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Gesetze im Test: Energieausweis

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Capital setzt sie auf Wiedervorlage. Diesmal im Test: der Energieausweis für Wohnungen

Energieausweis für Wohngebäude © Getty Images
Der Energieausweis für Wohnungen soll für Transparenz sorgen

„Soll ein (...) Wohnungs- oder Teileigentum verkauft werden, hat der Verkäufer dem potenziellen Käufer spätestens bei der Besichtigung einen Energieausweis oder eine Kopie hiervon (...) vorzulegen.“ Art. 1, Zweite Verordnung zur Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2013)


Zuerst klebten die Zettel auf den Kühlschränken: Farbskalen von Grün bis Tiefrot, die anzeigen, wie viel Energie das Gerät schluckt. Das hat prima funktioniert, kein Verbraucher würde noch eine Stromschleuder der Klasse D kaufen. Und so folgte, was folgen musste: Der Gesetzgeber beschloss, das Erfolgsmodell aufs Wohnen zu übertragen. Denn gut ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs geht auf das Konto von Gebäuden, und nach dem Willen der Bundesregierung soll der Wärmebedarf bis 2020 um 20 Prozent sinken. Das wird nur gelingen, wenn Häuser energetisch saniert werden. Der „Energieausweis“ sollte mit dem Mittel der Transparenz nachhelfen.

Seit 2003 gilt das Gesetz, seitdem wurde es schrittweise verschärft. Bei Vermietung und Verkauf muss der Energieausweis heute zwingend vorgelegt werden, die Kennwerte in der Regel schon mit dem Inserat. Bei Verstößen wird ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro fällig. Wie oft es schon verhängt wurde, darüber gibt es keine Statistik. Nach einer Erhebung der Plattform Immobilienscout24 für Capital weisen inzwischen bei Vermietungen rund 60 bis 70 Prozent der Anbieter die geforderten Werte aus. Bei Verkäufen sind es deutlich weniger.

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Aussagekraft des Energieausweises ist begrenzt

Dabei ist der Energieausweis für Mieter wie Käufer sehr wichtig, wie Bertram Steininger, Professor an der RWTH Aachen, in einer noch unveröffentlichten Studie ermittelt hat. Bei der Wahl des neuen Heims rangiert die Effizienz auf Rang drei – noch vor dem Preis. Und Steininger hat noch etwas herausgefunden: Für gute Werte ist die Klientel bereit, einen Aufschlag zu zahlen, der höher ist als das, was sie später an Heizkosten spart. Je grüner die Klientel, desto zahlungswilliger.

Die Aussagekraft des Energiepasses ist allerdings sehr begrenzt. Das fängt schon damit an, dass teils Bedarfs- und teils Verbrauchswerte ermittelt werden. Die Fachwelt streitet darüber, welche von beiden Methoden unzuverlässiger ist. Beide bilden jedenfalls nicht den realen Verbrauch ab. Das können sie auch gar nicht, schon weil jeder Bewohner sich anders verhält.

Wer es genau wissen will, der muss genau hinschauen. In den Pass und in die Wohnung. Sind die Fenster mehrfach verglast? Ist die Heizung modern, das Dach gut gedämmt? Wie hoch sind die Nebenkosten wirklich? Ein Haus ist eben kein Kühlschrank.

Testurteil: Mangelhaft

Der Beitrag ist in Capital 3/2017 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon