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ETF - der Markt der Möglichkeiten wächst

, Daniel Saurenz

Anleger können sich über die Produktvielfalt freuen. Sie eröffnet den Zugang zu professionellen Anlagestrategien. Von Daniel Saurenz

Kurschart in einer Zeitung © Photocase
Anleger haben bei ETFs die Qual der Wahl

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Die Wurzeln von börsengehandelten Indexfonds - also ETFs - reichen bis in das Jahr 1971 zurück. Was aus einer Kritik an aktiven Investmentstrategien entstand, ist heute ein etabliertes und diversifiziertes Anlagevehikel geworden. Privatanleger können von der wachsenden Produktvielfalt profitieren und beispielswiese auch Schritt für Schritt per Sparplan den Fuß in die ETF-Tür setzen. Onlinebroker wie die Comdirect bieten diesen Einstieg an.

Viele aktive Fondsmanager rücken die Nachteile und mutmaßlichen Gefahren von ETFs in den Vordergrund – mitunter wohl nicht zuletzt deshalb, da sich viele von ihnen bei Kosten und Gebühren hinter den passiven Instrumenten verstecken müssen. Trotzdem ist manche Kritik berechtigt, auch die Forcierung von Abwärtstrends bei fallenden Märkten ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch bieten ETFs viele Chancen und sinnvolle Investmentansätze. Wir schauen uns die Neuerungen des Sommers einmal an.

Zunehmender Wettbewerb unter ETF-Anbietern

Vor 15 Jahren wurden in Deutschland ETFs eingeführt. Pionier in Europa war die Deutsche Börse, die als erste europäische Börse den Handel aufnahm. Heute können mehr als 1000 ETFs von 19 verschiedenen Anbietern erworben werden. Dabei sind ETFs das am schnellsten wachsende Anlagesegment. Allein das in Europa verwaltete ETF-Vermögen stieg seit Anfang des Jahres um 22 Prozent auf 444 Mrd. Euro an. Ein Ende des Wachstums ist noch nicht in Sicht.

Laut Pricewaterhouse Coopers rechnen drei Viertel der befragten ETF-Anbieter mit einer Verdoppelung des verwalteten Vermögens bis 2020 von 2,3 Billionen Euro auf 4,5 Billionen Euro. Dieses Wachstum erklärt sich durch die wachsende Beliebtheit dieser Anlageform. Niedrige Kosten, hohe Liquidität und entfallenes Emittentenrisiko zählen dabei zu den Vorteilen. Die guten Aussichten locken neue Unternehmen auf den Markt. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 5400 investierbare ETFs. Eine Möglichkeit als Anbieter auf den größeren Wettbewerb zu reagieren, liegt beim Ausbau der Produktpalette.

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Professionelle Produkte auch für den Privatanleger

Privatanleger können sich über die zunehmende Produktvielfalt freuen. Sie ermöglicht einerseits, das eigene Portfolio zu diversifizieren und eröffnet andererseits den Zugang zu professionellen Anlagestrategien, die bis dahin institutionellen Investoren vorbehalten waren.

So hat beispielsweise Lyxor in Kooperation mit JP Morgan kürzlich fünf neue Aktien ETFs an der Deutschen Börse gelistet. Dabei bilden quantitative Selektionskriterien für die Aktienauswahl das Fundament der Anlagestrategie. Diese lauten Low Size, Value, Quality, Low Beta und Momentum.  Während bei der „Low Size“-Strategie Unternehmen mit der niedrigsten Marktkapitalisierung einer Branche ausgesucht werden, verfolgt der „Value“-Ansatz anhand von drei Bewertungskennziffern die Selektion.

Dazu zählen das Verhältnis des Aktienkurses zu erwarteten Erträgen, Verhältnis des Aktienkurses zum Buchwert sowie Unternehmenswert zum operativen Cashflow. Damit sollen attraktiv bewertete Unternehmen identifiziert werden, die über langfristiges Gewinnsteigerungspotenzial verfügen. Eine ähnliche Strategie verfolgt man mit „Quality“. Hierbei setzt man ebenfalls auf drei Auswahlkriterien, die aber auf der Ertragsqualität des Unternehmens aufbauen. Dazu zählen Eigenkapitalrendite, Verschuldungsgrad sowie Nettogewinnmarge.

Hinter dieser Strategie verbirgt sich letztendlich die Idee, solche Unternehmen für die ETF-Strategie auszuwählen, die aufgrund ihres außergewöhnlichen Geschäftsmodells und ihrer Wettbewerbsposition in der Lage sind, höhere Preise beim Kunden durchzusetzen. Daraus ergibt sich in der Regel eine höhere Nettogewinnmarge und Eigenkapitalrendite. Der geringere Verschuldungsgrad resultiert aus der Fähigkeit des Unternehmens, sich zum Großteil aus der erfolgreichen Geschäftstätigkeit selbst zu finanzieren. Warren Buffet bezeichnet sie als „Burggraben-Unternehmen“, weil ihr Geschäftsmodell schwer angreifbar ist.

Risiko bestimmt die Strategie

Als weitere ETF-Alternative gibt es die „Low-Beta“-Strategie. Bei diesem Ansatz werden Aktien mit geringer Volatilität ausgewählt. Dabei handelt es sich in erster Linie um defensive Anteilscheine, die dazu dienen das Portfoliorisiko zu reduzieren. Das Beta eines Referenzmarktes wie dem Dax beträgt eins. Aktien werden relativ zu dieser Referenz gemessen, um das Beta zu ermitteln.

Eine Aktie mit Beta 0,7 nimmt zu 70 Prozent an der Bewegung des Marktes nach oben aber auch nach unten teil. Steigt der Dax um zehn Prozent, bildet die Aktie dies mit sieben Prozent Zuwachs ab. Fällt der Index hingegen, gestaltet sich der Verlust der Aktie geringer. Damit kann man eine sinnvolle Diversifizierung des Portfolios erreichen. Der letzte Ansatz wird als „Momentum“-Strategie bezeichnet, weil hierbei Aktien ausgewählt werden, die sich durch eine besondere Stärke der Aufwärtsbewegung auszeichnen. Man kauft also Aktien, die bereits eine sehr gute Entwicklung aufgezeigt haben in der Hoffnung, dass sich die Bewegung in Zukunft fortsetzt. Das ist zwar konträr zum Value-Ansatz und antizyklischen Anlagestrategien, hat sich aber empirisch als erfolgreiche Strategie in gewissen Marktsituationen erwiesen.

Dem ETF-Markt steht auch in den nächsten Jahren ein großes Wachstum bevor. Der Wettbewerbsdruck unter den Anbietern wird zunehmen und zu weiteren Produktinnovationen führen. Privatanleger erhalten die Chance, zu gleichen Konditionen wie institutionelle Investoren ihre Portfolien mit neuartigen ETFs auszustatten und damit manchem überteuerten aktiven Fonds aus dem Weg zu gehen – wohlwissend der Besonderheiten bei ETFs.


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