Das schnell wachsende Internet-Startup Airbnb treibt die internationale Expansion kräftig voran. Nach der jüngsten Übernahme des deutschen Wettbewerbers Accoleo sei er "offen für weitere Zukäufe", sagte Brian Chesky, der Gründer des US-Portals, der Financial Times Deutschland. Aktuell strebe man jedoch ein organisches Wachstum an. Chesky hat mit seinen Co-Gründern Nathan Blecharczyk und Joe Gebbia eine Onlineplattform gestartet, auf der private Anbieter Wohnungen oder Zimmer an Reisende vermieten können. Derzeit sind via Airbnb Unterkünfte in 13.000 Städten in 189 Länder buchbar. Der Netzwerkgedanke ist hierbei von Bedeutung: So wird dem Interessenten beispielsweise angezeigt, ob er und der potenzielle Gastgeber gemeinsame Freunde haben.
Das drei Jahre alte Unternehmen - der Namen steht für Airbed & Breakfast (Luftmatratze und Frühstück) - wird im Silicon Valley hoch gehandelt und soll angeblich bereits 1 Mrd. Dollar (700 Mio. Euro) wert sein. Nach Angaben des für gewöhnlich gut unterrichteten Technologieblogs Techcrunch planen der russische Investor Digital Sky Technologies und der Geldgeber Andreessen Horowitz in Kürze 100 Mio. Dollar an Airbnb zu überweisen. Das wäre eine außergewöhnlich hohe Anschlussfinanzierung, nach einem Geldsegen in Höhe von 7,2 Mio. Dollar im November 2010 durch Wagniskapitalgeber Sequoia Capital. Der Venture-Capitalist verhalf bereits Unternehmen wie Google, Yahoo, Oracle, Apple oder Youtube zum Durchbruch.
City-Manager auf dem Vormarsch
Ob Airbnb das Wachstum mit den kolportierten 100 Mio. Dollar finanzieren will, ließen die Gründer offen. "Das ist ein Gerücht, das wir nicht bestätigen können", sagte Chesky über die Geldspritze. Eines stellte er jedoch klar: Einen Börsengang in nächster Zeit wird es nicht geben. "Wir wollen eigenständig bleiben." Auch wolle er nicht an einen Großkonzern verkaufen: "Als Sparte hast du nicht die Macht, und die Freiheit, um richtig große Risiken einzugehen."
In den kommenden Wochen sollen nun hierzulande in jeder größeren Stadt, wie Berlin oder Hamburg, sogenannte City-Manager die Arbeit aufnehmen, die sich um die Nutzer kümmern und Veranstaltungen organisieren, auf denen sich diese kennenlernen können. Neben dem europäischen Markt reizt Chesky auch Südamerika. Außerdem wird bald das Angebot erweitert: "Künftig können unsere Kunden nicht nur Unterkünfte für einzelne Nächte oder eine Woche, sondern auch für längere Aufenthalte ab 30 Tagen buchen", wie der 29-Jährige ankündigte.
Airbnb als Treuhändler
Das US-Unternehmen macht damit nicht nur Hotels, sondern auch Mitwohnzentralen Konkurrenz. Inzwischen bieten 100.000 Menschen auf der Seite Schlafgelegenheiten an; rund 25 Prozent der Nutzer sind älter als 40 Jahre. Diese tauschen im Vorfeld Fotos aus und bewerten sich anschließend gegenseitig. Die Miete wird zunächst bei Airbnb geparkt und erst am Tag nach der Ankunft an den Gastgeber weitergeleitet. Sollte die Unterkunft nicht der Beschreibung entsprechen oder vergeben sein, erhalten die Kunden ihr Geld zurück. Die Betreiber kassieren eine Provision zwischen sechs und zwölf Prozent. Angeblich arbeiten sie operativ schon profitabel.
"Wir haben das Potenzial so groß oder noch größer zu werden als Ebay", sagte Blecharczyk: "Ebay wurde groß, weil Leute Gegenstände eingestellt haben, die sie zu Hause hatten. Wie groß können wir dann erst werden, wenn diese Leute über uns ihr Zuhause zu Geld machen?"
Derzeit gibt es viele vergleichbare Dienste am Markt. Hierzulande machten zuletzt Qype-Gründer Stefan Uhrenbacher mit 9flats und die bekanntesten deutschen Internetgründer, die Samwer-Brüder, mit Kopien des Originals auf sich aufmerksam. Airbnb hatte vor knapp zwei Wochen noch gereizt auf den Kopierwahn der Samwers reagiert und sie unter anderem "Blender" genannt. Am Montag klang die Sichtweise auf die Konkurrenz souveräner. "Sie können vielleicht eine Website kopieren, aber kein Netzwerk", sagte Chesky. Am Ende würde es Platz für einen, vielleicht zwei Anbieter geben, sagte Chesky.
Luftschlösser |
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Idee Viele Startups entstehen aus der Not heraus - so auch Airbnb. Als in San Francisco 2007 eine populäre Designkonferenz stattfindet und Hotelbetten knapp sind, bieten die Designer Brian Chesky und Joe Gebbia in ihrem Loft Luftmatratzen plus Frühstück an. |
Ideal Die Idee war da. Zum Duo stieß Programmierer und Harvard-Absolvent Nathan Blecharczyk. Während Brian und Joe gern in Designhäusern nächtigen, wünscht sich Nathan, eines Tages das Haus von Microsoft-Gründer Bill Gates via Airbnb buchen zu können. |
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