ImmobilienMondpreis fürs Traumhaus

Eine Frau mit einem Regenschirm schaut sich Immobilienangebote an
Immobilienangebote: Es wird nicht mehr jeder Preis akzeptiertdpa

Für die Immobilienpreise in Deutschland gilt offenbar: Der Himmel ist die Grenze. In den Metropolregionen im Westen des Landes sind die Preise für Häuser und Wohnungen im zweiten Quartal dieses Jahres fast durchweg um einen zweistelligen Prozentwert gestiegen. Das geht aus einer Studie des Finanzdienstleisters Dr. Klein hervor. Beispiel Düsseldorf: In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt übersteigt die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches. In der Folge kosteten Ein- und Zweifamilienhäuser im zweiten Quartal dieses Jahres rund 17 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die Preise für Wohnungen stiegen um 8,8 Prozent.

In anderen Metropolen sieht es ähnlich aus. So kletterten in Dortmund, wo das Immobilienpreisniveau insgesamt niedriger ist als in Düsseldorf, die Hauspreise im zweiten Quartal 2017 um 11,2 Prozent. Eigentumswohnungen verteuerten sich um 15,8 Prozent. „Selbst in B-Lagen werden stolze Preise aufgerufen“, sagt André Hasberg, Experte für Baufinanzierung bei Dr. Klein. „Die Bahn hinterm Haus oder ein Garten in Briefmarkengröße mindern die Preise nicht sonderlich.“

Die Preise für Häuser und Wohnungen steigen seit Jahren. Neu ist, dass sich auf der Käuferseite Widerstand regt. Immobilienkäufer sind offenbar nicht länger gewillt, Mondpreise zu zahlen. „Es findet ein Umdenken statt“, sagt Hasberg. „Die Interessenten sind sensibilisiert und überlegen genauer, ob sie den aufgerufenen Preis bezahlen wollen.“ Obwohl die Zinsen nach wie vor niedrig sind und Immobilienkredite entsprechend günstig, rechnen viele Kaufinteressenten inzwischen zweimal nach.

Ein Sachverständiger kann sich lohnen

Welcher Preis für ein Haus oder eine Wohnung angemessen ist, lässt sich schwer sagen. Verbraucherschützer empfehlen, den Markt mindestens ein halbes Jahr lang zu beobachten, bevor man zuschlägt. Zudem sollten Kaufinteressenten zu Beginn ihrer Suche ein Maximalbudget festlegen, um sich später nicht finanziell zu übernehmen. „Wer wissen will, welche Gegenden in der Region günstig oder teuer sind, kann die Bodenrichtwertkarten der Gemeinden nutzen, die im Internet gegen eine geringe Gebühr abgerufen werden können“, sagen die Experten des Portals Immobilienscout24.de. Mittlerweile gibt es auch einige Apps, mit deren Hilfe Hauskäufer das Verhältnis von Preis und Wert einer Immobilie zumindest grob einschätzen können.

Ein Immobiliensachverständiger kann ebenfalls dabei helfen, den Preis für ein Haus oder eine Wohnung zu beurteilen. Die Dienste von Sachverständigen kosten allerdings Geld. Wer ein sogenanntes Verkehrswertgutachten in Auftrag gibt, zahlt mitunter mehrere tausend Euro. Diese Investition lohnt sich vor allem dann, wenn die Preisvorstellungen von Verkäufer und Interessent weit auseinander liegen. Auch wenn das Traumhaus kein Neubau ist, sondern eine gebrauchte Immobilie, kann sich die Hilfe eines Sachverständigen rechnen. Der Experte beurteilt etwa, welche Modernisierungs- oder Sanierungsarbeiten notwendig sind und wie viel sie voraussichtlich kosten. Entdecken Käufer einen Schaden erst, nachdem der Kauf abgeschlossen ist, müssen sie in der Regel selbst dafür aufkommen.

Der Haken ist: Mit Marktbeobachtung, Recherche und Expertenhilfe können Immobilieninteressenten zwar abschätzen, ob ein Preis objektiv gerechtfertigt ist. Einen Verhandlungsvorteil haben sie damit aber nicht. Trotz wachsender Skepsis sind nämlich noch immer viele Hauskäufer dazu bereit, hohe Summen auf den Tisch zu legen. Für jeden Interessenten, der abspringt, stehen schon weitere bereit. In den Metropolen dürfte sich daran vorerst nicht viel ändern.

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