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Investitionspflicht in Aktien

, Christoph Bruns

Wenn schon eine Investitionspflicht dann bitte in Aktien - das mehrt den Wohlstand der Bürger. Von Christoph Bruns

Christoph Bruns © Lyndon French
Christoph Bruns

Das alljährlich auftretende politische Sommerloch schickt sich in diesem Jahr an, durch besonders undurchdachte Äußerungen Erheiterung zu erregen. Der erste, der in die Sommerloch-Falle getappt ist, heißt Martin Schulz. Nicht nur, dass der Kanzlerkandidat der SPD den wegfallenden britischen Nettobeitrag zum EU-Haushalt gerne seinen deutschen Landsleuten aufbürden will, nein er will auch noch unserem Staat Investitionspflichten vorschreiben.

Schulz verkennt völlig, dass Deutschland nach jahrzehntelangem strammen Sozialstaatswachstum sehr hohe Steuer- und Abgabenlasten trägt und dass die temporäre gute Haushaltslage vor allem zwei transitiven Effekten geschuldet ist: nämlich erstens den Reformen der Agenda 2010 des Reformkanzlers Gerhard Schröder und zweitens der Abschaffung positiver Nominalzinsen durch die Europäische Zentralbank. Beide Effekte werden irgendwann in der Zukunft auslaufen, während das große strukturelle Problem der Bundesrepublik Deutschland, die demografische Entwicklung (Kinderlosigkeit und Überalterung), jedes Jahr größere Belastungen mit sich bringen wird.

Die stetig steigenden Zuschüsse aus dem Steuertopf an die Rentenkasse geben einen Vorgeschmack darauf, wohin der Weg in den kommenden Jahren führen wird – vor allem wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Leider ist nämlich zu festzuhalten, dass in Deutschland der Staat keine Kapitalrücklagen gebildet hat und die Bürger viel zu geringe Vermögenseinnahmen haben, um darauf ihre Alters- und Gesundheitsvorsorge aufzubauen. Obwohl das Geldvermögen der Deutschen mit circa 5,8 Billionen Euro (im Durchschnitt etwa 70.000 Euro pro Einwohner) nicht gering ist, wirft es bereits seit Jahrzehnten zu geringe jährliche Erträge ab, um ausreichende Polster für die Zukunft zu schaffen. Hauptverantwortlich dafür ist die Weigerung von etwa 90 Prozent der Bevölkerung ihr Erspartes in der Wirtschaft – sprich in den Unternehmen – arbeiten zu lassen. Sie setzen stattdessen überwiegend auf zinsbasierte Produkte wie etwa Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge, Banksparverträge und Sparbücher.

Mal eine sinnvolle Pflicht

Keine der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien interessiert sich für dieses Thema. Stattdessen denken alle Parteien ohne Ausnahme stets darüber nach, wie sich die staatlichen Füllhörner vergrößern lassen, um sie dann über der eigenen Klientel ausgießen zu können. In diesem Sinne wäre Herr Schulz gut beraten, über eine Investitionspflicht in Aktien nachzudenken. Man darf nicht vergessen, dass die Teilhabe an einem global investierenden Aktienfonds innerhalb eines monatlichen Sparplans bereits ab 25 Euro für jedermann möglich ist. Wer tatsächlich das Gemeinwohl im Auge hat, der müsste hier und nicht bei unsinnigen staatlichen Geldausgabepflichten anfangen, um dem Wohlstand der Bürger zu erhöhen.

Ein kluger Schritt wäre es, die struktur- und leistungsfeindliche Besteuerung von Kapitalerträgen aus Eigenkapitalanlagen rückgängig zu machen. Die Abschaffung des Anrechnungsverfahrens durch Hans Eichel und die Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens durch Peer Steinbrück haben erheblich dazu beigetragen, dass Deutschland eine Aktien-Diaspora ist und bleibt. Inzwischen zeigen beispielsweise Zahlen der Bundesbank zur Vermögensentwicklung, dass die Bundesbürger um viele hundert Milliarden Euro wohlhabender sein könnten. Und damit wäre die Altersvorsorge wesentlich sicherer – aber leider ist die Politik seit Jahrzehnten der Hauptfeind der Aktienanlage in Deutschland.

Wie wäre es also, wenn die SPD eine Investitionspflicht in Aktien forderte für all jene, die bislang nicht diesen langfristig überlegenen Weg zum Vermögensaufbau wählen. An Zwangssystemen fehlt es ja ohnehin nicht in Deutschland, wenn man etwa an die Krankenversicherungspflicht denkt. Klar ist nämlich auch hier, dass jene, die verantwortlich angelegt haben, später diejenigen werden mit durchfüttern müssen, die sich dem sinnvollen Sparen zeitlebens verweigert haben.

Die tief verwurzelte Neigung unserer Politiker, dass schwer erarbeitete Geld der Bürger leichthändig auszugeben muss ein Ende haben. Deutschland hat einen Mangel an privaten Investitionen, der mancherlei Gründe hat. Martin Schulz sollte lieber Vorschläge machen, wie die Standortbedingungen so verbessert werden können, dass Bürger und Unternehmen Lust auf Investitionen in Deutschland haben.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG. Weitere Kolumnen: Die USA - ein Land von gestern, Das Ende des Adenauer-Dogmas und Deutsche Leitkultur bei der Geldanlage


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