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Wo Anleger am meisten gewinnen konnten

, Nadine Oberhuber

Das Jahr 2016 war voller überraschender Gewinner – auch an der Börse. Was Anleger daraus lernen können und wie sie sich für 2017 positionieren sollten. Von Nadine Oberhuber

Ein Gesicht spiegelt sich in einem Bildschirm mit einer Kurskurve © Getty Images
Insgesamt ging es an den Börsen wieder bergauf

Ob Optimisten die besseren Anleger sind, wissen wir nicht so genau, das hat bisher noch niemand abschließend und überzeugend untersucht. Zumindest stand das Jahr 2016 aber bei vielen Börsianern unter dem Vorzeichen des Optimismus. Und Verhaltensforscher sowie Psychologen sagen es so: Pessimisten agieren zwar generell skeptischer und behalten auch öfter mal Recht, wohingegen Optimisten sich selbst und mögliche Gewinne häufiger überschätzen. Dafür haben Optimisten aber mehr Spaß – auch beim Anlegen. Bewahrheitete sich das 2016? „Vorsichtigen Optimismus“ könne man an den Börsen walten lassen, hatten namhafte Experten vor zwölf Monaten geraten, denn die Aussichten seien ziemlich gut. Im Großen und Ganzen zahlte er sich auch aus. Es gab allerdings 2016 auch sehr große Überraschungen.

Insgesamt ging es an vielen Weltbörsen doch wieder recht steil bergauf. Man könnte sogar sagen: Global gesehen haben die tatsächlichen Entwicklungen die Erwartungen der vorsichtigen Optimisten noch übertroffen. Denn die lang anhaltende Boomphase, über deren jähes Ende bereits 2015 viele Finanzmarktbeobachter hierzulande spekulierten, weil sie nämlich laut Statistik schon überdurchschnittlich lange andauert, hat ein weiteres Jahr gehalten. Ebenso hat das abgeschwächte Wachstum in den Schwellenländern wieder neuen Schub bekommen. Aufs Jahr gesehen legte der Index der Emerging Markets um beachtliche 8,3 Prozent zu. Das ist ein erheblicher Anstieg zu den dümpelnden Kursen der Vorjahre. Deutlich stärker liefen jedoch die Unternehmensanleihen der Schwellenländer, deren Indizes in der Spitze um 25 Prozent stiegen. Auch der Weltaktienindex MSCI World zeigte sich 2016 unverhofft stark: Nachdem er sich aus dem Jahr 2015 mit einem Negativwachstum von minus einem Prozent verabschiedet hatte, gewann er 2016 satte fünf Prozent hinzu. Das war mehr, als viele Experten ihm zugetraut hatten.

US-Aktien überraschten die Experten

Hierzulande sah es für Anleger sogar noch besser aus: Der deutsche Aktienindex Dax war bei vielen der favorisierte Index fürs laufende Jahr und diese Einschätzung bestätigte sich auch mit einem Plus von 8,9 Prozent auf Jahressicht. Noch stärker lief übrigens die Riege der Dividendenaktien, der dazugehörige DivDax-Index legte sogar stattliche 14 Prozent seit Jahresbeginn zu. Der Eurostoxx dagegen zeigte sich ein weiteres Jahr schwach und veränderte sich nur marginal um 0,38 Prozent nach einem Vorjahresplus von 2,3 Prozent in 2015. So gesehen lagen die meisten Analysten mit ihren Prognosen goldrichtig und Anleger, die ihnen folgten konnten sich über satte Zuwächse freuen.

Aber ... es gab auch einige Bereiche, die im laufenden Jahr gehörig überraschten und die so stark liefen, wie es ihnen die wenigsten zugetraut hatten. Daher waren genau diejenigen Anleger die größten Gewinner, die just auf die Märkte setzten, für die ein Großteil der Profiinvestoren eher pessimistisch gestimmt war. Neben den Schwellenländern waren es vor allem die amerikanischen Aktien, die alle überraschten, aber auch der Energiesektor und vor allem Rohstoffe.

Den US-Aktien hatten Beobachter wenig zugetraut angesichts der lahmenden Wirtschaft in den Vereinigten Staaten. Obwohl es in den USA das ungeschriebene Gesetz gibt, dass Präsidentschaftswahljahre statistisch gesehen sehr gute Aktienjahre sind, in denen der Dow Jones im Schnitt um rund 9,5 Prozent zulegt. Und genau das bewies sich auch diesmal, allerdings mit einer Reihe von außergewöhnlichen Abweichungen von den Mustern der vergangenen 27 Präsidentschaftswahlzyklen: Denn der große Aktienmarkteinbruch nach der Vorwahl im Frühjahr entfiel, die Sommerralley zwischen Juli und September fiel mit einem Plus von nur 400 Punkten, also vier Prozent ebenfalls mau aus, dafür startete der Index so richtig nach der Wahl Donald Trumps durch. Insgesamt elf Prozent legte er seitdem zu. Das ist schon enorm, die Gründe (das angekündigte Konjunkturprogramm) sind inzwischen hinlänglich bekannt.

Ob und wie lange der Aufwärtsdrall der US-Werte weitergeht, da scheiden sich jetzt die Geister. Die Pessimisten sagen: Trump müsse nun liefern, momentan jedenfalls seien die Bewertungen zu hoch. Die Optimisten dagegen sagen: Den amerikanischen Unternehmen steht eine Sonderkonjunktur ins Haus, von der viele profitieren werden.

Rohstoffe - Beginn eines neuen Superzklus?

Was in den USA passierte nimmt sich aber beinahe harmlos aus im Vergleich zu dem, was an den Energie- und Rohstoffmärkten los war. Beide nämlich gehörten 2016 zu den großen Gewinnern und wer sie aufgrund der pessimistischen Haltung vieler Analysten nicht in seinem Portfolio hatte, dem entgingen einige Chancen. Der Rohstoff Indexfonds Stoxx Europe 600 zum Beispiel, der vorwiegend in die Branchen Bergbau, Papier, Eisen und Stahl investiert und Unternehmen bündelt wie Rio Tinto, BHP Billiton, Glencore und ArcelorMittal, dürfte dieses Jahr einer der am besten gelaufenen Indizes überhaupt gewesen sein mit einem Plus von 81 Prozent. Er stieg von 23 auf 45 Euro und machte damit seinen ebenso beeindruckenden Absturz von 2015 wieder komplett wett.

Ja, zugegeben, er hat schon sehr viel bessere Zeiten gesehen, im Jahr 2008 notierte er immerhin bei 84 Euro, stand also beinahe doppelt so hoch. Doch im gleichen Jahr stürzte er auch auf 25 Euro ab. Der scharfe Anstieg in diesem Jahr – der erste seit sechs Jahren – könnte ein Signal dafür sein, dass sich die Rohstoffklasse wieder in Richtung ihrer alten Höhen aufschwingt. Damit zumindest rechneten einige Marktbeobachter schon Ende 2015. Damals stellten sie fest: Rohstoffe waren 2015 einer der größten Flops in den Portfolios, ein neuer Superzyklus stehe aber wohl nach vielen Jahren des Einbruchs unmittelbar bevor. Ob der schon 2016 beginne, sei unklar. Zumindest aus heutiger Sicht scheint er angebrochen.

Zuversicht für 2017

Auch Energieaktien, von denen es damals hieß, man solle lieber einen Bogen um sie machen wegen des unberechenbaren Ölpreises, gewannen seitdem satt dazu. Der MSCI World Energy stieg um 32 Prozent, US Energyfonds sogar um rund 46 Prozent. Überraschungssieger unter den Länderindizes war 2016 übrigens Russland. Hart abgestraft von der Krim-Krise überwogen Ende letzten Jahres noch die Warnungen vor einem Investment in russische Aktien, obgleich viele Analysten bereits feststellten, die Papiere seien arg unterbewertet. Inzwischen legten einige Russland-ETFs gigantische 58 Prozent zu.

Wer sich also Ende vergangenen Jahres auf die Seite der Superoptimisten gesellte und weniger den Pessimisten glaubte, für den dürfte das Jahr 2016 gut gelaufen sein. Und was sagen die Stimmen nun fürs nächste Jahr? Optimistisch jedenfalls sind diesmal auch wieder viele, obgleich alle vor den politischen Unwägbarkeiten warnen. Manche sind auch nicht mehr so vorsichtig wie noch 2015 sondern richtig zuversichtlich. Zumindest rechnen die meisten Anlageprofis mit deutlich steigenden Aktienmärkten, einigen Indizes trauen sie sogar Rekordstände zu. Und sie setzen wieder etwas mehr auf Anleihen. Welchen Marktbereichen sie am meisten zutrauen – und wo Anlegen 2017 besonders viel Spaß machen könnte, das verraten wir an dieser Stelle in der kommenden Woche.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 



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