18.09.2008
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Martin Kaymer lässt sich Zeit: Unbeirrt und aufrichtig schlägt er sich durch die Profiliga.
Martin Kaymer lässt sich Zeit: Unbeirrt und aufrichtig schlägt er sich durch die Profiliga.
Foto: dpa

Martin Kaymer

Der mit dem Ball tanzt

von Jürgen Kalwa

Martin Kaymer ist Deutschlands größtes Golftalent seit Bernhard Langer. Schon zu ­Beginn des dritten Profijahrs gewann er sein erstes großes Turnier. Wie schafft er es, die große Riege der ambitionierten Nachwuchsgolfer so eindrucksvoll hinter sich zu lassen?

An seiner Golfkarriere schmiedet jeder anders. Während methodisch penible Qualitätsfreaks wie der Weltranglistenerste Tiger Woods nichts dem Zufall überlassen, umgeben sich Spieler wie der Spanier Sergio Garcia mit dem Flair des Unberechenbaren. Wieder andere – vom Typ des übergewichtigen Amerikaners John Daly – zocken, rauchen, trinken, zelebrieren ihre selbstzerstörerische Ader in aller Öffentlichkeit.

Wahre Gentlemen jedoch gibt es unter den Alpha-Golfern nur wenige. Das ist einer der Gründe, weshalb der 1,84 große Martin Kaymer aus der Garde der Besten herausragt. Der 23-Jährige betreibt Golf mit Anstand und Souveränität, akzeptiert auch eine Niederlage mit Stil. Das bewies er vor ein paar Monaten bei einem Turnier in Tucson/Arizona. Da zog er am Ende einer Runde die Schirmmütze vom Kopf, schüttelte seinem amerikanischen Gegner Boo Weekley die Hand und signalisierte ihm mit dieser Geste: Du brauchst Deinen Ball nicht mehr einzulochen. Der Putt gilt als gelungen.

Kaum ein Top-Golfer hätte in einem solchen Augenblick, beim Nervenkampf um Sieg und Niederlage, seinem Gegner das Leben so leicht gemacht. „Es war ein 80-Zentimeter-Putt“, sagte er nach dem Match. "Ich hätte es einfach lächerlich gefunden, ihn den spielen zu lassen." Eine weitere Eigenschaft, die den jungen Sportler als eines der vielversprechendsten Talente am Golfhorizont aufscheinen lässt, ist die Fähigkeit, den kleinen Ball scheinbar ohne jede Anstrengung mit enormer Präzision über weite Distanzen zu schlagen und ihn von Teichen und hohem Gras an den Fairwayrändern fernzuhalten. Mit seinem auch nach Profimaßstäben großartigen Schwung spielte er sich bis auf Platz 21 der Weltrangliste – aktuell belegt er Platz 30. Im Januar gewann Kaymer als bester Neuling der europäischen Profi-Tour im Emirat Abu Dhabi sein erstes bedeutendes Turnier gegen ernst zu nehmende Konkurrenz. Damit wurde er zum jüngsten deutschen Gewinner eines ­European Tour Events, noch vor Bernhard Langer, der bei seinem ersten Sieg 14 Tage älter war. Beim Masters in Augusta, einem der bedeutendsten Turniere des Golfjahres, verpasste er die Finalrunden nur um einen Schlag.

Abgeklärtere Profis wie der südafrikanische Spitzenspieler Ernie Els sprechen von dem Golfküken aus dem rheinischen Mettmann mit viel Respekt: "Den Jungen solltet ihr beachten. Das wird mal einer", sagte er neulich. "Er schlägt den Ball weit. Er hat ein großartiges Ballgefühl. Und er hat eine großartige Einstellung zum Spiel." Das Echo von Fernsehreporter Steve Sands vom amerikanischen "Golf Channel", der Millionen von Haushalten 24 Stunden lang rund um die Uhr nichts ­anderes als Golf serviert, ging sogar noch über diese Einschätzung hinaus: "Kaymer sieht gut aus und hat ein nettes Lächeln. Ich hoffe nur, dass er mehr aus sich herausgeht. Dann hat er die Chance ein großer Star zu werden." Kaymer selbst stapelt noch gerne tief: "Ich fühle mich nach wie vor als Lehrling dieses schönen Sports."

Wie aber schafft es der Typ, der noch vor zwölf Monaten mit einem improvisierten Ärmelaufnäher Werbung machte und inzwischen als Vorzeigesportler für Firmen wie Lacoste und Titleist auftritt, nicht in einen Erfolgsrausch zu geraten? Mit Bescheidenheit und Augenmaß. Seit Jahr und Tag liegt der Wunderknabe weit über dem eigenen Plansoll und weiß das auch: "Ich freue mich, dass ich schon so früh in meiner Karriere erfahren kann, wie das alles hier ist", sagte er im Februar in Tucson. Martin Kaymer lässt sich Zeit. Unbeirrt und aufrichtig schlägt er sich durch die Profiliga, beeindruckt Gegner und Publikum nicht nur mit Technik und Taktik, sondern auch mit netten Gesten.

Wie so viele junge Sportler war Kaymer zuerst in den Fußball vernarrt, spielte als Jugendlicher für Fortuna Düsseldorf, brachte es bis zum Mittelstürmer der Niederrheinauswahl. Mit zehn folgte er dem Vater zum ersten Mal auf den Golfplatz. Das Spiel faszinierte ihn auf Anhieb, und so entwickelte sich das Bewegungstalent vom Mannschaftssportler zum Einzelkämpfer – doch Teamgeist und Fairplay hat er sich bewahrt. Ins Profilager wechselte er Ende 2005, nach dem Abitur.


Was die Leser sagen

sina
01.04.2009 | 18:43
artikel über martin kaymer

Auch dieser Artikel zeigt wie ehrgeizig und bescheiden dieser besondere Mensch ist. Sein überragendes Talent und sein besonderer Charakter werden ihn noch viel, viel weiter bringen.

(Kommentare 1-1 von 1)

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