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Shoppingcenter

Die Friedrichstadtpassagen in Berlin.
Investor-Artikel

Konsumtempel-Boom hält an

Ungeachtet der Finanzkrise steigt die Zahl der Shoppingcenter. Doch die begehrten Innenstadtlagen der Metropolen sind belegt. Entwickler weichen in die Provinz aus - und gehen höhere Risiken ein. Von Karsten Röbisch

Seit es Shoppingcenter gibt, ist das Einkaufen zu einer Angelegenheit der kurzen Wege geworden. Auf drei bis vier Etagen beherbergen die Konsumtempel Läden, Restaurants und Cafés, die sich sonst über eine ganze Innenstadt verteilen würden. Die Verbraucher genießen die gebotene Bequemlichkeit und nehmen die Konsumhallen an. Nach Angaben des Analysehauses Bulwien Gesa gibt es deutschlandweit inzwischen 272 Shoppingcenter. Vor zehn Jahren waren es erst 200 Center.



Und ein Ende des Booms ist nicht zu erwarten. "Wir sehen noch Platz für 100 Center in Deutschland", sagt Ralf Koschny, Einzelhandelsexperte bei Bulwien Gesa. Auch Christof Glatzel, Vorstand von MFI, einem Entwickler und Betreiber von Einkaufszentren, hält das Potenzial nicht für ausgereizt: "Zwischen 80 und 100 Center könnten noch entstehen." Auch der internationale Vergleich spricht für weiteres Wachstum. Nach Berechnungen des Maklers Cushman & Wakefield kommen in Deutschland auf 1000 Einwohner 157 Quadratmeter Verkaufsfläche in Shoppingcentern. Der EU-Durchschnitt liegt bei 218 Quadratmetern.

Schon in diesem Jahr kommen drei neue Einkaufszentren hinzu, drei weitere werden vergrößert oder umgebaut. Für 2011 sind sechs Neueröffnungen geplant. Die Entwicklung zeigt, dass die Banken auch während der Finanzkrise den Bau von Einkaufzentren finanziert haben. "Die Entwickler von Shoppingcentern sind kaum von der Krise betroffen", sagt Analyst Koschny. Obwohl die Projekte zeitaufwendig und teuer sind. Der Bau verschlingt je nach Größe zwischen 50 Millionen Euro und 300 Millionen Euro. Die Entwicklung beginnt mit der Auswahl geeigneter Standorte, setzt sich mit der Suche nach bekannten und zugstarken Einzelhändlern fort und mündet im Baubeginn, wenn mindestens 40 bis 50 Prozent der Flächen vorvermietet sind. Nach Fertigstellung wird das Objekt an einen Betreiber verkauft.

Einer davon ist die Deutsche Euroshop AG in Hamburg. Der Konzern besitzt bereits 17 Einkaufszentren, zuletzt erwarb er das A10-Center in Wildau bei Berlin. Interessenten gab es jedoch viele. "Der Markt für Einkaufszentren ist umkämpft. Wir sind nicht die einzigen, die sich darum bemühen, daran hat auch die Finanzkrise wenig geändert", sagt Vorstandschef Claus-Matthias Böge. Zuletzt hätten sogar wieder verstärkt Private-Equity-Investoren mitgeboten.

Entsprechend hoch sind die Preise, wie die relativ niedrige Nettoanfangsrendite zeigt. Sie ergibt sich aus dem Verhältnis der Mieteinnahmen zum Kaufpreis. Nach Berechnungen des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle lag die Rendite für Shoppingcenter in deutschen Großstädten zuletzt 2004 bei über sechs Prozent, derzeit liegt sie bei 5,75 Prozent.