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Beton-Populismus

, Susanne Osadnik

Der Populismus macht auch vor dem Immobilienmarkt nicht halt. Immer mehr Staaten errichten Hürden für Ausländer. Von Susanne Osadnik

Häuser in Zürich © Getty Images
Häuser in Zürich: In der Schweiz gibt es Stimmen, die den Immobilienmarkt vor Ausländern abschotten wollen

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet das Zeitalter der Globalisierung wieder so viele nationalistische Bestrebungen hervorrufen würde? Aber die Rückbesinnung auf die Nation als Problemlöser für alle Unwägbarkeiten ist zu einem weltweiten Phänomen geworden, das auch vor dem Immobilienmarkt nicht halt macht: Immer mehr Staaten wollen sich vor dem Ausverkauf heimischer Märkte schützen und lassen ausländische Investoren nicht mehr ins Land oder zocken sie über teils extreme Grunderwerbsteuern ordentlich ab. Australien, Hongkong, Kanada, Neuseeland, Singapur – alle machen die Schotten dicht für ausländische Immobilienkäufer. Auch in Europa kennt man das.

Dänemark sperrt sich schon lange gegen Kapital von außerhalb. Kein Nicht-Däne darf im Land zwischen Nord- und Ostsee Eigentum erwerben – es sei denn, er zieht in den hohen Norden und meldet sich hier mit seinem Wohn- oder Geschäftssitz an. Wer mal im Sommer im Grenzgebiet zwischen Dänemark und Deutschland über Land fährt, stellt fest, dass auf dänischer Seite jede Menge Häuser zum Verkauf stehen. Denn vor allem in Süd-Dänemark gibt es außer Landwirtschaft nichts, womit sich Geld verdienen ließe. Deshalb wandern immer mehr junge Leute ab in die größeren Städte.

Zurück bleiben die hübschen Orte mit ihren teils pittoresken Reetdachhäusern, die mehr und mehr an Wert verlieren, weil sie niemand haben will. Zumindest hier nicht. Deutsche Touristen würden sie gerne kaufen, dürfen aber nicht. Auf heimischer Seite ist schon vieles abgegrast oder einfach zu teuer. Denn selbst hier oben im nördlichsten Zipfel Schleswig-Holsteins, in kleinen Dörfern wie Humptrup oder Süderlügum, steigen die Immobilienpreise, weil sich zahlreiche Städter ein Feriendomizil in Abgeschiedenheit und Küstennähe zulegen.

Probleme mit der Anschlussfinanzierung

In den dänischen Städten spielt sich dagegen das nächste Drama ab: Wer in den Städten eine Eigentumswohnung kaufen will, muss häufig Darlehen zu 100 Prozent aufnehmen, weil er das das geerbte Haus auf dem Land weder verkaufen oder beleihen kann. Schon jetzt sind viele Dänen hochverschuldet. Einheimische Finanzierungsexperten warnen: Steigen die Zinsen eines Tages wieder, könnten viele Kreditnehmer die Anschlussfinanzierung nicht mehr wuppen – und die Banken crashen.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Richtig. Aber nur weil wir das alles schon mal hatten, gibt es keine Garantie, dass es nicht wieder passiert. Das sieht die politische Opposition aus Liberalen und Grünen in Dänemark auch so – und will das Kaufverbot für Ausländer aufheben. Die Erfolgschancen? Leider schlecht.

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In der Schweiz sieht es nicht besser aus. Hier könnte es sogar noch schwieriger werden, selbstgenutztes Wohneigentum zu erwerben. Wer Immobilien kommerziell nutzen will, soll möglichst gar nicht mehr zum Zuge kommen, der Kauf von Aktien börsennotierter Schweizer Immobiliengesellschaften komplett untersagt werden. Der Grund für die geplanten Restriktionen: die stark steigenden Miet- und Kaufpreise in den vergangenen fünf Jahren. Schuld daran seien die Ausländer, heißt es. Denn die kauften alles auf, was sie kriegen könnten. Das würden sie vielleicht, wenn sie es dürften. Aber seit mehr als 30 Jahren ist es Ausländern (Lex Koller) ohnehin nur erlaubt, Wohneigentum in speziellen Zonen für Zweitwohnsitze zu erwerben.

Verheerende Folgen für Immobilienpreise

Den Eidgenossen reicht das jetzt nicht mehr. Künftig sollen alle Nicht-Schweizer auch dann eine Genehmigung einholen müssen, wenn sie ihren Erstwohnsitz in die Schweiz verlegen und hier eine Immobilie kaufen. Wer wegzieht, muss alles innerhalb von zwei Jahren verkaufen. Deutsche Ferienimmobilienbesitzer fürchten nicht zu Unrecht, dass ihre Objekte an Wert verlieren, sollte ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden. Zwar gilt das Ganze nicht für EU-Bürger. Aber wenn wohlhabende Ausländer, die sich reichlich mit Betongold eingedeckt haben, allesamt verkaufen müssen, würde sich das eklatant auf die Immobilienpreise auswirken.

Deutsche Aktionäre, die angesichts von Finanz- und Eurokrise, in Schweizer Immobilienwerte investiert haben, müssten empfindliche Verluste hinnehmen, wenn sie gezwungen wären, ihre Anteile zu abzustoßen. Die Schweizer Immobilienunternehmen dürften ebenso verlieren – an Wert und an Glaubwürdigkeit. Aus Anleger- und Eigentümersicht kann man zurzeit nur hoffen, dass die populistische Anbiederei seitens der Regierung auf kräftigen Widerstand im Parlament stößt. Andernfalls muss man sich endgültig von dem Gedanken einer neutralen und kapitalsicheren Schweiz verabschieden.


Susanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über ImmobilienthemenSusanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über den Markt für Immobilien