Der restliche Energieverbrauch soll durch Sonnenenergie und Biomasse abgedeckt werden. Für öffentliche Gebäude gilt dies bereits ab Ende 2018. Auf eine entsprechende Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie haben sich Unterhändler der Mitgliedsstaaten, der Kommission und des Europaparlaments am Mittwoch geeinigt.
Mit den neuen Auflagen nimmt Brüssel Bauherren für die ehrgeizigen EU-Klimaschutzziele in die Pflicht. Kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen senden die Europäer zugleich ein politisches Signal aus. Der Gebäudesektor ist für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Nach Berechnungen der Bauindustrie könnten durch Isolierung und bessere Bautechnik in der EU jährlich bis zu 400 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids eingespart werden - zehn Prozent des 2020 erwarteten Gesamtausstoßes.
"Das ist ein Durchbruch. Nirgendwo auf der Welt gibt es solche Gebäudestandards", sagte der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes aus Luxemburg. "Das wird eine grüne Revolution von den Architekten bis zu den Baufirmen auslösen - und das für jeden Neubau, sei es ein Einfamilienhaus oder ein Einkaufszentrum."
Energiekommissar Andris Piebalgs sagte, das Gesetz werde den Menschen helfen, energieeffizientere Gebäude zu bauen, zu kaufen oder zu mieten. "Es gibt den Bürgern eine Chance, im Kampf gegen den Klimawandel mitzumachen und gleichzeitig Geld zu sparen", sagte Piebalgs.
Weiter gehende Pläne für Altbauten waren zuvor aufgeweicht worden. Strenge Auflagen gelten künftig nur für Renovierungen, bei denen mehr als ein Viertel des Gebäudewerts saniert wird. Die konkrete Ausgestaltung der neuen Energiespar-Standards für Neubauten soll den Mitgliedsstaaten überlassen sein - wegen der großen klimatischen Unterschiede in den 27 EU-Staaten.
Seit fast 20 Jahren gibt es Erfahrungen mit energieneutralen Häusern. Das erste Passivhaus wurde 1991 in Darmstadt gebaut, ein Reihenhauskomplex. Für die Baubranche geht es bislang um eine kleine Nische. Die "Informationsgemeinschaft Passivhaus", eine Lobbyorganisation für diese Bauweise, schätzt die Zahl bisher fertiggestellter Häuser auf 13.000 in Deutschland. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in der Republik rund 40 Millionen Wohnungen. Allerdings haben sich einige Kommunen wie Frankfurt, Freiburg oder Leipzig verpflichtet, bei öffentlichen Bauten wie Schulen den Energieverbrauch stark zu senken.
Für den Bauherrn bedeutet dies zunächst hohe Kosten. "Bei Wohnhäusern liegen die Investitionskosten im Durchschnitt rund acht bis zehn Prozent höher als bei konventionellen Häusern", sagte eine Sprecherin der Passivhaus-Lobby. Die Gebäude müssen besonders dick gedämmt sowie mit dreifach verglasten Fenstern und luftundurchlässiger Außenhülle ausgestattet sein. Sie verfügen zudem über eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Dem stünden Einsparungen im Betrieb gegenüber. "Technisch stellen Passivhäuser aber heute keine besondere Herausforderung mehr dar", so ein Sprecher des Bau-Hauptverbands. "Ob sie sich als wirtschaftlich erweisen, muss sich noch zeigen."








