• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Fehlgeleitete Wirtschaftspolitik

, Christoph Bruns

Statt Elektroautos mit einer Kaufprämie zu fördern, sollte der Staat den Bürgern für die Altersvorsorge lieber 5000 Euro zum Kauf eines Aktienfonds spendieren. Von Christoph Bruns

Christoph Bruns
Christoph Bruns

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG. Er schreibt künftig eine Geldanlage-Kolumne auf Capital.de. 


Im abgelaufenen Jahr betrug das Wirtschaftswachstum in Deutschland 1,7 Prozent. Nicht ohne Stolz wurde diese Zahl in Berlin präsentiert und im Wohlgefühl klarer diesbezüglicher Überlegenheit gegenüber vielen anderen Staaten in der Euro-Zone goutiert. Der Streit darüber, ob das Bruttosozialprodukt der richtige und vor allem einzige Maßstab zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein sollte, kann getrost an anderer Stelle geführt werden. Klar ist jedoch, dass Deutschland auf dem Gebiet der Vermögensentwicklung bereits seit geraumer Zeit eine eher schwache Entwicklung aufweist. Insgesamt fehlt es der Wirtschaftspolitik in diesem Land an Ehrgeiz.

Magere Wachstumszahlen gepaart mit struktureller Überalterung, einem aufgeblähten Staatsapparat und völlig unzureichender Vermögensbildung der Bevölkerung werfen bedrohliche Schatten auf die Zukunft. Eine Mesalliance aus hohen Steuer- und Abgabenlasten und einem weltweit eher zweitklassigen Finanzmarkt beeinträchtigen seit vielen Jahren das strukturelle Potentialwachstum der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftspolitik ist hierzulande überwiegend Symbolpolitik, die ihre Höhepunkte bei der Eröffnung neuer Autobahnabschnitte oder rosiger Festtagsreden auf Arbeitgeber- oder Gewerkschaftsveranstaltungen hat.

Tatsächlich wird die Wirtschaftspolitik im Finanzministerium gemacht und dabei von Krämerseelen gestaltet. Die „schwarze Null“ ist bei negativen Zinsen ebenso unsinnig geworden wie die fortgesetzte Subvention zinsgebundener Anlageformen durch steuerliche und regulatorische Maßnahmen.

Herausforderung demografischer Wandel

Anstatt aber die materielle Wohlfahrt der eigenen Bevölkerung stärker in den Vordergrund zu rücken, ergeht man sich in Berlin lieber in Weltrettungsprojekten, von denen die verunglückte Energiewende und die fehlgeleitete Flüchtlingspolitik nur die Spitzen des Eisbergs darstellen. Man kann es allzu deutlich an dem unlängst vom Wirtschaftsminister gemachten Vorschlag sehen, den Kauf von Elektrofahrzeugen mit einer Prämie von jeweils 5000 Euro zu fördern. Es besteht in Deutschland überhaupt kein Mangel an automobiler Mobilität. Wenn Bürger sich ein Elektrofahrzeug anschaffen wollten, dann bietet ihnen der Markt dazu eine hinreichende Auswahl, sodass sich der Staat hier tunlichst heraushalten sollte. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, dass die 5000-Euro-Prämie ausschließlich eine Gewissensberuhigung für die problematische Umweltpolitik der Regierung darstellen soll. Wäre es aber nicht viel wichtiger – wenn schon Geld zur Förderung wirtschaftspolitischer Ziele in die Hand genommen werden soll – sich nach Einsatzmöglichkeiten umzuschauen, die helfen, bedeutendere Defizite zu beseitigen?

Hierzu möchte ich folgenden Vorschlag unterbreiten: Unter der Annahme, dass die Bevölkerung, angesichts einer schwachen Vermögensentwicklung innerhalb der letzten Jahrzehnte, auf ein gravierendes Altersvorsorgeproblem zuläuft, erscheint es doch klüger, jedem Bürger 5000 Euro für ein Aktienfondsdepot zu überlassen. Es sollte lediglich die Nebenbedingung gestellt werden, dass diesem Depot mindestens fünf (besser noch zehn) Jahre lang nichts entnommen werden darf. Die Auswahl der Aktienfonds beziehungsweise ETFs kann der Bürger selbst treffen, denn es herrscht erheblicher und transparenter Wettbewerb auf dem Markt für Aktienfonds und ETFs.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Aktien und Aktienfonds benötigen keine staatliche Förderung und sind es seit Jahrzehnten gewohnt, vom Staat steuerlich und regulatorisch diskriminiert zu werden. Wenn der Staat es aber mit dem Einstieg in eine sinnvolle private Altersversorgung ernst meint, dann soll er sich Steuerungsinstrumente überlegen, die dieses Ziel erreichbar erscheinen lassen. Kaufprämien für Elektrofahrzeuge kommen hingegen über den Status ideologischer Geldverschwendung nicht hinaus.

Aus Chicago, Ihr

Dr. Christoph Bruns


Artikel zum Thema
Autor
  • Kolumne
US-Aktien rasen den anderen davon

Amerikanische Aktien profitieren von Europas Siechtum. Zudem gibt es keine Alternative zu dieser Anlageform. Von Christoph BrunsMEHR

  • Kolumne
Brexit-Chance für den Finanzplatz Deutschland

Die Regierung muss ihre Abneigung gegenüber der Finanzbranche überwinden. Von Christoph BrunsMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.