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Angst vor der Wackelbörse

, Julia Groth

Die Aktienmärkte werden in den kommenden Monaten stark schwanken, sagen Analysten. Mit speziellen Fonds können Anleger die Volatilität ihres Portfolios senken. Von Julia Groth

© Getty Images
Low-Vola-Fonds sollen starke Marktschwankungen abfedern

Der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat einmal gesagt: „Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst.“ Das Bonmot lässt sich gut auf die derzeitige Lage an den Aktienmärkten anwenden. Die Weltwirtschaftslage ist schwierig, aber nicht dramatisch – trotzdem waren Anleger in den vergangenen Monaten oft hart an der Grenze zur Panik. Furcht ist an den Märkten eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn alle damit rechnen, dass die Aktienkurse fallen werden, dann fallen sie tatsächlich.

Der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität deutscher Anleger illustriert, kletterte Mitte Februar auf den höchsten Stand seit Ende des Jahres 2011. Gleichzeitig fiel der Aktienindex Dax auf den tiefsten Stand seit Herbst 2014. In den kommenden Monaten dürfte es an den Börsen ungemütlich bleiben, sagen Marktbeobachter. Weil die Investoren ängstlich und verunsichert sind, werden die Aktienkurse voraussichtlich weiterhin stark schwanken.

Eine solch hohe Volatilität ist, obwohl oft als Risikomaß verwendet, nicht unbedingt etwas Schlechtes. Sie umfasst nicht nur Kursschwankungen nach unten, sondern auch Ausschläge nach oben. Trotzdem wollen viele Anleger starke Schwankungen in ihren Portfolios vermeiden. Dabei kommen ihnen Anbieter aktiv verwalteter Fonds und börsengehandelter Indexfonds (ETFs) zu Hilfe.

nur wenige aktiv verwaltete Low-Vola-Fonds

Investmenthäuser bringen immer mehr Produkte auf den Markt, die hauptsächlich oder sogar ausschließlich in Aktien mit besonders geringen Schwankungen investieren. Die Hoffnung dahinter: Schwankungsarme Aktien entwickeln sich auch in schwierigen Marktphasen vergleichsweise stabil, müssen deshalb, wenn es wieder aufwärts geht, nicht so hohe Verluste wettmachen, und könnten damit insgesamt besser abschneiden als Titel mit hoher Volatilität. Traditionell weisen etwa Aktien aus der Telekommunikations- oder Versorgerbranche eine vergleichsweise niedrige Volatilität auf.

Es gibt nur wenige aktiv verwaltete Low-Vola-Fonds. Einer stammt beispielsweise von der Fondstochter der französischen Bank BNP Paribas. Der Fonds mit dem komplizierten Namen „Parvest Equity World Low Volatility Classic-Capitalisation“ ist derzeit stark in US-Aktien investiert. Zu den größten Positionen im Portfolio gehören klassische Blue Chips, etwa Aktien von McDonald’s und Starbucks. Trotz dieser konservativen Titelauswahl hat der Fonds allerdings seit Januar um rund sechs Prozent an Wert verloren – fast genauso viel wie der globale Aktienindex MSCI World.

Low-Volatility-Produkte nur als Beimischung

Bei Low-Vola-ETFs haben die französischen Anbieter Ossiam und Lyxor die Nase vorn. Beide haben schon vor mehreren Jahren damit begonnen, Indexfonds anzubieten, die sich besonders gleichmäßig entwickeln sollen. Seit immer mehr Indexfondshäuser unter dem Schlagwort „Smart Beta“ alternativ gewichtete ETFs anbieten, ist die Auswahl an Low-Vola-Produkten allerdings deutlich gestiegen. Ähnlich wie die aktiv verwalteten Fonds gewichten Low-Vola-ETFs schwankungsarme Aktien besonders hoch.

Sogenannte Minimum-Varianz-ETFs funktionieren ähnlich: Dort sollen hohe Liquidität, breite Diversifikation und eine geringe Korrelation der ausgewählten Titel zueinander die Schwankungen des Portfolios minimieren.

Bei aller Sorge um ihr Geld sollten Anleger Low-Volatility-Produkte aber höchstens als Beimischung einsetzen. „Sie reduzieren zwar in Abwärtsphasen die Verluste, können aber in Aufwärtsphasen die Renditechancen schmälern“, sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Thomson Reuters Lipper. Darüber hinaus sind gefallene Kurse nicht nur schlecht, bieten sie mutigen Investoren doch günstige Einstiegschancen. Anleger sollten deshalb in turbulenten Marktphasen die Worte eines weiteren großen Amerikaners beherzigen. John Wayne sagte: „Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt.“


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