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Aktien im Sonderangebot

, Nadine Oberhuber

Die Deutsche Bank gibt billige neue Aktien aus und viele fragen sich, ob sie da zugreifen sollen. Wenn man sich von der Schnäppchenjagd freimacht, ist die Antwort klar. Von Nadine Oberhuber

Kurstafel an der Frankfurter Börse © Deutsche Börse
Kurstafel an der Frankfurter Börse

Wenn es etwas im Sonderangebot gibt, schlagen deutsche Verbraucher immer gern zu. Schließlich verstehen sich viele als Sparfüchse und clevere Einkäufer, deshalb lassen sie sich solche Situationen nur ungern entgehen. Beim Aktienkauf ist das offenbar genauso: Seit Dienstag dem 21. März gibt es Aktien zum Schnäppchenpreis, die Aktien der Deutschen Bank. Die gilt ja gemeinhin nicht nur als größtes und internationalstes deutsches Kreditinstitut, sondern ist auch eines der Unternehmensschwergewichte der Bundesrepublik, obwohl sie zuletzt arg gelitten hat. Im deutschen Leitindex Dax, der Riege der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften, ist die Deutsche Bank bereits seit 1988 vertreten und macht momentan immerhin knapp 2,4 Prozent des Index aus. Nun also gibt sie neue Aktien in großer Zahl aus, das heißt: Diese neuen Papiere gibt es zum Sonderpreis von 11,65 Euro, statt für gut 15 Euro, die sie derzeit an der Börse kosten.

Jedenfalls für all diejenigen, die bereits Deutsche-Bank-Aktien haben und das sind immerhin rund 600.000 Privatanleger hierzulande, die insgesamt rund 23 Prozent am größten deutschen Kreditinstitut halten. Diese Altaktionäre müssen sich noch bis April fragen: Soll ich mein Depot zu diesem Preis um neue Papiere aufstocken? Zunächst fiel die Antwort vieler Anleger überraschend einhellig und positiv aus: Bereits am Tag der Kapitalerhöhung kauften viele Deutsche-Bank-Papiere hinzu. Dass der Kurs der Aktie dennoch leicht nachgab, lag daran, dass die Altaktien durch die Ausgabe der vielen neuen Papiere an Wert verlieren. Denn mit der Kapitalerhöhung steigt die Gesamtzahl der Deutschen-Bank-Papiere um immerhin rund 50 Prozent. Das verwässert natürlich den Anteil, den die Altaktionäre am Konzern haben.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Schon am Tag darauf beruhigte sich der Handel, so als scheine der Rest der Aktionäre erst einmal abzuwarten. Denn bis zum 4. April können sich alle Altaktionäre, die bisher noch nicht zugegriffen haben, noch überlegen, ob sie ihre Bezugsrechte nutzen und die neuen Papiere wirklich zu diesem Sonderpreis haben wollen. Wäre der Kauf also ratsam?

Er wäre es, wenn man der Deutschen Bank attestieren würde, dass sie ihre jahrelange Schwächephase hinter sich hat. Wenn man annehmen würde, dass sie ihre vielen Rechtsstreitigkeiten beigelegt hat, die sie viel Geld gekostet haben – und letztlich auch der Grund für die aktuelle Kapitalerhöhung waren. Wenn man hoffen dürfte, dass die jüngsten großen Umstrukturierungen im Konzern nun endlich fruchten würden. Und wenn man sagen würde: Die Bank wird langfristig wieder zu ihrer alten Stärke zurückfinden und deshalb wird der Kurs der Aktie in den kommenden Jahren auch wieder massiv steigen.

Viele Anleger kaufen Einzelaktien

Ja, wenn. Ob das alles so eintritt oder aktuell zumindest die berechtigte Hoffnung darauf besteht, darüber kann man streiten. Wenn man es nüchtern analysiert, tut die Mehrheit der Analysten dies jedoch zurzeit nicht. Ihr Votum ist ebenso einhellig wie das der Aktienkäufer, es geht nur in die völlig andere Richtung: 15 Analysten raten aktuell, Deutsche Bank Aktien zu verkaufen. Zwölf sind eher unentschlossen und sagen: Halten. Nur zwei meinen, dass Kaufen zurzeit die bessere Idee wäre. So einig sind sich Marktbeobachter in der Tat selten.

Sind die Aussichten für die Aktie nun tatsächlich so schlecht – und warum kaufen sie dennoch so viele Anleger? Bei letzterer Frage fühlt man sich an eine Auswertung erinnert, die Finanzwissenschaftler jüngst vorgestellt haben und die einige interessante Verhaltensweisen von Privatanlegern offengelegt haben. Dazu analysierten die Forscher die Depots von 40.000 deutschen Privatanlegern. Sie schauten nach, welche Papiere darin lagen, wie häufig die Anleger die darin befindlichen Aktien umschichteten, wann sie die Wertpapiere kauften und welche Renditen sie insgesamt damit einfuhren. Dreierlei fanden die Finanzwissenschaftler besonders interessant:

Erstens die hohe Zahl von Einzeltiteln, die Aktionäre in ihren Depots horteten. Viele suchen also bewusst nach aussichtsreichen Aktien und kaufen diese dann gezielt. So wie es die 600.000 Deutsche-Bank-Aktionäre ebenfalls getan haben. Deutsche Sparer mögen offenbar die Erfolgsgeschichten einzelner Firmen, sie möchten gezielt an Einzelunternehmen partizipieren und glauben, dass sie ganz gut einschätzen können, welche Unternehmen künftig wohl gut laufen werden. Deshalb kaufen sie Einzelaktien. Meist jedoch nicht mehr als zwölf unterschiedliche Titel. Die wenigsten streuen ihr Geld breiter über die Vielzahl an Unternehmen, die es hierzulande gibt – und mindestens 30 verschiedene Titel sollten es mindestens sein, raten unzählige Studien von Finanzforschern. Meist sind sogar nur sehr wenige Branchen in den Depots vertreten.

Zweitens bleiben viele Privatanleger den einmal gekauften Aktien dann ungefähr so lange treu, wie Datingplattformteilnehmer ihren Bettpartnern: Viele schichten ihre Depotbesetzung – oder zumindest Teile davon – mehrmals im Jahr um. Manche Sparer hielten nicht einmal die Hälfte ihrer Aktien für mehrere Jahre. Im Schnitt wird ein Viertel des Depots regelmäßig umgeschichtet. Das heißt, dass sich langfristige Entwicklungen von Unternehmen gar nicht erst positiv auf die Wertentwicklung auswirken können. Die Kosten für sämtliche Wechseltransaktionen aber können dadurch umso stärker durchschlagen – und zwar negativ.

Die dritte Erkenntnis ist aber die bemerkenswerteste: Was tun Anleger, wenn sie merken, dass sie eine falsche Aktie gekauft haben? Also eine, deren Kurs sich in der Folgezeit rasant nach unten entwickelt? Wer jetzt denkt, eben dies seien die Papiere, die Investoren so fleißig wieder aus ihren Depots hinauswerfen, der irrt gewaltig. Denn gerade diese Aktien kaufen die Privatsparer nach. Nach dem Motto: Da der Kurs fällt, aber man ja an die Aktie glaubt, kann man sie nun billig nachkaufen. Das verhindert schließlich auch, dass sich Anleger den Fehlkauf eingestehen müssen und ihn durch den Abverkauf der Verlustaktie realisieren. Nein, er kauft lieber nach und wartet darauf, dass der Kurs all der neuen Aktien noch weiter fällt. Und spätestens an der Stelle drängt sich eine Parallele zur Deutschen-Bank-Aktie auf.

[Seitenwechsel]

Denn sie war in den vergangenen Jahren nun wirklich kein Renditebringer für diejenigen, die sie tapfer hielten. Sie rangiert sogar laut Auswertungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unter den größten Kapitalvernichtern hierzulande. Im vergangenen Jahr schaffte sie eine Rendite von 5,95 Prozent, das klingt noch halbwegs akzeptabel, auch wenn der Dax in derselben Zeit 7,95 Prozent schaffte. Auf drei Jahre gesehen aber verloren Deutsche Bank Aktionäre immerhin 42 Prozent, auf fünf Jahre 50 Prozent und innerhalb der vergangenen zehn Jahre satte 79 Prozent ihres Kapitals. Das ergibt eine langfristige Jahresrendite von minus 7,9 Prozent. Wenn man zu den besonders Unglücklichen gehört, die das Papier im April 2007 zum Höchstkurs von 87 Euro kauften und es bis heute hielten (wo es bei rund 15 Euro notiert), dann hat man damit sogar 83 Prozent seines Geldes vorläufig versenkt. Ein lukratives Investment sieht anders aus.

Nun stellt sich hier natürlich nicht die Frage, wie die Vergangenheit aussah, sondern wie die Aktie in Zukunft läuft. Da hegen einige Optimisten die Hoffnung, dass es wieder bergauf gehen wird. Betrachtet man zum Beispiel Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, dann liegt die Deutsche Bank aktuell bei rund 12,7 und damit unter ihrem langjährigen Mittel, das bei rund 17 liegt. Auch der Durchschnitt der Dax-Konzerne steht momentan höher. Das würde darauf hindeuten, dass die Bankaktie derzeit unterbewertet ist und der niedrige Kurs ein Einstiegssignal sein könnte. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) liegt ebenfalls satt unter eins, nämlich bei rund 0,35. Auch das spricht dafür, dass die Aktie derzeit billig zu haben ist.

Aber ist sie deswegen ein Kauf? Betrachtet man das Kurs-Buchwert-Verhältnis langfristig, dann verharrt die Aktie schon sehr lange auf diesem tiefen Niveau. Ihr zehnjähriger Mittelwert liegt bei 0,5 und damit anhaltend unter dem gesunden Kennwert von eins. Die Frage für Aktionäre lautet daher: Wie lange wollen sie darauf warten, dass der Kurs wieder steigt, notfalls zehn Jahre? Momentan jedenfalls sieht es nicht danach aus, als ob es sehr bald dazu kommt.

Anleger verschenken Rendite

Vielleicht fahren also momentan diejenigen Aktionäre am besten, die ihr Bezugsrecht für die neuen Aktien nicht ausüben – und stattdessen die alten Aktien tapfer halten. Zumal der Verkauf dieser Bezugsrechte ihnen sogar bares Geld einbringt: Wer die Bezugsrechte für 100 neue Aktien bekommen hat und sie zurückgibt, der bekommt rund 200 Euro dafür. Wer sie dagegen in neue Aktien wandelt, der zahlt 1165 Euro und erhält dafür Papiere mit einer ungewissen Aussicht. Jeder, der an die Deutsche-Bank-Aktie glaubt fährt unter Umständen am besten mit der neutralen Strategie: Er könnte 75 Bezugsrechte verkaufen, damit 150 Euro erlösen und für die restlichen 25 Bezugsrechte neue Aktien kaufen, ebenfalls für 150 Euro. Das ergibt am Ende 13 neue Aktien im Depot ohne zusätzlichen Kapitaleinsatz. Und dann heißt es abwarten.

Eines sei aber an dieser Stelle auch noch aufgelöst, nämlich wie erfolgreich die Privatanleger nun im Durchschnitt mit ihren Einzeltitel-lastigen und häufig umgeschichteten Depots sind, die statistisch gesehen zu 80 Prozent aus Aktien und zu 20 Prozent aus festverzinslichen Anlagen bestehen: Was dabei ganz am Ende – also von 2005 bis 2015 – als Rendite herauskam, das waren 3,1 Prozent Rendite pro Jahr. So machten sie aus 10.000 Euro rund 13.570 Euro. Das klingt nicht nur etwas mau, das ist es auch. Denn würde man das deutsche Durchschnittsdepot mit zwei simplen Indizes nachbauen (einem breiten Anleihenindex und dem Weltaktienindex MSCI World), dann hätte es im gleichen Zeitraum 8,7 Prozent Rendite jährlich gebracht, also 5,6 Prozentpunkte zusätzlich. Das hätte ein Endvermögen von gut 23.000 Euro ergeben, also 10.000 Euro mehr. In nur zehn Jahren. Hätte man stattdessen das komplette Kapital zu 100 Prozent in deutsche Aktien investiert, dann wäre es sogar noch mehr gewesen. Denn zu Beginn 2015 stand der Dax bei 4350 Punkten, am Jahresanfang 2015 bei rund 11.400 Punkten, also 160 Prozent höher.

Was die Rendite der Anleger dabei am meisten schmälerte, waren laut der Depotstudie nicht etwa die Umschichtungen oder falsche Kaufzeitpunkte sondern vor allem, dass Anleger zu stark auf Einzeltitel setzen und dabei vermeintlichen Schnäppchen hinterherjagen, statt mit einem breiten Index einfach dem Markt zu folgen. Dadurch lassen diejenigen, die das betreiben, rund 7,7 Prozentpunkte Rendite jährlich auf der Straße liegen. Heißt im Klartext: Sie schmälern ihre mögliche Rendite von 8,7 Prozent auf ein ganzes Prozent. Ob man sich das nicht lieber sparen sollte?


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 



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