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Chaosstart ins Börsenjahr

, Daniel Saurenz

Zum Jahresauftakt brechen die Börsen ein. Trotzdem muss 2016 kein schlechtes Aktienjahr werden - im Gegenteil. Von Daniel Saurenz

Börse Frankfurt © Getty Images
Asiatische Schockwelle: Händler an der Frankfurter Börse

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Übler konnte es nicht kommen: Der Dax bricht in der ersten Börsenwoche 2016 in der Spitze um knapp 9 Prozent ein, die Börsen in den USA und Japan verbuchen ebenfalls herbe Verluste. Auslöser sind die schwachen Konjunkturdaten aus China sowie ein dilettantischer Umgang mit Handelsregeln. So war der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie, den die Mediengruppe Caixin veröffentlicht, überraschend von 48,6 Punkte auf 48,2 Punkte gesunken. Damit liegt der Index den zehnten Monat in Folge unter der Marke von 50 Punkten und zeigt damit eine Schrumpfung des Sektors an. Allerdings hat den Index zuvor kaum jemand beachtet – ein Fall von Kurse machen Nachrichten und nicht unbedingt umgekehrt.

Volkswirte waren davon ausgegangen, dass sich das Barometer auf 48,9 Punkte erholen würde. Wenn aber die Industrie der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter schwächelt, bedeutet das nichts Gutes für die Weltwirtschaft insgesamt, zumal die Auftragseingänge für die chinesische Industrie weiter zurückgegangen sind. Die Regierung müsse ihre Politik ändern, um zu verhindern, „dass die (chinesische) Wirtschaft nicht von der Klippe herunterfällt“, warnte He Fan, Chefvolkswirt bei Caixin. Nach der Veröffentlichung der Daten brach der Aktienmarkt in China um sieben Prozent ein, woraufhin der Handel ausgesetzt wurde und die Händler den frühsten Feierabend aller Zeiten hatten. Für zusätzlichen Druck sorgte, dass am Jahresende gewisse Beschränkungen für Aktienverkäufe durch Großinvestoren ausgelaufen waren, weshalb sie nun kräftig Aktien verkaufen können.

Die Sorgen der Investoren werden dadurch verstärkt, dass der chinesische Renminbi einmal mehr kräftig abwertet. Mit 6,53 Renminbi je Dollar fällt die chinesische Währung auf das niedrigste Niveau seit Frühjahr 2011. Das hat massive Folgen für viele andere Länder, werden doch chinesische Produkte im Ausland deutlich billiger. Entsprechend trüben sich die Perspektiven für die Exportwirtschaft vieler Länder, wie Deutschland, und damit für die Weltwirtschaft insgesamt ein – schlechte Aussichten für den Dax. Deshalb findet man an schwachen Tagen momentan auch Daimler, BMW oder Infineon ganz hinten im Dax. „Die Export orientierten Flaggschiffe im Dax leiden überproportional“, erläutert Jochen Stanzl vom Aktienbroker CMC. Dort verzeichnet man in der ersten Januarwoche regen Handel mit Automobiltiteln.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Risiken waren zuvor bekannt

Für zusätzlichen Druck auf den Aktienmarkt rund um den Globus sorgt die Auflösung des Carry Trade. In den vergangenen Jahren hatten Investoren die Talfahrt des japanischen Yen genutzt, um verstärkt Kredite auf Yen-Basis aufzunehmen und das Geld in höher rentierliche Anlagen, wie beispielsweise US-Aktien oder -Anleihen, zu stecken. Das nennt man Carry Trade. Die Investoren haben dabei von zwei Seiten profitiert: Einerseits von Währungsgewinnen und andererseits von Kursgewinnen bei den Aktien. Das Spiel geht aber nur solange gut, wie der Yen fällt. Wenn er aber steigt, erleiden Investoren Währungsverluste, woraufhin sie den Carry Trade auflösen und ihre Aktien verkaufen. Entsprechend kräftig erholt sich der Yen auf 119 Yen je Dollar. Damit nähert er sich rapide dem Sechs-Monats-Hoch von 118,5 Yen je Dollar. Sollte der Yen in den nächsten Monaten weiter zulegen, würde das für Druck auf den Aktienmarkt rund um den Globus sorgen.

Dennoch – fast alle Risiken waren zuvor bekannt, der Markt wollte jedoch nach unten und hat sich seinen Auslöser mal wieder gesucht. Gleichzeitig schnellt die Volatilität nach oben, die Angst steigt, die Titelblätter sind voll mit Horrornews. Nicht selten sind dies die Tage, an denen man Aktien einsammeln sollte. Dies führen wir Ihnen auch nahezu täglich in unseren Webinaren aus, für die Sie sich unter www.feingold-research.com anmelden können. Deshalb haben wir Ihnen zuletzt um 10.000 Zähler im Dax auch Discountzertifikate, ETFs und clevere Memory-Expresspapiere zum Einstieg ausgesucht. Auch von der technischen Seite sehen erfahrene Analysten wie Jörg Scherer von HSBC Trinkaus gute Chancen im langfristigen Trend.

Erholung des Ölpreises wohl nur von kurzer Dauer

Blicken wir noch auf den Ölpreis: Selbst die kleine Erholung konnte den Aktienmarkt nicht stützen. In den vergangenen Quartalen hat der Verfall des Ölpreises Länder wie Russland oder Saudi-Arabien stark belastet, weil sie auf die Ausgabenbremse treten müssen. Das dämpft die dortige Wirtschaft erheblich, weshalb die russische in einer tiefen Rezession steckt. Eine Erholung des Ölpreises würde daher den Aktienmarkt rund um den Globus stützen – allerdings nur wenn der Anstieg der Notierung des Rohstoffs auf eine steigende Nachfrage zurückzuführen wäre.

Die jüngste Erholung ist aber darauf genau nicht zurückzuführen, sondern auf die Verschärfung der politischen Krise zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und trifft eine schwache Weltwirtschaft zum ungünstigsten Zeitpunkt. Insofern kann selbst die leichte Erholung des Ölpreises den Aktienmarkt nicht stützen, zumal der Anstieg angesichts der massiven Lagervorräte für Öl rund um den Globus nur von kurzer Dauer sein sollte. Hingegen dürfte ein weiterer Rückgang des Ölpreises dafür sorgen, dass Staatsfonds, wie der Norwegens, Papiere, wie Aktien oder Anleihen verkaufen.

Börsen handeln Zukunft

Soweit zu den negativen Einflussfaktoren und den Gründen, warum der Dax zeitweise unter die Marke von 10.000 Punkten gerauscht ist. Doch denken Sie daran: Börsen handeln Zukunft. Viele Probleme sind eben benannt und bekannt, auch die Überbewertung einiger US-Unternehmen der obersten Reihe wie Amazon oder Netflix ist offensichtlich, dazu gibt es in den USA massive Störfeuer bei Unternehmensanleihen und irrationale Bewertungen bei sogenannten Einhörnern, also Firmen mit speziellem Geschäftsmodell, die vielfach außerbörslich bewertet werden. Dies sollte auch jeder auf dem Schirm haben.

Doch Aktienkäufe waren schon immer dann eine gute Idee, wenn die Wörter Krise, Angst, Verwerfung, Probleme oder Rezession fallen. Im Frühjahr 2015 über 12.000 Punkten im Dax las man landläufig positive Stimmen, konnten sich die Analysten gar nicht oft genug bestätigen, wie gut das Aktienumfeld ist. Damals war der Dax fast 2500 Zähler teurer in der Spitze. Werden Sie mutiger, je schlechter die Stimmung wird. Beachten Sie dazu bitte unseren Lieblingsindikator bei Feingold Research, den VDax-New. Die Volatilität ist ehrlich und ohne Meinungsverzerrung. Sie weist nicht selten den Weg und gibt eine Idee, ob der Markt eher überhitzt oder unterkühlt ist.

Viel Erfolg bei der Geldanlage 2016!


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