• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wiedervorlage

Gesetze im Test: Maklerprovisionen

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Capital setzt sie auf Wiedervorlage. Diesmal im Test: das Bestellerprinzip bei Maklern

Eine Maklerin zeigt einem Interessenten eine Wohnung © dpa
So sieht sie aus: Eine Maklerin zeigt einem Interessenten eine Wohnung

„Der Wohnungsvermittler darf vom Wohnungssuchenden (…) kein Entgelt fordern, (…) es sei denn, der Wohnungsvermittler holt ausschließlich wegen des Vermittlungsvertrags mit dem Wohnungssuchenden vom Vermieter oder von einem anderen Berechtigten den Auftrag ein (…)“ Art. 3 Mietrechtsnovellierungsgesetz


Nicht immer ist es eine gute Idee, wenn Politiker dem Volk aufs Maul schauen. Manchmal aber schon. „Wer zahlt, schafft an“, diese Weisheit fand auf dem Wohnungsmarkt lange keine Anwendung. Wer mieten wollte, musste meist zwei Monatsmieten Provision an den Makler abdrücken – obwohl der Vermieter anschaffte.

Seit dem 1. Juni 2015 ist das anders. Heute muss der Vermieter, der einen Makler beauftragt, diesen selbst bezahlen. Prompt malte die Zunft den eigenen Untergang an die Wand. Während Mieterverbände vorhersagten, dass die Makler das Gesetz mit Tricks aushebeln würden.

Eineinhalb Jahre später hat sich der Rauch verzogen. Und das Gesetz funktioniert reibungslos. Zwar gab es anfänglichen Missbrauch wie neuartige „Besichtigungsgebühren“ für potenzielle Mieter. Nach Angaben der Wettbewerbszentrale gehen inzwischen aber kaum noch Beschwerden ein. Und auch das Maklermassensterben – weil sich die Vermieter die Provision lieber sparen, wenn sie selbst zahlen müssen – ist ausgeblieben. Der aktuelle Boom beim Immobilienverkauf spült genug Geld in die Maklerkassen. Dass die Provisionen für Vermietungen im Schnitt auf etwa 1,5 Monatsmieten gesunken sind, zeigt umso mehr, dass vorher etwas nicht stimmte.

Faktisch wirkt das Bestellerprinzip einseitig

Dem Immobilienverband IVD zufolge ist allerdings das Wohnungsangebot auf dem Markt geschrumpft. Genauso gut möglich ist aber auch, dass die Vermietung nun einfach über andere Kanäle stattfindet: mittels Mund-zu-Mund-Propaganda oder über die Hausverwaltungen.

Für manche Wohnungssuchende, die in eine andere Stadt umziehen, oder auch für Firmen, die eine Bleibe für neue Mitarbeiter suchen, ist die Regelung kniffelig. „Viele Mieter würden uns gerne beauftragen, können aber nicht“, berichtet der baden-württembergische Makler Frank Baur, der vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz geklagt, aber verloren hat. Würde der Makler einem Interessenten gegen Gebühr eine Wohnung aus seinem Bestand anbieten, wäre dies ein Gesetzesverstoß. Faktisch wirkt damit das Bestellerprinzip einseitig.

Der Gesetzgeber hat das so entschieden, weil er befürchtete, dass sonst den Wohnungssuchenden Suchaufträge massenhaft untergejubelt würden. Also letztlich alles beim Alten geblieben wäre. Am Ende ist Politik eben doch komplizierter als manche Lebensweisheit.

Testurteil: Sehr gut

Der neue Capital-Immobilien-Kompass: Hier finden Sie detaillierte Informationen zu rund 11.000 Orten in ganz Deutschland, die laufend aktualisert werden.

Aktuelle Immobilienpreise und detaillierte Karten für alle Wohnviertel Deutschlands finden Sie im Capital Immobilien-Kompass:

immobilien-kompass.capital.de