Danach sank der Preis eines Quadratmeters Bauland im Bundesdurchschnitt (ohne Berlin) um 1,5 Prozent auf 130 Euro. Das Institut führt den Einbruch vor allem auf den rückläufigen Wohnungsneubau zurück. Ende Juni hatte das Statistische Bundesamt vermeldet, dass im vergangenen Jahr so wenige neue Wohnungen fertig gestellt worden seien wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt wurden 176.000 Wohneinheiten bezugsfertig – ein Minus von 16,5 Prozent (oder 39.000 Wohnungen). Seit 1995, als mit knapp 603.000 Wohneinheiten ein Höchststand erreicht wurde, ist die Zahl damit um mehr als 70 Prozent zurückgegangen.
Verantwortlich für den Rückgang der Baulandpreise war laut Ifs vor allem die Entwicklung in Westdeutschland: Hier mussten 2008 durchschnittlich 157 Euro pro Quadratmeter (Minus von 3,6 Prozent) gezahlt werden, während der Baulandpreis in Ostdeutschland unverändert zwischen 45 und 50 Euro lag. Unter Berücksichtigung Berlins liegt der Ost-Preis bei 76 Prozent des West-Wertes. „Wegen der erheblich größeren Flächenreserven und der Bevölkerungsabwanderungen in den neuen Bundesländern dürfte der Abstand bei den Grundstückspreisen von über 100 Euro pro Quadratmeter zwischen Ost und West noch auf einige Jahre hinaus bestehen bleiben“, erläutert Stefan Jokl, Leiter des Ifs-Instituts.
Die Entwicklung der Preise verläuft aber in den einzelnen Bundesländern uneinheitlich: Während sechs Bundesländer steigende Grundstückspreise gemeldet hätten, verzeichneten sieben Bundesländer sinkende und drei Bundesländer stagnierende Preise. Besonders deutlich fielen laut Ifs die Preisrückgänge mit sechs Prozent beziehungsweise elf Prozent in Baden-Württemberg und Bayern aus, wo der Baulandpreis 175 beziehungsweise 227 Euro betrug. Die beiden Bundesländer weisen auch das höchste Preisniveau aller anderen Bundesländer auf. Gemessen am Preisniveau der Grundstücke folgen auf den weiteren Plätzen Nordrhein-Westfalen mit 143 Euro (-0,7 Prozent), Hessen mit 127 Euro (-3,8 Prozent) und Schleswig-Holstein mit 111 Euro (+1,8 Prozent). Am niedrigsten waren die Grundstückspreise in den ostdeutschen Bundesländer Brandenburg mit 50 Euro (-7,4 Prozent), Thüringen mit 32 Euro (-5,9 Prozent) und Sachsen-Anhalt mit 29 Euro (-9,3 Prozent).
Parallel zum rückläufigen Wohnungsneubau habe sich auch die Zahl der Verkäufe von baureifem Land halbiert: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre fielen nach Angaben des Ifs die Kauffälle von 124.000 auf weniger als 53.000 (-57,4 Prozent) im Jahr 2008. Auch der Kaufwert der Grundstücksflächen insgesamt sei mit 5,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr wesentlich geringer als der damalige Wert mit 6,7 Milliarden Euro.
Grund für die seit Jahren rückläufige Zahl ist für Ifs-Experte Stefan Jokl unter anderem die Wirtschafts- und Finanzkrise. Seit deren Ausbruch im Sommer 2007 gebe es unter den Deutschen eine erhebliche Verunsicherung über die wirtschaftliche Entwicklung, so Jokl. Daneben wirke noch immer die Streichung der Eigenheimzulage im Jahr 2006 nach. „Es hat große psychologische Wirkung, wenn der Bürger sieht, dass sich der Staat aus der Förderung zurückzieht“, sagte Jokl.
In einigen westdeutschen Ballungsräumen sprechen Experten bereits von Wohnungsknappheit und fordern eine Förderung des Wohnungsbaus. Die Nachfrage übersteige das Angebot deutlich, steigende Mieten seien die Folge. „Die Schere zwischen dem Bedarf an neuen Wohnungen und dem Neubau klafft immer weiter auseinander", sagte Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des IVD Bundesverbands.
Capital, 16:00 Uhr
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