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  • Gastkommentar

China ist für Anleger unkalkulierbar

, Frank Wieser

Kein Ende der Schockwellen aus China in Sicht: Anleger sollten warten, bis die Lage wieder berechenbar ist. Von Frank Wieser

Kurstafel an der Börse in Shanghai © Getty Images
Hiobsbotschaften aus China: Die Unruhe an den Börsen ist noch nicht vorbei

Frank Wieser ist Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement, Düsseldorf

Frank Wieser ist Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement, Düsseldorf

 


Jeden Tag neue Kursverluste, ausgesetzter Börsenhandel und große Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas – was läuft eigentlich falsch im Reich der Mitte ?

China steckt wirtschaftlich in einem grundlegenden Wandel. Das Land will weg von einer Industrie, die sich überwiegend dadurch auszeichnet, Industrieprodukte möglichst billig herzustellen oder zu kopieren. Ein solcher Industriezyklus ist immer dann gut, wenn man eine schnell wachsende Bevölkerung mit raschem Wachstum unterfüttern möchte. Ein solches „ökonomisches Geschäftsmodell“ führt aber auch zu erheblichen negativen Entwicklungen. Ein chinesischer Manager hat es so formuliert: „Man kann nicht die größte Volkswirtschaft der Welt werden, indem man billige Schuhe produziert“.

Auch die Bevölkerung will vom Wachstum profitieren und besser entlohnt werden. Mit steigenden Löhnen verliert das Land aber gleichzeitig die Kostenvorteile in der Produktion. Als Folge gehen Marktanteile verloren. Außerdem gibt es kaum Innovationen. Hochinnovative Unternehmen wie Apple, Google, Siemens, Nike etc. muss man in China mit der Lupe suchen. Das Riesenland bräuchte davon aber nicht nur ein Unternehmen, sondern in Relation zur Bevölkerung Hunderte oder Tausende. So etwas aufzubauen, dauert Jahre und Jahrzehnte.

Wenig Hoffnung auf höhere Wachstumsraten

China hat also folgerichtig erkannt, dass ein genereller Wandel der volkswirtschaftlichen Struktur notwendig ist bei gleichzeitiger Bekämpfung der Korruption und einem besseren Umweltschutz. Eine solche Umwälzung dauert, ist tiefgreifend und befindet sich gerade erst am Anfang. Mit einer zunehmenden Zahl von Pleiten ist zu rechnen. Welche Folgen das auf den sogenannten Schattenbanksektor haben wird, ist nicht abzusehen.

Hinzu kommt, dass die chinesischen Behörden wenig bis keine Erfahrung in Kapitalmarktkommunikation haben. Denkt man dort in Generationen, so denken die westlichen Börsen gerne in Tagen. Kein Wunder, dass Anleger und Börsen nervös sind. War man über Jahre ein konstantes und kalkulierbares Wachstum gewohnt, so sehen sich Investoren jetzt mit dem niedrigsten Wachstum seit 25 Jahren konfrontiert. Die Hoffnung auf höhere Wachstumsraten ist bei dem tiefgreifenden Wandel zudem gering.

Was bedeutet das aber für Anleger? Zum einen werden wir uns noch einige Zeit auf Turbulenzen aus China einstellen müssen. Die Kurse dürften volatil bleiben. Zum anderen ist der neue Kurs der chinesischen Regierung vernünftig und nachvollziehbar und wird zu einem nachhaltigeren Wachstum führen. Da China quasi keine Auslandsverschuldung hat kann es die Reformen auch unbeeinflusst durchführen.

Investoren sollten sich China wieder dann ansehen, wenn das Wirtschaftswachstum über mehrere Quartale konstant bleibt, man als Anleger also die neue Welt besser kalkulieren kann. Bis es aber so weit ist, dürften wir immer wieder kleine und große Schockwellen aus dem Fernen Osten spüren.


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