hat Investoren, dass die Auto-Sparte eine operative Marge von 10,4 Prozent erwirtschaftet hat und damit das zweite Quartal in Folge oberhalb der wichtigen 10-Prozent-Marke abgeschnitten hat. „Vor allem in China koppelte sich Daimler von der verhaltenden Marktentwicklung ab“, sagte Finanzchef Bodo Ueber. Der Konzern will im laufenden Jahr auf dem Markt mehr als 300.000 Fahrzeuge absetzen und im nächsten Jahr den Erfolgskurs fortsetzen. „Im Grundsatz denken wir, dass wir auch 2016 wachsen können“, sagte Ueber.

Prognose wenig ambitioniert

Das Management sieht die weltweite Pkw-Nachfrage allerdings weniger zuversichtlich als bislang. Vor allem wegen der Schwäche in China soll 2015 das weltweite Absatzvolumen lediglich auf dem Vorjahresniveau liegen. Bislang hatte Daimler ein Plus von zwei Prozent vorhergesagt. Trotz des Gegenwinds bekräftigte Daimler den eigenen Ausblick für das Gesamtjahr. So sollen der Konzernumsatz und der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft jeweils deutlich steigen. Gemeint ist damit ein Plus von mindestens zehn Prozent.

Die Prognose ist allerdings nicht besonders ambitioniert, stehen nach drei Quartalen beim Umsatz doch ein Plus von 16 Prozent (währungsbereinigt 9 Prozent) und beim operativen Gewinn von 19 Prozent zu Buche. Allerdings sieht Daimler die Perspektive für die eigene Lkw-Sparte etwas skeptischer. Wegen der Krise in Brasilien und sinkender Absatzzahlen in Indonesien soll die Sparte nur noch einen leichten statt einen deutlichen Absatzzuwachs erreichen.

Hat die Profitabilität den Höhepunkt erreicht?

Bei Daimler dürften sich „die nächsten zwei Geschäftsjahre als relativ ertragreich darstellen“, schreibt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB. Wegen sich wiederholender Krisen und wachsender Konkurrenz im Premiumsegment sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass die Pkw-Sparte dauerhaft eine Marge von zehn Prozent einfahren könne. Etliche Analysten und Investoren gehen vielmehr davon aus, dass beim Gewinn der Höhepunkt zusehends näher kommt oder sogar schon überschritten sein könnte. So haben die Analysten ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie für 2016 seit Mitte August von 8,88 Euro leicht gesenkt auf aktuell 8,77 Euro. Das Ergebnis je Aktie von 2,23 Euro für das dritte Quartal 2015 – aufs Jahr hochgerechnet 8,92 Euro – zeigt unmissverständlich, dass die Profitabilität im ganz oberen Drehzahlbereich dreht und die Möglichkeiten für eine weitere kräftige Steigerung ziemlich begrenzt scheinen.

Immerhin - der Einbruch des Euro bedeutet, dass sich die Gewinnperspektiven für Daimler aufhellen. Denn im dritten Quartal erzielte die Pkw-Tochter Mercedes 17,3 Prozent ihres Absatzes in den USA. 21 Prozent stammen aus China, wobei der Renminbi weitgehend an den Dollar gekoppelt ist. Insofern ist der schwache Euro sehr positiv für Daimler. Mit einem KGV von 9,1 ist die Aktie zwar nicht billig, zumal angesichts des Risikos, dass der Gewinn allmählich den Höhepunkt erreicht haben könnte. Ein weiterer Rückgang des Euro könnte die Aktie wieder beflügeln.

Investments

Wer bei Daimler mit Hebelpapieren agieren möchte, hat auf der Long- bzw. Short-Seite folgende Papiere zur Auswahl: Unter den Knock-out-Bulls halten wir die WKN XM77W0 für ein gutes Handwerkszeug, für Short-Spekulanten ist die WKN CC96TD geeignet – jeweils gehebelt mit 8. Alternativ können mutige Anleger mit einem Discount Call auf moderat steigende Kurse setzen (WKN: PS43GM). Im März 2016 wird das Papier fällig, der Basispreis liegt bei 75, der Cap bei 80 Euro. Für vorsichtige Anleger eignen sich dagegen Discountzertifikate wie etwa das Papier mit der WKN TD2LZ0, Laufzeitende ist im April 2016. Der Cap liegt bei 80 Euro, die maximale Renditechance beträgt 10 Prozent bis zur Fälligkeit und der Discount macht 7,2 Prozent aus.

Daimler Aktie

Daimler Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

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