Das Leid besteht aus Plastik. Durchsichtig ist es und wiederverschließbar, und man kann Zahncreme hineinpacken, Aftershave, Haargel oder Körperlotion. Seit gut fünf Jahren werden Reisende genötigt, derlei Artikel in winzige Kunststoffsäckchen zu stopfen, bevor sie in ein Flugzeug steigen - es herrscht Tütchenpflicht für Flüssigkeiten und "Gegenstände in ähnlicher Konsistenz", wie es im Amtsdeutsch heißt. Maximal einen Liter dürfe der Beutel fassen, erklärt ein Merkblatt auf der Homepage des Bundesinnenministeriums. Auch dürfen es nicht einfach irgendwelche Tüten sein: "Das Verschließen einfacher Plastikbeutel mit Hilfsmitteln (zum Beispiel Gummiband) ist nicht gestattet."
Eigentlich soll das Beutelelend am 29. April nächsten Jahres ein Ende haben. Dann will die EU-Kommission das Flüssigkeitsverbot für Handgepäck lockern, dann soll es an Europas Flughäfen Geräte geben, die gefährliche Flüssigkeiten ohne viel Aufwand von Duschgel, Sprudelwasser oder Eau de Cologne unterscheiden können. Eigentlich. Denn den Flughäfen ist die Zeit bis zur Lockerung des Verbots zu kurz. Zu viel sei noch zu tun, bis die Scanner in der Abflughalle eingesetzt werden könnten, sagt etwa Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbands ADV.
Tatsächlich hat die Europäische Zivilluftfahrt-Konferenz (ECAC) gerade erst einen Scanner freigegeben, für den man Flaschen, Tuben und Tiegel gar nicht mehr aus dem Handgepäck pulen muss. Die Zertifizierung dieser Maschine sei eigentlich ein Meilenstein, sagt Beisel. Er wolle es nicht schlechtreden, aber: Dass die ECAC einen Scanner für tauglich halte, mache diesen noch lange nicht alltagstauglich. Auch der berühmte Körperscanner, der bis Juli 2011 am Hamburger Flughafen getestet wurde, sei schließlich von dieser Organisation zertifiziert worden - habe im Alltag aber viel zu oft Fehlalarm ausgelöst und deshalb versagt.
15 Monate bleiben noch bis zum April 2013. Zu wenig Zeit für die Airports, um sich vorzubereiten, glaubt Beisel. "Weil Europas Flughäfen überwiegend in öffentlicher Hand sind, werden allein die Ausschreibungsprozesse zig Monate dauern", sagt er. Nicht nur müssten sie die Geräte kaufen, sondern womöglich auch noch Gebäude umbauen, um Platz für die Technik zu schaffen.
"Auch wenn wir funktionierende Geräte rechtzeitig anschaffen, die Flughäfen entsprechend präparieren und das Personal schulen können, befinden wir uns immer noch in einer Situation wie vor dem Probebetrieb des Körperscanners." Heißt: Mindestens ein halbes Jahr lang stehen dann noch Probeläufe an. Bedenke man all dies, "dann reden wir nicht von April 2013, sondern vielmehr von April 2015. Andernfalls riskieren wir an den Kontrollstationen chaotische Zustände."
Damit es dazu nicht kommt, wollen die Flughäfen ohnehin nur mit Scannern arbeiten, die Flaschen, Dosen und Tuben untersuchen, während diese zwischen Reiseliteratur und Wechselwäsche im Handgepäck liegen. Andere Typen hielten den Betrieb zu stark auf, für besonders genaue Analysegeräte müssten einzelne Behälter sogar geöffnet werden. "Diese Geräte sind natürlich am zuverlässigsten, aber für Flughäfen in ihrer Handhabung nicht akzeptabel", sagt Norbert Klein.











