"Ein altes Haus am Hudson River" von Edith Wharton
"Das Wichtigste im Leben waren der Fortschritt und das Oben-Ankommen, und "oben" hieß: "wo das Geld war". Dem schlichten Mantra seines Vaters entflieht Vance Weston nach New York und setzt für seine Karriere als Schriftsteller Ansehen und Wohlstand aufs Spiel. Mit dem Helden ihres Altersromans hat Edith Wharton, die auch als Verfasserin von spöttelnden Geschichten über die "obere Gesellschaft" bekannt wurde, dem Literaturbetrieb der Roaring Twenties ein schillerndes Denkmal gesetzt - 82 Jahre nach seinem Erscheinen endlich auch in deutscher Übersetzung.
Westons Entwicklung vom naiven Provinzdichter zum Darling der New Yorker Boheme wäre auch ohne die eingewobene Dreiecksgeschichte und allerhand parodistische Spitzen lesenswert. Ihren aktuellen Bezug gewinnt sie jedoch erst durch den sozioökonomischen Kontext: Westons Ringen zwischen künstlerischer Selbstverwirklichung und seiner Abhängigkeit von Mäzenen und Verlegern beschreibt ein zeitloses Dilemma: die Kommerzialisierung der Literatur auf Kosten ihrer Kreativität. Wharton selbst hatte ihren Zenit ohne vergleichbare Not erreicht - als erste Frau, die 1921 den Pulitzerpreis gewann.
Von Katrin Kothes
Ein altes Haus am Hudson River |
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Autor: Edith Wharton | Manesse Verlag | 624 S. | 26,95 Euro |
Bewertung: 5 von 5 Punkten |
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