Egal ob Christ oder Atheist, Muslim oder Jude - der Weihnachtsbaum spricht alle an. Volkskundlerin Oliwia Murawska von der Universität Münster erklärt, warum das so ist.
Warum stellen auch Muslime einen Weihnachtsbaum auf?
Oliwia Murawska: Der Weihnachtsbaum ist als Symbol unkompliziert, weil er kein genuin christliches Symbol ist. Er wurde weder von der Kirche initiiert noch spielt er im Gottesdienst eine entscheidende Rolle. Er kam auch erst sehr spät in die Gotteshäuser, und dann auch eher als Schmuck.
Wenn der Weihnachtsbaum kein genuin christliches Symbol ist, wie Sie sagen, wofür steht er dann sonst noch?
Murawska: Das wechselt immer, je nach Zeit und gesellschaftlichem Kontext. Im 19. Jahrhundert zum Beispiel symbolisierte er die bürgerliche Familienidylle, heute sind es auch Medien und Werbung, die das Bild vom Weihnachtsbaum mitprägen. Für dieses Bild sind in unserer heutigen globalisierten Welt viele empfänglich, unabhängig von der Religion.
Ist der Weihnachtsbaum heute nicht in erster Linie ein Symbol für Kommerz und Konsum?
Murawska: Auf keinen Fall, denn er erfüllt ja viele unterschiedliche Bedürfnisse. Zum Beispiel nach Licht in der dunklen und kalten Jahreszeit. Nach Atmosphäre, er vermittelt diesen ganz speziellen Zauber. Und nach Natur. Gerade im städtischen Milieu, aus dem der Weihnachtsbaum stammt, erfüllt er ein Bedürfnis nach ländlicher Idylle. Und er ist auch nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Familienfestes.
Quelle: impulse.de
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