Der Kunstmarkt hat seine festen Größen: Superstars wie Gerhard Richter oder Cindy Sherman stehen seit vielen Jahren hoch in der Gunst von Galeristen und Ausstellungsmachern. Drei Viertel der Namen im aktuellen Kunstmarkt-Kompass zählten bereits 2002 zu den Top 100. In dem exklusiv für Capital erstellten Ranking ordnen die Experten von Artfacts.Net die Künstler nach der Punktzahl, die sich aus der Präsenz in Museen, Ausstellungen und Galerien ergibt. Je wichtiger die Institution, desto höher der Wert.
Immerhin ein Viertel der Topkünstler sind jedoch Neuzugänge wie François Morellet, Candida Höfer oder Erwin Wurm. Doch welche Faktoren entscheiden über den Aufstieg von Künstlern?
Morellet etwa sprang in den vergangenen zehn Jahren um 112 Plätze nach vorn auf Rang 65. Der beinahe 90-jährige Schöpfer geometrischer Malereien und Skulpturen steht nach Ansicht von Kuratoren für eine Rückbesinnung auf die Klassik. "Er ist einer der letzten lebenden und noch schaffenden Zeitzeugen des Beginns der Nachmoderne in Europa", sagt Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst im Frankfurter Städel Museum.
Fast ebenso rasant (von Platz 137 auf 56) vollzog sich der Aufstieg von Candida Höfer. Als Schülerin der ersten Klasse von Bernd und Hilla Becher war die 1944 geborene Fotokünstlerin zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als Ende der 70er-Jahre eine neue Bildsprache begründet wurde. "Wichtig für ihren Erfolg war, dass sie mit ihren Innenräumen ein Sujet ausgewählt hat, das sehr viele Optionen offenhält und dadurch interessant bleibt", sagt Galerist Jörg Johnen, der die Künstlerin seit Beginn ihrer Karriere vertritt.
Auch die Unterstützung von Kollegen hilft, den Marktwert von Künstlern zu steigern - manchmal sogar posthum, wie beim 1992 verstorbenen italienischen Fotografen Luigi Ghirri. "Erst als der Deutsche Thomas Demand 2010 den Bezug Ghirris zu seiner eigenen Arbeit aufzeigte, wurden internationale Galerien und einflussreiche Kuratoren auf das Werk des Italieners aufmerksam", sagt Kunstberaterin Renate Siebenhaar. Während Demand, der bereits länger zu den Top-100-Künstlern zählt, im vergangenen Jahr auf Platz 76 zurückgefallen ist, stieg Ghirris Wert zuletzt stetig.
Der Topdurchstarter der vergangenen zehn Jahre ist fraglos Damien Hirst. Eine Fülle viel beachteter Kunstaktionen hat den Briten auf Platz 18 katapultiert und ihn für bedeutende Sammlungen unentbehrlich gemacht. 2002 rangierte Hirst auf Position 99. Der Grund für den Aufstieg: "Er erfindet sich immer wieder neu und spinnt weiter an seinem Netz von thematisch verbundenen Kunstwerken", sagt Hirst-Expertin Herrad Schorn von Christie's. Unwahrscheinlich, dass ihm 2013 der Abstieg droht.













