Wer sich hinabwagt in die U-Bahn-Station Old Brompton Road im Südwesten Londons, begibt sich auf eine finstere Zeitreise. Schon nach den ersten Stufen erfüllt ein moderiger Geruch die Nase, der aufsteigt von den nasskalten Betonmauern, die dort unten seit über 60 Jahren vor sich hin schimmeln. Unter blinden Glühbirnen hängt ein vergilbter, riesiger Stadtplan. Die Aufschrift: London, 1942.
"So lange schon ist hier nichts mehr los", sagt Ajit Chambers. Der 38-jährige Ex-Banker ist derzeit einer der bekanntesten Unternehmer Englands. Denn Chambers will Londons verödete Lebensadern renovieren.
26 Underground-Stationen modern unter der Stadt vor sich hin. Die meisten wurden bereits um 1870 gebaut, stammen also aus den Kindertagen der "Tube", wie das erste U-Bahn-Netz der Welt in London genannt wird. Bis sie nicht mehr gebraucht wurden, weil kaum noch jemand einstieg. Die Linien wurden eingestellt, die Stationen verfielen, die Gleise verrotteten.
Von der Geisterstation zu Amüsiermeile
Jetzt will Chambers die Haltestellen mitsamt der dazwischen liegenden Streckenabschnitte renovieren und in moderne Amüsiermeilen umbauen. "Museen, Restaurants, Diskotheken, sogar Kletterhallen wären hier möglich", sagt er. "Die Idee ist: Wir schaffen ein neues Abenteuer direkt unter unseren Füßen."
Einige der "Geisterstationen", wie Chambers sie nennt, sind recht geschichtsträchtige Orte. So hielt Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs in der Down Street Station am Hyde Park Kabinettssitzungen ab, während die Bomben auf London fielen. Heute könnte sich Chambers hier einen Nachtclub oder eine Konferenzhalle vorstellen: "Die Fläche ist da", sagt er. Nur werde sie bislang einfach nicht genutzt.
Denn obwohl Experten den potenziellen Grundstückswert der stillgelegten Underground-Haltestellen auf insgesamt mehr als 1000 Mrd. Euro schätzen, dienen die meisten allenfalls mal als Drehkulisse für Kinofilme wie den neuesten "Harry Potter". Der Rest schimmelt weitgehend unbeachtet vor sich hin. Um das zu ändern, hat Chambers vor zwei Jahren die Old London Underground Company gegründet, die seither an Plänen zur Restaurierung der alten Stationen und Tunnel arbeitet.










