Die deutschen Baufinanzierer liefern sich einen immer schärferen Wettbewerb um die schrumpfende Zahl von Kunden. Die Käufer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen profitieren dadurch von niedrigen Zinsen. Das zeigt die neue Baugeldstudie des Immobilien- und Finanzdienstleisters Planethome, die auf einer Umfrage unter 100 Vorständen und maßgeblichen Entscheidungsträgern von 96 Banken und Sparkassen basiert.
Danach akzeptieren die Institute inzwischen deutliche Gewinnabschläge, um im Geschäft zu bleiben. "82 Prozent der befragten Immobilienfinanzierer beklagen, dass sie durch den scharfen Wettbewerb Einbußen in der Marge hinnehmen müssen", sagt Planethome-Vorstandssprecher Bernd Klosterkemper. Die Marge ist die Differenz zwischen dem Zinssatz, den die Banken von ihren Hypothekenkunden erhalten, und den Zinskosten, die sie zur Refinanzierung ihrer ausgereichten Darlehen zahlen müssen. Klosterkemper: "Ohne den scharfen Wettbewerb müssten Eigenheimerwerber deutlich höhere Finanzierungskosten zahlen."
Die Umfrage bestätigt die Prognose einer früheren Studie der Deutschen Bank, wonach der demografische Wandel und der Vorstoß ausländischer Institute an den deutschen Markt Eigenheimerwerbern in den kommenden Jahren tendenziell immer niedrigere Finanzierungskosten bescheren würden - freilich ohne Berücksichtigung der Leitzinsen. "Durch die niedrigen Geburtenraten verliert die Gruppe der typischen Eigenheimgründer im Alter von 25 bis 40 Jahren in Zukunft stark an Bedeutung", sagt Tobias Just, Immobilienexperte der Deutschen Bank. Hinzu komme, dass immer mehr ausländische Banken auf den deutschen Markt drängen.
Das hiesige Geschäft gilt als deutlich risikoärmer als in anderen europäischen Ländern. In Großbritannien, Frankreich, Irland oder den Beneluxstaaten waren die Häuserpreise vor der Finanzkrise stark gestiegen - und sind seither kräftig unter Druck. "Der deutsche Markt für selbst genutzte Immobilien gilt im Hypothekengeschäft als weitgehend ausfallsicher, weil es hier seit der Jahrtausendwende keine Übertreibung gegeben hat", sagt Günter Vornholz, Leiter Immobilienanalyse der Nord/LB-Tochter Deutsche Hypo.
Als ein Beispiel für aggressiv agierende ausländische Banken gilt die ING-Diba. Die Tochter der niederländischen ING Groep steigerte mit Niedrigzinsangeboten von Anfang 2007 bis Ende 2008 ihren Darlehensbestand im Immobilienkreditgeschäft mit Privatkunden von 25 Milliarden Euro auf 42,5 Milliarden Euro. Zahlen für 2009 liegen noch nicht vor. Aktuell gewährt die Bank den Kunden einen Zinsrabatt von 0,25 Prozentpunkten auf von ihr vermittelte Förderdarlehen der staatlichen KfW-Bank. "Wir verzichten damit auf die Hälfte der von der KfW gewährten Vermittlungsprovision von 0,5 Prozentpunkten", sagt ein Sprecher der ING-Diba.







