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Der Euro – schwach und schwächer

, Julia Groth

Der Euro könnte gegenüber dem US-Dollar im kommenden Jahr weiter an Wert verlieren, meinen Ökonomen. Für europäische Anleger kann es sich deshalb lohnen, US-Aktien ohne Währungsabsicherung zu kaufen. Von Julia Groth

Euro- und Dollarnoten
Devisenexperten glauben, dass der Euro gegenüber dem Dollar weiter an Wert verlieren wird

Mitte September sah es so aus, als würde der Euro gegenüber dem US-Dollar nach monatelanger Schwäche wieder erstarken. Der Aufwärtstrend währte allerdings nicht lange. Schon wenig später ging es für die europäische Gemeinschaftswährung wieder bergab. Lässt man das kurzfristige Hin und Her an den Währungsmärkten außer Acht und tritt einen Schritt zurück, dann sieht man: So schwach wie im laufenden Jahr war der Euro zuletzt kurz nach der Jahrtausendwende. Und ein Ende der Abwertung ist nicht in Sicht.

Derzeit kostet ein Euro rund 1,07 US-Dollar. Die Parität der beiden Währungen, die Analysten im Frühjahr voraussagten, ist also fast erreicht. Anfang des Jahres stand der Euro noch bei rund 1,25 Dollar. Gleichzeitig könnten die Kurse US-amerikanischer Aktien, die in den vergangenen Wochen leicht gesunken sind, nach Ansicht von Marktbeobachtern bald wieder steigen. Das macht US-Investments jetzt doppelt interessant.

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

EZB an schwachem Euro interessiert

Wie sich der Euro-Dollar-Kurs im kommenden Jahr entwickeln wird, hängt stark von der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Die vorherrschende Meinung: Der Euro bleibt gegenüber dem Greenback schwach, denn so will es die EZB. „Sie dürfte ein Erstarken des Euro verhindern“, sagt Ursina Kubli, Ökonomin der Bank J. Safra Sarasin.

Der schwache Euro ist eine durchaus erwünschte Nebenwirkung der ultralockeren Geldpolitik in Europa, er kommt Europas Exporteuren zugute. EZB-Präsident Mario Draghi deutete auf der Notenbanksitzung im Oktober an, dass die EZB ihre Politik der quantitativen Lockerung (QE) noch ausweiten könnte. Investoren rechnen damit, dass im Dezember konkrete Schritte folgen. Dann dürfte der Euro gegenüber dem US-Dollar noch weiter nachgeben.

„Das Abwertungspotenzial der europäischen Einheitswährung scheint noch lange nicht ausgeschöpft“, urteilt Mikio Kumada, Anlagestratege beim Fondsanbieter LGT Capital Partners. Sondereffekte wie der Einbruch des Ölpreises und die weggefallene Kopplung des Schweizer Franken an den Euro hätten in den vergangenen Monaten verhindert, dass der Euro deutlicher abwertet. Die Auswirkungen dieser Sondereffekte dürften allerdings allmählich abklingen, schätzt Kumada. Der Euro sollte deshalb gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen weiter an Wert verlieren, prognostiziert er.

Gute Aussichten für US-Aktien

Auf der anderen Seite dürfte der US-Dollar an Wert zulegen, sobald die US-Notenbank Fed den Leitzins anhebt – was nach Einschätzung vieler Analysten im Dezember der Fall sein könnte. Sogar wenn die Fed die Zinswende weiter aufschieben sollte, dürfte der Greenback kaum an Wert verlieren, sagt Sarasin-Ökonomin Kubli. Die Kluft zwischen Euro und Dollar wird also tiefer. In den vergangenen Jahren war der Euro auch deswegen schwach, weil die USA den Wert ihrer Währung drückten, um gegenüber chinesischen Exporteuren nicht ins Hintertreffen zu geraten. Nun könnte Europa im weltweiten Wettkampf um die billigste Währung vorpreschen.

Für europäische Anleger bedeutet das: Bei Wertpapieren, die in US-Dollar notieren, winken Währungsgewinne. Wer jetzt US-amerikanische Aktien oder Anleihen kauft, sollte darüber nachdenken, auf eine Wechselkursabsicherung zu verzichten. Vor allem bei Aktien kann sich der Einstieg lohnen. Die Kurse US-amerikanischer Aktien dürften in den kommenden Monaten steigen, prognostizieren Marktbeobachter. Grund: Die US-Wirtschaft erholt sich. Hebt die Fed im Dezember – oder spätestens im kommenden Jahr – die Leitzinsen an, bestätigt sie diese Entwicklung und gibt Anlegern Zuversicht. Und sie erhöht die Attraktivität des US-Dollars, was Euro-Spekulanten ein Renditeplus verschafft.


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