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Die Mischung macht's

, Nadine Oberhuber

Wer nicht nur auf Aktien setzt, kann in jeder Börsenlage gelassener bleiben. Auch jetzt. Deshalb sind Mischfonds zurzeit so beliebt. Doch halten sie auch, was sie versprechen? Von Nadine Oberhuber

Händler an der Frankfurter Börse vor einem Screen
Wohin bewegt sich der Aktienmarkt? Mischfonds sollen Kursstürze an den Börsen abfedern - Foto: Deutsche Börste AG

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über GeldanlagethemenNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Monokulturen sind selten eine gute Idee. Mit Vielfalt lebt es sich in der Regel deutlich besser, auch bei der Geldanlage. Derzeit starren alle gebannt auf Griechenland und würden gerne wissen, welche Richtung Europas Börsen einschlagen, wenn das bisher Undenkbare passiert: die Pleite der Griechen und ihr Austritt aus dem Euro. Würde das einen großen Kurscrash bedeuten bei den Aktien? Und muss man als Anleger jetzt reagieren? Wenn Sparer aber die Vielfalt pflegen, wie Portfolioexperten immer empfehlen, dann könnten sie sich diese Sorge sparen. Sie besäßen nämlich nicht nur aus jedem Dorf eine Kuh, also eine Aktie, sondern auch noch ein paar Schweine, Schafe und Ziegen dazu. Sie könnten gelassener bleiben, auch wenn ein Wolf mal ein Zicklein reißt. Selbst wenn das nun Griechenland hieße.

Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Depots vieler Sparer immer noch Monokulturen. Gut 80 Prozent des deutschen Gesamtvermögens parkt in festverzinslichen Sparanlagen und ist vor allem von einem abhängig: von den Zinssätzen der Notenbanken. Und der kleine restliche Teil steckt dann meist in Aktien oder Aktienfonds. Von den vielen Millionen Fondsanteilen in deutschen Depots ist fast jeder zweite ein Aktienfonds. Breit gestreute Vermögensanlage sieht anders aus.

Doch ändert sich das gerade etwas, zumindest an der Fondsfront. Mischfonds nämlich sind ganz groß im Kommen, also diejenigen Anlagetöpfe, in denen nicht nur Aktien stecken, sondern auch Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und noch mehr. Die nicht nur aus jedem Dorf eine Kuh kaufen, sondern quasi einen ganzen Zoo. Zuletzt waren sie die am häufigsten verkaufte Fondsgattung überhaupt. Allein von Januar bis April flossen 17 Mrd. Euro in solche Produkte. Inzwischen haben sie ihren Anteil in den Depots seit 2009 verdoppelt und damit in der Gesamtstatistik sogar den Renten- also Anleihenfonds den Rang abgelaufen. Mischfonds sind nunmehr die zweitstärkste Fondsgattung in den Portfolios.

Must-have-Anlagen der Saison

Ob nun die Anleger nach den Gemischtwarenanteilen gieren und die Finanzindustrie deshalb flugs ihr Angebot ausgeweitet hat, wie sie selber sagt – oder ob die Papiere sich derzeit nur so gut verkaufen, weil die Fondsindustrie die Vielfalt-Produkte zu den neuen Must-have-Anlagen der Saison erklärt hat und sie aggressiv bewirbt, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall gibt es inzwischen eine Masse solcher Papiere. Viele dieser Kreaturen tragen schillernde Namen, so als seien sie tatsächlich die neueste und ultimativste Erfindung seit Einführung des Investmentfonds: Manche bieten sie als Multi-Asset-Fonds an, andere reden von Multi-Opportunities, Active Mix, Value Invest oder Flexible Allocation. Dabei steckt doch in ihnen allen bloß das Urviech, das ein Mischfonds ist, auch wenn die wenigsten das heute noch so simpel nennen. Ganz hochtrabend versprechen einige Anbieter sogar den Total-Return oder Absolute-Return, damit wollen sie sagen: Weil diese Fonds in viele Anlageklassen investieren, können auch ganz unterschiedliche Marktlagen ausnutzen. Deshalb ist für den Anleger immer eine Rendite drin, oder zumindest verliert er mit so einem Fonds nichts. Nur, stimmt das auch?

Beileibe nicht immer. Der erste Satz von der Vielfalt stimmt zwar bei vielen Mischfonds. Aber längst nicht allen gelingt es, tatsächlich eine Rendite einzufahren. Oft schaffen das nicht einmal diejenigen, die sich dieses Ziel mit den Worten „absolute“ oder „total Return“ in den Namen schreiben.

Wer in den vergangenen Monaten nur auf Aktien gesetzt hätte, für den sah die Bilanz so aus:  Allein von Januar bis Ende Mai legte der Deutsche Aktienindex um 16 Prozent zu, auf ein Jahr gesehen waren es 11 Prozent. Die Vielfaltfonds, die sich ebenfalls auf das deutsche Anlageuniversum konzentrierten, legten im besten Fall eine Performance von 16,5 Prozent auf Jahressicht hin. Aber: Die schlechtesten von ihnen kamen auf einen Verlust von 5,2 Prozent. Europäisch ausgerichtete Mischfonds liefen – wenn sie gut waren – deutlich besser. Die besten von ihnen schafften auf Jahressicht 35 Prozent Plus, allerdings fuhren die schlechtesten auch ein Minus von 14 Prozent ein.

Und je größer man das geografische Anlagebiet zieht, desto stärker klaffen die Ergebnisse der aktiv verwalteten Mischfonds auseinander: International ausgerichtete Fonds schafften im besten Fall 100 Prozent Plus, die schlechtesten aber auch knapp 100 Prozent Minus, obwohl sie die Begriffe Einkommenswachstum oder Absolute Return im Namen trugen, also mit Wertsicherungsmechanismen arbeiten. Viele schafften es auf Jahressicht dennoch nicht, irgendwelche Zuwächse für den Anleger zu erzielen. Trotz allgemein günstiger Lage an den Aktienmärkten und steigender Kurse bei den Anleihen. Auch auf Dreijahressicht hinkten die meisten aktiven Mischfonds satt hinter den Steigerungen hinterher, die Aktienmärkte in dieser Zeit hinlegten.

[Seitenwechsel]

Auch die besten passiven Mischfonds, also ETFs, hielten zwar mit zwölf Prozent Jahresperformance gut mit, schafften aber auf Dreijahressicht nur 34 bis 39 Prozent Plus und fielen damit weit hinter die 76 Prozent zurück, die etwa der Dax gewann. Sollte man sich das breite Anlegen also doch sparen – und stattdessen lieber nur auf Aktien setzen?

Besser nicht, denn die Frage ist ja, was man mit den Mischfonds grundsätzlich bezweckt. Und was tatsächlich in ihnen steckt. Mischfonds sind im Grunde nicht dazu gedacht, möglichst die Performance der Aktienmärkte eins zu eins nachzuvollziehen oder gar zu übertrumpfen. Viele dieser Produkte bezeichnen sich selbst als ausgewogen, das heißt, sie setzen auf eine 50-50-Mischung aus Aktien und Anleihen. Damit decken sie die beiden größten Anlageklassen ab, die sich oft gegenläufig entwickeln: Laufen die Aktienmärkte gut, entwickeln sich die Anleihen schwächer und umgekehrt. Wenige Mischfonds setzen sehr flexibel auf weitaus größere Aktienanteile und zudem noch auf mehrere andere Anlageklassen. Für alle aber gilt: Die großen Kurssteigerungen an den Börsen macht natürlich keiner dieser Fonds zu 100 Prozent mit, sonst wäre er ja ein reiner Aktienfonds und kein Mischfonds mehr.

Diejenigen, die stark auf Anleihen setzen, erzielen derzeit einen Großteil ihrer Rendite aus den Zinsen langlaufender Staatsanleihen. Die waren zuletzt nicht üppig. Und wer stark im Rohstoffbereich mitmischte, der profitierte zuletzt ebenfalls wenig, weil die Zeiten ganz großer Steigerungen bei den Rohstoffkursen momentan vorbei sind. Eine neue Hausse lässt auf sich warten. So gesehen ist es klar, dass zuletzt tendenziell mit reinen Aktieninvestments mehr zu holen war als mit den Mischwesen.

Auf Rendite verzichten, aber Verluste eingrenzen

Aber: Das Versprechen der Mischfonds ist ja, dass sie in allen Marktlagen gut gewappnet sind. Steigen irgendwann die Zinsen bei den Anleihen, können sie ihr Engagement stärker ausbauen. Ziehen die Rohstoffmärkte wieder an, können sie auf diesen neuen Aufschwung setzen. Und lässt der Boom an den Börsen demnächst nach oder schmieren die Kurse ab, sind sie im Vorteil, weil sie nur einen Teil ihres Geldes auf Aktien setzen. Das sollte dann zumindest die Verluste in Grenzen halten.

Was Anleger also mit Mischfonds tun: Sie verzichten in guten Zeiten oft auf einen Teil der Rendite. Dafür werden sie in schlechten Zeiten belohnt, weil sie dann weniger Verluste einfahren als sie es mit nur einer einzigen Anlageklasse tun würden. So sollte es zumindest sein, und mit passiven ETF-Mischfonds funktioniert das auch ganz gut. Im Idealfall, also mit einem aktiven Fonds mit sehr guter Strategie, übertreffen sie selbst in Boomzeiten noch die Aktienkurssteigerungen. Das allerdings dürfte langfristig nur den allerwenigsten Fonds gelingen und jegliche Prognosen, welche das sein könnten, gleichen Kaffeesatzleserei.

Von allen Mischwesen schlugen sich zuletzt Total Return Fonds am verhältnismäßig besten, also die breiten Asset-Mixer. Sie kamen am ehesten auf eine Überrendite im Vergleich zu den boomenden Aktienindizes und die schwächsten von ihnen machten auch nur geringe Verluste. Auf Dreijahressicht brachten es die besten von ihnen auf stolze 68 Prozent Performance und damit hinkten sie nur zehn Prozent hinter dem Weltaktienindex MSCI World hinterher. Wie sie sich nun in den turbulenten kommenden Zeiten schlagen werden, welche Tiere aus der Anlageherde dabei davon preschen und welche eher lahmen, das müssen Anleger nun abwarten.


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