• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Immobilien

4 Thesen zum Städtebau der Zukunft

, Lothar Schubert

Wohin geht die Stadtentwicklung, wie werden Menschen in Zukunft wohnen? Vier Thesen von Projektentwickler Lothar Schubert

Das Europaviertel in Frankfurt entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs © Getty Images
Das Europaviertel in Frankfurt entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs

#1 Neue Hochhäuser werden das Stadtbild ergänzen

Nachverdichtung ist ein essenzieller Bestandteil der zukünftigen Stadtentwicklung deutscher Großstädte. Nur durch zusätzliche Neubauten beziehungsweise die Erneuerung bereits existierender Objekte kann die größte Herausforderung – immer mehr Menschen ziehen in die Metropolen – künftig bewältigt werden. In der Folge wird auch in Städten wie Hamburg und München hinterfragt, ob nicht mehrere Hochhäuser das Stadtbild prägen können. Nicht höher als die Kirchtürme zu bauen, das wird in den nächsten 20 Jahren sehr schwer einzuhalten sein.

Wir brauchen einfach mehr Wohnraum, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Trotzdem werden die Top-7-Städte auch in 50 Jahren noch ähnlich aussehen und erkennbar sein. Hamburg bleibt auch in Zukunft Hamburg. Die Kunst wird darin bestehen, die Architektur der Hochhäuser in die bestehenden Strukturen zu integrieren. In puncto Architektur als Qualitätsbaustein einer attraktiven Stadtentwicklung wird Hamburg führend bleiben.

#2 Nutzungsmischung macht das Leben vielfältig

In den nächsten Jahren werden vermehrt Mischnutzungskonzepte gebaut, die alle Segmente des städtischen Lebens in sich vereinen. In diesen Mikrostadtteilen befinden sich sowohl Hotels, Einzelhandel und Büros als auch Eigentums- und Mietwohnungen sowie Kindergärten und Schulen. Es entsteht auf Quartiersebene eine Stadt in der Stadt. Das ist attraktiv für sehr viele Zielgruppen, entspricht der Vorstellung einer modernen europäischen Stadt und sorgt letztlich dafür, dass die Stadtteile vielfältiger und lebendiger werden. Urbanität durch Mischnutzung ist dann nicht nur ein theoretisches Leitbild, sondern wird ein fester Bestandteil in der Konzeptionierung neuer Quartiere.

Der neue Capital-Immobilien-Kompass: Hier finden Sie detaillierte Informationen zu rund 11.000 Orten in ganz Deutschland, die laufend aktualisert werden.

Aktuelle Immobilienpreise und detaillierte Karten für alle Wohnviertel Deutschlands finden Sie im Capital Immobilien-Kompass:

immobilien-kompass.capital.de

#3 Wohn- und Büroeinheiten werden kleiner

Die Preise für Wohnungen werden aufgrund der großen Nachfrage weiter steigen, vor allem auf Ebene der Einheitswerte Euro pro Quadratmeter. Die Gesamtbelastung für die Mieter – also der Anteil an Mietbelastung an dem verfügbaren Einkommen – stößt in den Innenstädten an seine Grenzen. Deswegen werden die Wohnungsgrößen weiter sinken, nicht unbedingt zu Lasten des Komforts. Im Jahr 2011 betrug die durchschnittliche Wohnfläche einer Neubauwohnung 110 Quadratmetern und entsprach damit dem Wunsch nach großen, offenen Wohnungen, der in den 1970ern seinen Anfang nahm. 2015 lag die deutsche Durchschnittswohnung bei nur noch 91 Quadratmetern. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

Auch Büros werden kleiner: Derzeit liegt der Durchschnittswert pro Mitarbeiter bei 26 Quadratmetern – Spitzenwert in Europa. Das wird sich ändern müssen und Bürokonzepte werden sich anpassen. Hinzu kommt, dass wir derzeit in den Top-Metropolen eine Leerstandsquote von unter sechs Prozent haben – die weiter sinken wird. „Shared Desks“ und flexible Arbeitszeiten vor Ort sind die Folge. Die Technik ermöglicht heute und auch künftig, dass man von überall arbeiten kann und somit das Büro in den nächsten 20 Jahren zu einem noch höheren Anteil als heute für Meetings genutzt wird.

#4 Mehr Mobilität

Wir brauchen Stadtteile der kurzen Wege. Hierfür sind moderne Mobilitätskonzepte mit gut vernetzten öffentlichen Verkehrsmitteln notwendig. Aufgrund der steigenden Dichte in den Städten müssen Mobilitätskonzepte entwickelt werden, die es erlauben, auf den aktuell vorhandenen Straßen mehr Menschen zu befördern. Es ist davon auszugehen, dass das eigene Auto hingegen bei den Deutschen in den nächsten 50 Jahren nicht mehr so im Fokus stehen wird wie jetzt. Car-Sharing und öffentliche Verkehrsmittel bleiben beliebte Beförderungsarten.

Ob wir aber ganz wegkommen werden vom Denken in Schiene und Straße – ich kann es mir nicht vorstellen. Der Film „Zurück in die Zukunft“ hatte auch einige Bestandteile, die es im Jahr 2015 dann tatsächlich gab. Und einiges hat sich sogar schneller und weiter entwickelt, als man es sich bei der Produktion dieses Science-Fiction-Films vorstellen konnte.


Lothar Schubert ist geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments, mit einem Investitionsvolumen von rund 2 Mrd. Euro einer der aktuell größten Projektentwickler in Deutschland.

Lothar Schubert ist geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments, mit einem Investitionsvolumen von rund 2 Mrd. Euro einer der aktuell größten Projektentwickler in Deutschland.