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Draghis riskantes Spiel mit den Banken

, Daniel Saurenz

Mit ihren neuen Maßnahmen will die EZB die Banken verschonen. Ob das gelingt, weiß aber niemand. Von Daniel Saurenz

EZB-Zentrale in Frankfurt © ECB / Flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0)
Bei der Luminale wurde ein Euro-Symbol auf die Fassade des EZB-Gebäudes in Frankfurt projeziert

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Mario Draghi ist immer für eine Überraschung gut. Sein neues Maßnahmenbündel sorgte allerdings nicht für eine Beruhigung, sondern für große Unsicherheit. Der Zauber, den Draghi in den vergangenen Jahren bei der Bewältigung so mancher Krise versprüht hat, beginnt zu verblassen. Eines dürfte nach der Entscheidung für Null- und Minuszinsen klar sein: Sparen lohnt nicht und Anleger stehen im Regen.

Neben den Sparern könnte es aber einen weiteren Verlierer geben, nämlich Mario Draghi und seine EZB. Sie verspielen ihre Glaubwürdigkeit, was an dem heftigen Auf-und-Ab an den Aktienmärkten nach der Zinsentscheidung abzulesen ist. Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets glaubt, dass Anleger beginnen, an der Wirksamkeit der EZB-Maßnahmen zu zweifeln, die mit ihren bisherigen Maßnahmen ohnehin nicht erfolgreich war. Hinzu kommt laut Stanzl, dass die EZB abwarten möchte und keine weiteren Schritte ergreifen will.

Banken schonen

Draghis Maßnahmen haben aber eine andere Stoßrichtung, er will die Banken nicht weiter belasten. Investoren hatten befürchtet, dass mit einer weiteren starken Lockerung der Geldpolitik die Kreditinstitute bluten müssen. Wenn die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich gedrückt werden, gerät ihre Zinsmarge stärker unter Druck. Sie wird berechnet, wenn man von dem Zinssatz, den die Banken für die von ihnen ausgegebenen Kredite bekommen, den Satz abzieht, den die Banken selbst bezahlen müssen.

An der Reaktion der Märkte lässt sich ablesen, dass es Draghi gelungen ist, die Geldpolitik kräftig zu lockern und dabei die Banken von den Folgen zu verschonen. Auf den ersten Blick sieht auch alles wunderbar aus. Zwar senkt Draghi den Einlagenzinssatz von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent, was eine zusätzliche Belastung für die Banken bedeutet. Das ist der Zinssatz, den die Banken normalerweise für das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken. Seit Mitte 2015 zahlen die Banken bereits Strafzinsen. Gleichzeitig stockt Draghi das monatliche Anleihenkaufprogramm von 60 auf 80 Mrd. Euro auf, was die Zinsen am Markt weiter kräftig drückt und damit ebenfalls negativ für die Banken ist.

Allerdings führt die EZB gleichzeitig neue vierjährige Kredite für die Banken ein. Der Zinssatz für diese Kredite kann so niedrig sein, wie der Einlagenzinssatz. Sprich die Banken können sich Geld bei der EZB leihen, und zahlen dafür keine Zinsen, sondern bekommen vielmehr von EZB bis zu 0,4 Prozent Zinsen pro Jahr. Mit diesem Schachzug mildert die EZB die Auswirkungen der immer weiter sinkenden Zinsen auf die Banken enorm ab, ja sie stützt die Geldhäuser sogar.

Zinsen nur schwer zu verdienen

Die Frage ist nur, ob durch die neuen Maßnahmen die Banken wirklich dauerhaft entlastet werden. Zwar können sie sich über die vierjährigen Kredite sehr günstig Geld besorgen. Das Problem ist aber, dass das nur einen geringen Teil der Finanzierung der Banken ausmacht. Gleichzeitig werden die Institute in den nächsten Monaten die sinkenden Zinsen zu spüren bekommen. Denn als Reaktion auf Draghis neue Bazooka werden die Zinsen wohl nicht nur für Bundesanleihen, sondern auch für italienische und spanische Anleihen sinken. Damit können die Banken das neue Geld zu niedrigeren Zinsen investieren als vorher. Außerdem dürften die Zinsen für Hypotheken- oder Konsumentenkredite sinken. Damit kommt die Zinsmarge der Banken trotz Draghis Schachzug unter Druck. Damit bleibt fraglich, ob Draghi die negativen Effekte der Geldpolitik auf die Banken tatsächlich verhindern kann.

Anleger sollten die Bankaktien in den nächsten Wochen genau im Auge behalten. Sollten sie nachhaltig nach oben drehen, könnte in deren Fahrwasser der Dax folgen. Falls die Euphorie bei den Bankaktien aber nur von kurzer Dauer sein sollte, dürfte auch der Dax Gegenwind bekommen. Anleger, die auf eine Erholung des europäischen Bankensektors setzen wollen, können diese spekulative Strategie mit einem ETF (WKN: LYX0AP) umsetzen.

Klassische defensive Investments sind dagegen Aktienanleihen und Discountzertifikate. Nach oben sind die Gewinnchancen zwar begrenzt, nach unten haben diese Papiere einen Sicherheitspuffer gegen fallende Notierungen und sind in Zeiten von Nullzinsen eine klare Alternative, denn ohne Risiko gibt es ohnehin keine Renditen mehr. Für eine stabile Kursentwicklung, zum Beispiel bei der Deutschen Bank, eignen sich die Aktienanleihe bis März 2017 (WKN: PB2SM6) oder das Discountzertifikat bis September 2016 (WKN: HU16JS). Für die maximale Rendite muss die Deutsche Bank lediglich ihren jetzigen Kurs halten.


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