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Bleigiessen mit Indexfonds

, Julia Groth

Nachdem Europa-ETFs im Jahresverlauf hohe Zuflüsse verzeichneten, haben sich Anleger zuletzt von den Produkten abgewandt. Stattdessen setzen Investoren jetzt auf US-Aktien. Von Julia Groth

Händler an der New York Stock Exchange © Getty Images
Händler an der Börse: Nach der US-Zinserhöhung dreht der Trend bei ETFs

Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) konnten sich in den vergangenen Monaten über hohe Mittelzuflüsse freuen. Zwischen Anfang Januar und Ende November investierten Anleger weltweit unterm Strich 302,4 Mrd. US-Dollar in ETFs, wie Zahlen des US-Investmenthauses Blackrock zeigen. Die Dezember-Zahlen liegen noch nicht vor. Es ist aber gut möglich, dass der bisherige Absatzrekord von 2014 übertroffen wird: Im vergangenen Jahr sammelte die Branche mit 345,4 Mrd. Dollar mehr ein als je zuvor.

Der europäische ETF-Markt ist nach wie vor deutlich kleiner als sein US-Pendant. Europäische Indexfonds verzeichneten in den ersten elf Monaten dieses Jahres Zuflüsse von rund 65,4 Mrd. Euro, berichtet der ETF-Anbieter Amundi. Indexfonds-Käufer in Europa orientierten sich offenbar einmal mehr an der Politik der großen Notenbanken: Von Anfang Januar bis Ende November investierten sie rund 11 Mrd. Euro in ETFs, die Aktienindizes aus der Eurozone nachbilden; noch einmal 6,7 Mrd. Euro in gesamteuropäische Indexfonds; außerdem 2,2 Mrd. Euro in Deutschland-ETFs und 2,1 Mrd. Euro in währungsgesicherte Indexfonds auf Aktien aus der Eurozone.

Europa-Produkte verzeichneten damit im Jahr 2015 mit Abstand die höchsten Zuflüsse. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird im Gegensatz zur US-Notenbank Fed noch länger an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten. Das stützt die Aktienmärkte der Eurozone und lässt Anleger zu europäischen Indexfonds greifen.

Der Trend dreht

ETFs auf chinesische Aktien sind – wenig überraschend – die Verlierer des Jahres. Zwischen Anfang Januar und Ende November zogen Anleger rund 1,8 Mrd. Euro aus den Produkten ab. Die Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt im Sommer sorgten bei Anlegern für Unruhe. Auch Asien- und Pazifik-ETFs verzeichneten in den vergangenen Monaten Abflüsse. Investoren fürchteten offenbar, dass Chinas Probleme andere asiatische Aktienmärkte anstecken könnten.

Die Gesamtjahreszahlen zeichnen ein eindeutiges Bild: Europa-ETFs waren gefragt, China-ETFs unbeliebt, USA-Indexfonds rangierten unter „ferner liefen“. Schaut man sich die November-Zahlen des europäischen ETF-Marktes an, sieht es anders aus. Viele Anleger ahnten offenbar, dass die US-Notenbank im Dezember zum ersten Mal seit fast einer Dekade den Leitzins anheben würde. ETFs auf US-amerikanische Aktien verzeichneten im November mit 810 Mio. Euro die höchsten Zuflüsse. Auch Schwellenländer-ETFs sammelten zuletzt wieder Geld ein.

Dagegen zogen Anleger aus Eurozonen-ETFs im selben Zeitraum 279 Mio. Euro ab. Noch unbeliebter waren Indexfonds auf deutsche Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Bundesanleihen werfen kaum Zinsen ab, Kurzläufer erst recht nicht. Weitere Leitzinssenkungen, die die Anleihekurse in die Höhe treiben könnten, sind kaum möglich, deutsche Staatsanleihen sind also für Anleger mittlerweile uninteressant. Auch andere Renten-ETFs verzeichneten zuletzt Abflüsse.

Der November zeigt, mit welchen Trends das Gros der Anleger in der kommenden Zeit rechnet: Die Kurse von US-Aktien steigen, europäische Aktien und Anleihen werden unattraktiv. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob das ETF-Orakel eine höhere Erfolgsquote aufweist als Bleigießen.


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