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Energiekonzerne in Not

, Kai Beller

Eon und RWE kämpfen gegen den Abstieg. Außerdem: Siemens im Plan, Microsoft in der Cloud und die Post in der Bredouille

Wankende Riesen

RWE-Stromleitungen beim Kraftwerk Rommerskirchen
Mit konventioneller Stromerzeugung lässt sich kaum noch Geld verdienen - Foto: RWE AG

Von den großen deutschen Energieversorgern Eon und RWE kommen schon seit längerer Zeit keine guten Nachrichten mehr. Auch von den Quartalsberichten waren nur Hiobsbotschaften zu erwarten. Diese negativen Erwartungen haben die beiden Energieriesen dann auch erfüllt. Eon schrieb im dritten Quartal einen Rekordverlust von 7,3 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus „nur“ 835 Mio. Euro betragen.

Hauptgrund für das desaströse Ergebnis sind Milliardenabschreibungen auf Eons Großkraftwerke. Wegen der geplanten Aufspaltung des Unternehmens müssen die Anlagen neu bewertet werden. Die Abschreibungen betreffen vor allem die Kohle- und Gaskraftwerke, die im kommenden Jahr in die Gesellschaft Uniper ausgegliedert werden sollen. Bei Eon verbleiben das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, die Netze, Energiedienstleistungen und anders als ursprünglich geplant die Atomkraftwerke. Wie sich Uniper angesichts dieser Zahlen gedeihlich entwickeln soll, bleibt allerdings ein Rätsel.

Auch im operativen Geschäft läuft es nicht rund bei Eon. Wegen der stark gefallenen Großhandelspreise für Strom brach der Gewinn in der konventionellen Stromerzeugung ein. Das Problem teilt Eon mit der Konkurrenz. RWE meldete ebenfalls Einbußen im Geschäft mit Strom aus Kohlekraftwerken. Daneben erweist sich die britische Tochter RWE Npower immer mehr als Desaster für den Essener Konzern. Dem Ableger laufen die Kunden davon: In den ersten neun Monaten wechselten 200.000 Briten den Stromanbieter. Außerdem gibt es Probleme mit den Abrechnungen. Das sei „keine gute Visitenkarte von RWE“, sagte Vorstandschef Peter Terium.

Wegen der anhaltend schlechten Lage denkt auch RWE über eine Aufspaltung nach. „Damit muss man sich ernsthaft befassen“, sagte Finanzvorstand Bernhard Günther. Angesichts der Entwicklung der Strompreise in diesem Jahr habe sich die Lage nicht entspannt. Trotzdem geht das Unternehmen davon aus, dass prognostizierte Nettoergebnis von 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro zu erreichen – wenn auch nur knapp.

Die Aktionäre sind nicht begeistert. Die RWE-Aktie brach am Donnerstag um mehr als zehn Prozent ein. Binnen eines Jahres hat das Papier fast 60 Prozent an Wert eingebüßt.

Punktlandung bei Siemens

Siemens-Chef Joe Kaeser
Siemens-Chef Joe Kaeser kann zufrieden sein: Der Konzern erfüllt seine Prognosen - Foto: www.siemens.com/presse

Die Genugtuung ist Siemens-Chef Joe Kaeser anzumerken. „Wir haben geliefert, was wir versprochen hatten, und sind für das vor uns liegende Jahr gut gerüstet, um unsere Pläne erfolgreich umzusetzen“, sagte er zum Abschluss des Geschäftsjahres 2015. Siemens konnte seine Prognosen für das Gesamtjahr erfüllen, was in den letzten Jahren selten gelungen war. Die Gewinnmarge im Industriegeschäft lag bei 10,1 Prozent – fast eine Punktlandung. Von einem fulminanten Schlussspurt sprach Kaeser, denn nach neun Monaten hatte es noch nicht so ausgesehen, als könnte der Siemens-Chef seine Versprechungen erfüllen.

Umso zufriedener zeigte sich Kaeser, der dem Konzern seit seinem Amtsantritt einen Sanierungskurs verordnet hat, dem mehr als 13.000 Stellen zum Opfer gefallen sind. Die guten Zahlen wertet er denn auch als Bestätigung seines Kurses. Und er verweist darauf, dass einige Wettbewerber Elemente der Siemens-Strategie übernommen hätten.

Auch für das kommende Geschäftsjahr verbreitet Kaeser Optimismus. Für das Industriegeschäft prognostiziert Siemens eine Ergebnismarge von zehn bis elf Prozent. Das Unternehmen sprach selbst von einem ambitionierten Ausblick. Denn es geht davon aus, „dass sich die gesamtwirtschaftliche Situation weiter eintrüben und das geopolitische Umfeld komplex bleiben wird“.

Die Börse feierte Ergebnis und Ausblick mit einem Kurssprung von drei Prozent. Die Siemens-Aktie war damit am Donnerstag der stärkste Wert im Dax.

Microsofts deutsche Cloud

Microsoft-CEO Satya Nadella kündigt Cloud-Dienste aus deutschen Rechenzentren an
Microsoft-CEO Satya Nadella kündigt Cloud-Dienste aus deutschen Rechenzentren an - Foto: Microsoft

Es kommt äußerst selten vor, dass sich ein Unternehmen freiwillig von der Datennutzung ausschließt. Genau diesen Weg will der Softwarekonzern Microsoft jetzt in Europa gehen. Laut Konzernchef Satya Nadella erhalten Firmenkunden aus Deutschland ab Mitte 2016 die Möglichkeit, ihre Daten ausschließlich in zwei deutschen Rechenzentren zu speichern. Datenkontrolle und –zugang übernimmt für Microsoft die Telekom-Tochter T-Systems.

Ganz freiwillig macht der US-Konzern so etwas natürlich. Aber nachdem der Europäische Gerichtshof im Oktober das sogenannte Safe-Harbour-Abkommen für den Datenaustausch zwischen der EU und den USA für ungültig erklärt hatte, war Microsoft zum Handeln gezwungen. Denn ohne das Abkommen können US-Unternehmen Cloud-Dienste nicht mehr wie früher nutzen und die Daten auf US-Servern abspeichern.

Microsoft wählt daher den Weg über einen deutschen Anbieter. Ohne Zustimmung des Kunden hat der Konzern keinen Zugriff auf die Daten. Dass Microsoft das so akzeptiert, zeigt: Das Cloud-Geschäft ist zu wichtig für das Unternehmen, als es anderen zu überlassen.

Post-Panne

Post-CEO Frank Appel
Deutsche-Post-Chef Frank Appel räumt Fehler bei der IT-Umstellung ein - Foto: Deutsche Post

Der Deutschen Post macht ein teurer Fehlgriff zu schaffen. Die Umstellung der IT-Systeme in der Frachtsparte belastet das Ergebnis des Konzerns so stark, dass nur noch ein schmaler Gewinn von 49 Mio. Euro im dritten Quartal übrig bleibt. Bereits Ende Oktober hatte das Bonner Unternehmen Belastungen und Abschreibungen in Umfang von einer halben Milliarde angekündigt.

Die gemeinsam mit IBM und SAP entwickelten IT-Systeme seien zu kompliziert und fehlerhaft gewesen, sagte Finanzchef Larry Rosen. Um die Kosten nicht ausufern zu lassen, will die Post die IT-Umstellung nun nach und nach vollziehen. Während die Frachsparte schwächelt, kann sich der Konzern auf das florierende Express-Geschäft stützen. Weil es dort satte Zuwächse gab, blieben der Post rote Zahlen erspart.


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