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Ist die Trump-Hausse am Ende?

, Nadine Oberhuber

Die Märkte reagieren mit einem Kursrutsch auf die Aussagen der amerikanischen Notenbank. Sie hält die Aktienkurse derzeit für überbewertet. Das muss aber nicht der Beginn der großen Trendwende sein. Von Nadine Oberhuber

Skeptischer Blick: Die Aktienmärkte mussten in der vergangenen Woche einen Rücksetzer verkraften © Getty Images
Skeptischer Blick: Die Aktienmärkte mussten in der vergangenen Woche einen Rücksetzer verkraften

Mit Vorschusslorbeeren ist es so eine Sache. Manchmal sind sie sehr schnell verteilt und es ist ja gelegentlich auch mal schön, eine kleine Belohnung vorab einzustreichen. Allein dafür, dass große Erwartungen in etwas oder jemanden gesetzt werden. Das Problem ist nur: Diejenigen, die sie vergeben, tun das in der Regel nicht einfach nur so. Sondern sie erwarten natürlich, dass sich der Hochgelobte später auch würdig erweist und sich die Lorbeeren noch einmal gesondert verdient. Und genau hier fängt das Dilemma oft an, auch dasjenige, das man derzeit am Aktienmarkt wunderbar beobachten kann: Die Kurse sackten vergangene Woche stark ab. Um rund 300 Punkte knickte der Dow Jones weg, der deutsche Index Dax verlor 160 Punkte innerhalb kürzester Zeit, der Eurostoxx verzeichnete auch einen Rückgang. Der war zwar nur 50 Punkte groß, machte aber immerhin rund zwei Prozent aus, den das europäische Börsenbarometer sozusagen über Nacht verlor zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagfrüh.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Was war passiert? Im Grunde nicht viel, außer dass die amerikanische Notenbank Fed getagt hatte und ihre Protokolle mitsamt ihrer Einschätzung zur Lage der Märkte am Mittwoch die Runde machten. Sie hatte zweierlei festgestellt: Erstens, dass sie die Bewertungen am Aktienmarkt inzwischen für teilweise überzogen halte und zweitens, dass sie ihre eigene inzwischen arg aufgeblähte Bilanz straffen wolle. Übersetzt heißt das: Die Notenbank will möglichst schnell aufhören, weiteres Geld in die Märkte zu pumpen und sich auch von einem Teil der Anleihen trennen, die sie zuletzt im großen Stile aufgekauft hat. Sie wird also die Zinsen weiter anheben – so weit war das zwar absehbar, doch womöglich wird es nun schneller geschehen, als bisher gedacht. Und sie wird etliche ihrer Anleihen wohl noch 2017 auf den Markt werfen, damit hatten Beobachter bisher nicht vor 2018 gerechnet. Wie das Verschlanken der Bilanz genau vonstatten gehen soll, darüber sind sich die Währungshüter noch uneinig. Ein zu schnelles Abstoßen der Papiere würde jedenfalls die Anleihenkurse massiv drücken und könnte zu erheblichen Verwerfungen auf den Märkten für Staatspapiere führen. Von daher ist Vorsicht geboten.

Für die Aktienmärkte verheißen die weiteren Zinsanhebungen auch nicht unbedingt Gutes. Denn höhere Zinsen machen Aktien als Anlage unattraktiver im Vergleich zu Festverzinsern, daher sinken klassischerweise die Kurse, wenn die Zinsen steigen. Ist die Zeit der großen Anstiege nun also tatsächlich vorbei? So kurz vor den Höchstständen, deren Erreichen ohnehin viele Anleger gefürchtet hatten? Das kann durchaus sein, muss aber bei weitem nicht so eintreffen.

Anleger suchen mehr Sicherheit

Ja, bei einigen Vorschusslorbeeren stellt sich nun heraus, dass sie zu schnell vergeben wurden. Der US-Aktienmarkt hatte seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten mächtig zugelegt – und in seinem Windschatten auch die Indizes in Europa und hierzulande. Denn alle hatten auf einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung in Amerika und auf eine Sonderkonjunktur gehofft. Geliefert hat Trump bisher wenig gemessen an seinen großspurigen Versprechen. Sein Vorstoß, die Gesundheitsreform seines Amtsvorgängers Barack Obama zurückzudrehen, erweist sich auch nicht unbedingt als erfolgsversprechende Aktion, jedenfalls nicht auf die Schnelle.

Und nun kommen auch Zweifel auf, ob er seine angekündigte Steuerreform für Unternehmen so schnell wird umsetzen können, wie gedacht. Denn der amerikanische Kongress, der ihm bei der Abschaffung von Obamacare einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und damit zeigt, dass er noch lange nicht alles abnicken wird, was der Präsident sich in den Kopf gesetzt hat, könnte sich auch bei den Steuersenkungen als Stolperstein erweisen. Möglicherweise werden die Steuerreformen daher noch viel zäher vonstatten gehen als die Gesundheitsreform. Trump bleibt also bisher den Beweis schuldig, dass er tatsächlich für die schnelle Sonderkonjunktur bei den Firmen sorgen wird – der Aktienmarkt hat sie aber bereits großzügig eingepreist. Was heißt das nun für die Märkte?

Kurzfristig bedeutete es eben jenes Einknicken der Aktienkurse und die Suche der Anleger nach mehr Sicherheit. Bezeichnenderweise legten in der vergangenen Börsenwoche nämlich nicht die zyklischen Titel zu, die sonst vorne liegen, wenn ein großer Konjunkturaufschwung erwartet wird. Und erst recht nicht die Technologie-Titel, die verloren sogar sehr deutlich. Sondern es waren die defensiven Papiere, die sich wacker schlugen. Vor allem die Konsumaktien, die Versorgungsunternehmen und die Nahrungsmittelhersteller liefen vergleichsweise gut. Vermutlich wird das auch noch eine Weile so bleiben, solange die Unsicherheiten nicht ausgeräumt sind.

Für eine große Trendwende am Aktienmarkt aber, so meinen Marktbeobachter derzeit, stünden die Zeichen noch zu eindeutig auf Wachstum. Die Zinsanhebungen in Amerika sind ja gerade ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft gut läuft. Auch der Ausblick für die Eurozone ist gut, die konjunkturelle Erholung setzt sich weiter fort, so heißt es im Ökonomensprech. Von daher: Läuft noch alles.

[Seitenwechsel]

Euro verliert beständig an Wert

Nur einer fällt und zwar beständig: Der Euro verliert seit einer Weile stetig an Wert. Auf die Fed-Ankündigung hin sackte er noch einmal deutlich ab. Steigende Zinsen in Amerika bedeuten nämlich, dass viel Kapital dorthin wandern wird, auf der Suche nach Rendite. In Europa ist ja nach wie vor mit festverzinslichen Papieren so gut wie nichts zu gewinnen. Und EZB-Chef Mario Draghi machte auch nach der Ankündigung der Fed noch einmal deutlich, dass er die Zeit steigender Zinsen in Europa noch nicht für gekommen halte. Auch wenn sich gegen seine Meinung inzwischen Widerstand regt, findet er: Es sei zu früh für eine Neubewertung der Geldpolitik. Von daher werden die USA einen Teil des weltweit fließenden Kapitals abgreifen, wenn die Zinsen ihrer Staatsanleihen weiter zulegen und sie im Vergleich zu anderen Papieren noch attraktiver machen. Das beflügelt auch den Dollar, vor allem im direkten Vergleich zum Euro.

Die europäische Gemeinschaftswährung hatte schon in der Woche zuvor einen gehörigen Dämpfer bekommen, nachdem die britische Regierung offiziell die Scheidungspapiere bei der Europäischen Union eingereicht hatte. Damit steht fest, dass Großbritannien spätestens im März 2019 nicht mehr Mitglied der Europäischen Union sein wird. Natürlich stärkt das die Gemeinschaftswährung nicht gerade. Seit Mitte März hat der Euro inzwischen 2 bis 3 Cent auf das britische Pfund verloren und seit Ende März rund 2 Cent an den amerikanischen Dollar abgegeben. Das klingt nach nicht wahnsinnig viel, ist aber in Währungswelten ein gehöriger Absturz. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Euro gut sechs Prozent auf den Dollar verloren, auf drei Jahre gesehen sogar 22 Prozent. Es könnte noch längere Zeit mit der Talfahrt weitergehen, vermuten Marktbeobachter. Vor allem wegen der politischen Geschehnisse, denn an den Devisenmärkten hinterlassen Politikerworte wie die von Trump und der britischen Premierministerin Theresa May recht schnell Spuren.

Langfristig jedoch lässt sich aber gerade dieser Teil der Finanzwelt nur wirklich durch Taten bewegen. Der Devisenmarkt ist zwar der liquideste weltweit, aber auch der größte. Nachhaltig beeinflusst wird er nicht durch irgendeine Regierungspolitik, sondern nur von Notenbankern und vom tatsächlichen Lauf der Konjunktur. Lassen wir einmal das derzeit erstarkte britische Pfund außer Acht, weil es durch den Brexit nach wie vor als Risikowährung gilt und weiter arg am Ausstieg zu kämpfen haben wird. Schließlich ist das Pfund seit der Entscheidung der Briten zum Ausstieg auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren abgesackt. Was aber bedeutet nun ein schwacher Euro im Vergleich zum starken Dollar für die hiesigen Anleger und die heimische Wirtschaft?

Der starke Dollar kann auch Vorteile für Anleger haben

Er bedeutet einige Risiken aber auch einige Chancen. Die Inflation wird insgesamt etwas angeheizt, denn Firmen müssen Rohstoffe und Grundstoffe aus dem nicht-europäischen Ausland teurer importieren, wenn der Dollar stärker wird. Das werden sie über steigende Preise weitergeben. Auch fertige Produkte aus dem Ausland werden für heimische Käufer teurer. Die höhere Inflation hätte jedoch auch etwas Positives, denn sie könnte auch die Europäische Zentralbank dazu bewegen, ihre Zinsen irgendwann einmal anzuheben. Für die heimische Exportindustrie bedeutet es dagegen steigende Absatzchancen im Ausland. Denn ihre Güter werden aus Sicht der Dollarkäufer billiger, das könnte einen Umsatzschub für deutsche Unternehmen bedeuten. Und es könnte die Wirtschaft im Euroraum zusätzlich stärken. Ebenfalls wie ein kleines Sonderkonjunkturprogramm sozusagen. Selbst für Anleger hat der hohe Dollarkurs einige Vorteile, denn damit vergrößern sich die Gewinnaussichten für US-Investments. Zusätzlich zum derzeitigen Zinsvorteil nämlich können Anleihenkäufer auch Währungsgewinne einstreichen, wenn sie zum Beispiel Staatsanleihen in US-Dollar kaufen. Oder amerikanische Aktien, die bei weiter steigendem Dollarkurs ebenfalls attraktiver für europäische Käufer werden.

Vorsicht aber: Auch in diesem Fall vergeben Anleger wieder Vorschusslorbeeren, denn sie gehen ja von einem weiter steigenden Dollarkurs und somit vom erwarteten Erstarken der US-Wirtschaft aus. So gerechtfertigt das sein mag, sollten sie dennoch im Hinterkopf behalten: Der Dollar steigt nur so lange kräftig an, bis sich der Trend ins Gegenteil verkehrt. Macht er nämlich amerikanische Produkte über Gebühr teurer, werden die Konsumenten vermehrt auf Produkte anderer Länder oder heimische Güter umsteigen – und andere Volkswirtschaften ziehen nach. Irgendwann wird sich dann das Verhältnis zwischen den Währungen wieder angeglichen haben.

Wer daher jetzt auf den doppelten Profit aus Kurssteigerungen und Währungsgewinnen setzt, der muss aufpassen. Einerseits sind solche doppelten Spekulationen naturgemäß gewagt. Andererseits darf er dabei nicht den Punkt zum rechtzeitigen Ausstieg verpassen. Deshalb gilt: Vorschüsse sind gut, man muss sie sich nur tatsächlich auch verdienen – und gelegentlich später wieder zurückzahlen.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 



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