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26.01.2012

Foto: Pressedienst Numismatik
Investor-Artikel

Sammlermünzen

Getrübter Glanz

von Martin Reim

Der Markt für seltene Münzen boomt. Die weltweite Hausse bei Gold und Silber treibt den Preis der Sammlerstücke. Hohe Aufgelder verderben Kapitalanlegern jedoch den Spaß.

In vielen anderen Branchen wären 15.000 Besucher bei einer Leitmesse schlicht enttäuschend. Nicht bei den Münzsammlern. Die Veranstalter der diesjährigen World Money Fair, die vom 3. bis 5. Februar in Berlin stattfindet, sprechen bei dieser Zahl - sofern ihre Erwartungen eintreffen - von einer Erfolgsgeschichte. Kein Wunder: Seit die in ihren Augen bedeutendste Münzmesse der Welt 2005 von Basel in die Bundeshauptstadt wechselte, hat sich das Publikumsinteresse mehr als verdoppelt. Die Zahl der Aussteller wuchs noch stärker.

Kein Zweifel: Der Münzmarkt boomt. Das bestätigt auch Ulrich Künker, geschäftsführender Gesellschafter des Münzauktionshaus Fritz Rudolf Künker mit Sitz in Osnabrück: "Der Markt ist in so guter Verfassung wie nie zuvor", wie auch die hauseigenen Statistiken zeigten. So liege die Relation zwischen Geboten und Schätzpreisen derzeit wesentlich höher als im langjährigen Mittel.

Künker nennt eine Reihe von Gründen, die den Aufschwung befeuern: erstens der generelle Drang nach Sachwerten im Zuge der Finanzkrise. Zweitens der Euro-Start nach der Jahrtausendwende, der das Interesse vieler Menschen an Münzen geweckt habe; die aktuellen Turbulenzen der Gemeinschaftswährung tue aus Künkers Sicht dem keinen Abbruch. Drittens die weltweite Hausse bei Gold und Silber, sie treibe die Preise auch jener Münzen, die weit über ihrem Metallwert notieren. Viertens gebe es eine starke Nachfrage nach Stücken aus Schwellenländern, die zum Gutteil aus den Staaten selbst stamme.

Letzteres lässt sich mit spektakulären Auktionsergebnissen der vergangenen beiden Jahre belegen: Von allen Münzen, die 2010 in Deutschland zur Versteigerung kamen, war ein russischer Probe-Rubel der Zarin Anna aus dem 18. Jahrhundert die teuerste. Der Hammer fiel bei 410.000 Euro.

Auch das teuerste Stück des vergangenen Jahres gehört in die Kategorie Schwellenländer. Es handelte sich um einen chinesischen Silberdollar von 1911, der einen Zuschlagspreis von 460.000 Euro erzielte - der Schätzpreis hatte gerade mal 10.000 Euro betragen.

Doch auch bei deutschen Ausgaben geht es mitunter um erhebliche Summen. Die seltenste Goldmünze des Kaiserreichs, ein 20-Mark-Stück aus dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha von 1872, brachte im Dezember 130.000 Euro. Die Schätzung hatte bei 75.000 Euro gelegen. Alle drei Auktionen fanden bei Künker statt, dem eigenen Angaben zufolge umsatzstärksten Münzversteigerer in Europa.

Künker sieht keinen Grund, warum der Boom in nächster Zeit nachlassen sollte. Dennoch betrachtet er den Markt als wenig geeignet für reine Kapitalanleger. Erstens seien die Aufgelder bei Kauf und Verkauf so dimensioniert, dass Wertsteigerungen von 50 Prozent und mehr nötig seien, allein um den Einkaufspreis herauszuholen. "Und das klappt meistens nicht, zumindest nicht auf kurze Sicht." Auch sei der Markt wenig liquide. Man müsse mit einem halben Jahr rechnen, um eine "einigermaßen wertvolle Münze zu einem vernünftigen Preis" zu verkaufen, so Künker. Zudem sei Fachkenntnis unabdingbar.

Wer kaufen will, muss es direkt tun - über Privatleute, Händler oder Auktionatoren. Es gibt keine Indexpapiere oder Zertifikate. Immerhin sind Münzen, wenn es um die Lagerung geht, weniger anspruchsvoll als Briefmarken oder Wein. Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit spielen so gut wie keine Rolle; es genügt ein Ort, der einigermaßen sicher ist.

Ursula Kampmann, Fachjournalistin und Autorin diverser Standardwerke, sieht den Markt weniger positiv als Künker: "In manchen Bereichen ist eine Überhitzung festzustellen." Das gelte allerdings nicht für die Masse der Angebote. "Man bekommt noch sehr viel gute Ware zu einem vernünftigen Preis." Aus ihrer Sicht können Anfänger schon mit niedrigen dreistelligen Summen einsteigen. "Die wichtigste Entscheidung ist emotional: Es muss einen etwas mit seinem Sammelgebiet verbinden." Erst dann könne man dauerhaftes Interesse und Freude an den Stücken entwickeln

Expertentipp

Für Einsteiger (bis 5000 Euro) Deutsche und europäische Taler des 16. bis 19. Jahrhunderts.

 

Für Aufsteiger (bis 20.000 Euro) Europäische Goldmünzen des 15. bis 18. Jahrhunderts.

 

Für Profis (bis 150.000 Euro) Antike Silbermünzen der griechischen Welt feinsten Stils, Spitzenstücke des römischen Imperiums in Gold.


© 2012 ftd.de

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