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Ansteckungsangst bei Hochzinsanleihen

, Julia Groth

Die Turbulenzen am US-Hochzinsmarkt könnten auf Europa übergreifen, befürchten Marktbeobachter. Anleger sollten vorsichtig sein und nicht nur auf die Renditen schauen. Von Julia Groth

Kurschart in einer Zeitung plus Bleistift © Photocase
Hochzinsanleihen: Hohe Rendite, hohes Risiko

Wer deutsche Staatsanleihen kauft und nicht bis zur Fälligkeit hält, kann froh sein, wenn er ohne Verluste aus dem Investment herauskommt. Bundesanleihen mit kurzer Laufzeit bringen Anlegern schon seit längerer Zeit Verluste ein. Mittlerweile sieht es auch bei den längeren Laufzeiten düster aus: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel Anfang Februar auf mickrige 0,26 Prozent.

Angesichts solcher Zahlen ist es kein Wunder, dass Anleger verstärkt ihr Heil in Schrottanleihen, den sogenannten High Yields, suchen. Bonds europäischer Unternehmen mit mäßiger bis schlechter Bonität bieten derzeit im Schnitt eine Rendite von fünf bis sechs Prozent. Die Risikoaufschläge der Papiere gegenüber sicheren Staatsanleihen, im Fachjargon Spreads genannt, sind zuletzt gestiegen und liegen über dem langfristigen Durchschnitt. Die hohen Risikoaufschläge sind auf den ersten Blick attraktiv. Sobald sie wieder sinken, winken Hochzinsinvestoren nämlich Kursgewinne. Der jüngste Anstieg kommt allerdings nicht von ungefähr. Er zeigt an, dass Anleger damit rechnen, dass in der kommenden Zeit viele Anleihen ausfallen werden.

Hauptgrund für die Nervosität ist die desolate Lage am US-High-Yield-Markt. Viele amerikanische Unternehmen aus der Energiebranche hatten sich in den vergangenen Jahren Geld am Kapitalmarkt geliehen. Dann brach der Ölpreis ein. Nun dürften nicht mehr alle Unternehmen in der Lage sein, ihre Schulden zurückzuzahlen. Die Sorge über steigende Ausfallraten im Energiesektor griff auf andere Bereiche des Marktes über, massive Kursverluste waren die Folge. Mehrere US-Hochzinsfonds verzeichneten Ende vergangenen Jahres so starke Abflüsse, dass sie die Rücknahme von Fondsanteilen sogar vorübergehend aussetzen mussten.

„nicht einfach die Papiere mit der höchsten Rendite kaufen“

Marktbeobachter sind uneins, ob die Turbulenzen am US-Markt auf europäische Junk Bonds übergreifen. Das Risiko steige auch in Europa, heißt es vom Fondsanbieter Jupiter Asset Management. Die bevorstehende Pleite des spanischen Erneuerbare-Energien-Konzerns Abengoa sei ein Warnsignal. Jupiter hat im vergangenen Monat den Bestand an europäischen Hochzinsanleihen reduziert. Rentenexperten sorgen sich zudem darüber, dass die Liquidität am Hochzinsmarkt zuletzt gesunken ist. „Je nach Marktphase kann es schwierig sein, Käufer zu finden“, sagt Alexander Posthoff, Anleihespezialist beim Fondsanbieter Bantleon.

Bei anderen Investmenthäusern gibt man sich gelassen. So weist das belgische Haus Degroof Petercam darauf hin, dass sich der europäische Hochzinsmarkt anders zusammensetzt als der amerikanische. Während Anleihen aus dem Energiesektor in US-High-Yield-Indizes ein Gewicht von rund 15 Prozent haben, machen die Titel in europäischen Indizes gerade einmal 1,5 Prozent aus. Zudem würden Unternehmensanleihen in Europa deutlich vorsichtiger bewertet als in den USA. „Insgesamt ist der europäische Markt für Hochzinsanleihen weniger riskant als der US-Markt“, so die Experten von Degroof Petercam.

Weil sich die Risiken europäischer Junk Bonds derzeit schlecht einschätzen lassen, sollten Privatanleger vorsichtig bleiben. „Eine selektive Auswahl ist bei Hochzinsanleihen jetzt besonders wichtig“, sagt Jakob Tanzmeister, Multi-Asset-Experte bei J.P. Morgan Asset Management. „Man darf nicht einfach die Papiere mit der höchsten Rendite kaufen, auch wenn es verlockend ist.“ Sonst steht man womöglich eines Tages vor ungeahnten Verlusten.


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