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  • Interview

Bitcoin fehlt die "gewisse Stabilität"

, David Selbach

Jörg von Minckwitz, CEO des Start-ups Bitwala, glaubt, die heftigen Kursschwankungen bei Bitcoins werden sich mittelfristig beruhigen - noch sichert er sich selbst aber weiter dagegen ab.

© Getty Images
Bitwala nutzt Bitcoins als internationales Tauschmittel

Jörg von Minckwitz ist CEO des Start-ups Bitwala, ein Berliner Zahlungsdienstleister, dessen System auf der virtuellen Währung Bitcoins basiert.


Kritiker warnen, dass Bitcoins keine richtige Währung sind. Was sagen Sie dazu?

Da haben sie durchaus Recht. In Deutschland ähneln Bitcoins rechtlich eher Aktien als einer Währung. Eine Währung muss drei Bedingungen erfüllen: Sie muss eine handelbare, teilbare Recheneinheit darstellen. Dann muss sie flächendeckend verfügbar sein. Beides ist mit Bitcoins durchaus möglich. Aber die dritte Bedingung heißt: Eine Währung muss eine gewisse Stabilität aufweisen. Das trifft bei Bitcoins tatsächlich noch nicht zu.

Warum schwankt der Wert von Bitcoins so stark?

Bitcoins entstehen in einem System, das komplett den Märkten überlassen ist. Es gibt keine Zentralbank, die steuernd eingreift. Hinzu kommt: Gerade am Anfang war das Volumen noch klein. Wenn ein Anleger 1 Mio. Dollar in Bitcoins tauscht oder umgekehrt, dann hat das bei ein paar hundert Millionen Dollar Gesamtmarkt eine enorme Wirkung auf den Kurs. Das wird langsam besser, weil der Markt größer wird. Sind erstmal Bitcoins im Gegenwert von vielen zig Milliarden im Umlauf, dann werden die Kurse viel weniger schwanken.

Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Euro) Währung

BTC/EUR (Bitcoin / Euro) Währung Chart
Kursanbieter: Bitcoin.de

Bitcoins als Geldanlage sind nur die eine Seite – als Zahlungsmittel sind sie bisher noch sehr wenig verbreitet. Warum eigentlich?

Das stimmt nicht. In den USA und auch in Asien sind Bitcoins als Zahlungsmittel sogar recht weit verbreitet. Europäer und ganz besonders Deutsche hängen an ihrem Geld, haben oft Sicherheitsbedenken. Wir brauchen länger, uns auf solche Veränderungen in Finanzdingen einzulassen. Ich glaube aber, gerade bei Bitcoins wird das irgendwann ganz schnell gehen. Wenn sich nämlich Technologien durchsetzen, die das Handhaben von Bitcoins vereinfachen.

Da kommen Start-ups rund um Bitcoins ins Spiel – wie Bitwala. Wie funktioniert Ihre Plattform?

Wir nutzen Bitcoins als internationales Tauschmittel, um grenzüberschreitende Finanztransaktionen zu organisieren. Wir von Bitwala zum Beispiel erlauben es deutschen Kunden, eine Euro-Zahlung nach China zu senden. Wir wandeln den Betrag in Bitcoins um, transferieren ihn nach China. Und dort wird er in lokale Währung getauscht. Wir schaffen eine solche Überweisung in wenigen Stunden. Bei einer herkömmlichen Swift-Überweisung kann das über eine Woche dauern. Ähnliche Konzepte gibt es für Mikrokredite oder Überweisungen in Länder, in denen viele Menschen keine Bankkonten haben. In solchen Fällen kann man per Bitcoin Geld direkt aufs Handy schicken.

Wie gehen Sie mit den starken Kursschwankungen um?

Die meisten kommerziellen Anbieter sind dazu übergegangen, Bitcoins immer sofort in die jeweilige Landeswährung zu tauschen. Das machen wir genauso, einfach um das Risiko für uns und unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Daran sieht man auch, dass die Community selbst Bitcoins noch nicht wirklich als Währung ansieht.

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