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„Alternative Bonds können sinnvoll sein“

, Julia Groth

Weil Staatsanleihen kaum noch Rendite bringen, raten immer mehr Investmenthäuser zu abseitigen Bonds. Das muss kein schlechter Rat sein, sagt Jakob Tanzmeister, Multi-Asset-Spezialist bei J.P. Morgan Asset Management. Von Julia Groth

Jakob Tanzmeister
Jakob Tanzmeister

Capital: Herr Tanzmeister, ist das Umfeld für Rentenanleger zurzeit schlecht oder sehr schlecht?

Jakob Tanzmeister: Herausfordernd, würde ich sagen. Anleger machen sich heute allerdings mehr Sorgen als vor einigen Monaten, obwohl sich an den Rentenmärkten nicht alles schlecht ist.

Woher kommt die miese Stimmung?

Das Problem ist nicht, dass die Wertentwicklung von Anleihen längerfristig schlecht wäre. Sondern dass die Renditen im Zuge der guten Performance immer mehr abgeschmolzen sind. Man verdient mit Anleihen einfach nicht mehr so viel wie früher. Es sei denn, man weicht von den traditionellen Varianten wie sicheren Staatsanleihen ab. Viele Anlagespezialisten raten deshalb inzwischen zu höher verzinslichen Varianten wie Wandelanleihen, Hybridanleihen oder Coco-Bonds.

Ist dieser Rat sinnvoll?

Solche alternative Rentenpapiere können interessant sein, allerdings sollte man sie in Form eines professionell verwalteten Fonds kaufen. Denn was sie nicht bieten können, ist eine höhere Verzinsung als Staatsanleihen bei gleichem Risiko.

Privatanleger sollten in Fonds investieren

Sind sie also zu riskant für Privatanleger?

Nicht unbedingt. Oft bezieht sich das Risiko sehr konkret auf einzelne Märkte. Zum Beispiel nichtstaatliche Hypothekenanleihen in den USA, sogenannte Non-Agency-Mortgages: Dahinter stehen gebündelte Immobilienkredite. Wenn man der Ansicht ist, dass die USA nicht in eine Rezession rutschen, kann man in die Papiere investieren und dafür rund vier Prozent laufende Rendite vereinnahmen. Vor 2008 dachten viele Anleger, Non-Agency-Mortgages seien quasi risikolos. Das hat sich als Fehleinschätzung erwiesen. Gerade in solchen Marktverwerfungen, wie wir sie nach der Finanzkrise gesehen haben, bieten sich aber für langfristig orientierte Investoren Einstiegschancen. Man braucht also eine gewisse Expertise, um in den Genuss des Mehrwerts dieser Anlageklassen zu kommen.

Warum sollte man ausgerechnet via Fonds in solche Papiere investieren?

Viele Anleihen gibt es nur ab einem recht hohen Investitionsvolumen. Man braucht aber ein Portfolio von mindestens 60 bis 80 Titeln, um eine ausreichende Diversifizierung zu bekommen. Deshalb ist es für Privatanleger am effizientesten, in Fonds zu investieren, die breit gestreut anlegen und aktiv und flexibel verwaltet werden.

Setzen viele Fondsmanager alternative Rentenpapiere ein oder muss man als interessierter Anleger gezielt nach Managern suchen, die das tun?

Eine der Ideen hinter der Nullzinspolitik war, Investoren in risikoreichere Anlageklassen hineinzudrängen. Alternative Bonds finden sich deshalb mittlerweile zwar nicht in allen, aber in vielen Rentenfonds. Es wäre allerdings vermessen zu glauben, dass die Papiere die Lösung für alle Probleme wären. Sie sollten immer Teil eines breiter diversifizierten Portfolios sein.


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