Doch das Blackberry-Blinken auch tatsächlich ignorieren kann nur, wer seine Abstinenz gleich zum Internetfasten dramatisiert und als postmoderne Heilkur feiert.
Brasilien hat nun einen anderen Ansatz gefunden. Per Gesetz entschied Präsidentin Dilma Rousseff: E-Mails, die nach Ende der Arbeitszeit auf dem Smartphone bearbeitet werden, zählen als Überstunden. Wer das nun als autoritäre Lösung verschreit, sei an den Beschluss des VW-Betriebsrats vor ein paar Wochen erinnert: Der VW-Server leitet eine halbe Stunde nach Arbeitszeitende schlicht keine Mails mehr auf die Blackberrys der Angestellten weiter. Dagegen erscheint Brasiliens Gesetz harmlos.
Wie genau man das Gesetz jedoch umsetzen möchte, soll im Februar ein Gericht klären. Die Vorschläge, die derzeit in brasilianischen Medien kursieren, würden die Mailerei nach Feierabend mit doppeltem Stundenlohn vergelten - schließlich handele es sich ja dabei um Arbeitszeiten, die jeder als Zumutung betrachten würde, müsste er sie in seinem Büro verbringen.
Was das Gesetz jedoch für diejenigen bedeutet, für die laut Vertrag Überstunden sowieso "all inclusive" sind, und das dürfte das Gros der Blackberry-Träger betreffen, ist offen. Vielleicht sollte man, um die Führungskräfte zu schützen, schlicht eine Steuer auf Feierabendmails einführen. Es handelt sich ja schließlich um ein abhängig machendes Laster ähnlich dem Alkohol, Tabak oder Zucker. Am besten führt man die Abgabe gleich auf internationaler Ebene ein oder mindestens auf europäischer, sollten die Amerikaner mal wieder mauern. Wir brauchen eine E-Mail-Transaktionsteuer. Dann wäre auch die Schuldenkrise gelöst.
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