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Europas Börsen sind im Kommen

, Julia Groth

Europäische Aktien stehen vor einem Aufwärtszyklus, sagen Marktbeobachter. Politische Risiken könnten die Märkte allerdings kurzfristig ausbremsen. Von Julia Groth

Handelsraum der Pariser Börse Euronext im Geschäftsviertel La Defense © Getty Images
Handelsraum der Pariser Börse Euronext im Geschäftsviertel La Defense

Seit Monaten schauen Anleger in Europa mit Neid über den Atlantik. Während US-amerikanische Aktienindizes von Rekord zu Rekord eilen, kommt der europäische Aktienmarkt nicht recht in Schwung. Nun mehren sich allerdings die Anzeichen dafür, dass Europas Börsen zur Aufholjagd ansetzen. Die Unternehmensgewinne steigen, die Konjunktur auf dem Kontinent zieht an. Das spiegelt sich auch in den Aktienkursen wider. „Die verbesserten makroökonomischen Frühindikatoren beflügeln den Gesamtmarkt“, sagt Eva Fornadi, Fondsmanagerin beim Investmenthaus Comgest.

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaft in der EU im laufenden Jahr um 1,8 Prozent wächst. Im Herbst hatte sie erst mit einem Wachstum von 1,6 Prozent gerechnet. Ein Haupttreiber des Aufschwungs ist der Konsum. In vielen europäischen Ländern sind die Verbraucher in Kauflaune. Auf Unternehmensseite läuft es so gut, dass viele Firmen ihre Ausschüttungen an Investoren erhöht haben. Allein die Dax-Konzerne haben in der aktuellen Dividendensaison zusammengenommen 32,1 Mrd. Euro ausgeschüttet – das sind 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert.

kleine und mittelgroße Unternehmen im Fokus

Anleger schenken Europas Börsen bereits seit einigen Monaten mehr Aufmerksamkeit. Im vierten Quartal 2016 haben sie viel Geld in europäische Aktien investiert, vor allem über Indexfonds, berichtet Fabio Riccelli, Fondsmanager bei Fidelity. „Die Rotation in passive Produkte hat die Performance europäischer Standardwerte getrieben“, sagt er. Seit Januar stehen bei Investoren nun vor allem Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen im Fokus. Das deutet darauf hin, dass Anleger von einer stabilen Wirtschaftserholung ausgehen: Kurse von Small und Mid Caps steigen in Aufschwungphasen in der Regel stärker als die Kurse von Standardwerten.

Euro Stoxx 50 Index

Euro Stoxx 50 Index Chart

Auch Profis setzen jetzt auf Aktien, die besonders stark von der anziehenden Konjunktur profitieren. Die Münchner Privatbank Merck Finck fokussiert sich beispielsweise auf Papiere aus zyklischen Branchen wie dem Bergbau-, Chemie- und Baustoffsektor. Auch IT- und Finanzaktien dürften sich im aktuellen Umfeld gut entwickeln, sagt Chefstratege Robert Greil.

Spannung vor Frankreich-Wahl

Allerdings besteht die Gefahr, dass politische Ereignisse den Aufwärtstrend am Aktienmarkt ausbremsen. Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Mai sorgen bei Marktbeobachtern für Unruhe. Es gilt zwar als unwahrscheinlich, dass die Rechtspopulistin und EU-Feindin Marine Le Pen in den Élysée-Palast einzieht. Sollte es wider Erwarten doch so kommen, droht aber ein europaweites Börsenbeben.

Ein Wahlsieg Le Pens würde das Risiko erhöhen, dass Frankreich aus der EU austritt. Anleger wären hochgradig verunsichert, die Aktienkurse könnten um bis zu zehn Prozent fallen, warnt Mark Burgess, Anlagestratege des Fondsanbieters Columbia Threadneedle. „Europäische Banken wären wahrscheinlich am stärksten betroffen. Ihre Aktien könnten um 20 bis 30 Prozent nachgeben, nachdem sie im Anschluss an die Brexit-Entscheidung bereits einen Kursverlust von 20 Prozent verzeichnet hatten.“

Die anziehende Konjunktur befördert also die Investitionslust, während politische Risiken zur Vorsicht mahnen. Welche der beiden Einflussgrößen kurzfristig die europäischen Aktienmärkte lenken wird, ist offen. Bis zum Herbst dürfte sich die Lage aber geklärt haben.


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