Nichts gegen Hulk, den grünen Wüterich. Oder Spider-Man, den genetisch manipulierten Fassadenkletterer. Aber wie wollen diese abgetakelten Kraftprotze anstinken gegen die wahren Superhelden unserer Zeit, gegen Lloyd Blankfein zum Beispiel, den Banker Gottes? Oder gegen Sergey Brin und Larry Page, die beiden Weltrevolutionäre?
It's the economy, stupid, endlich hat das auch Hollywood kapiert. Der Comic scheint als Stofflieferant ausgedient zu haben, stattdessen sichern sich die Studios neuerdings die Verwertungsrechte an ganzen Regalreihen von Wirtschaftsbüchern. Im Oktober kommt "The Social Network" in die US-Kinos, die Geschichte über die Gründung des Onlinenetzwerks Facebook. Grundlage ist Ben Mezrichs Buch "Milliardär per Zufall". Ende vergangener Woche meldete dann die Branchenwebsite Deadline, dass auch schon ein Vertrag zur Adaption von Ken Aulettas Buch "Googled" existiere. Und Time Warners Pay-TV-Sender HBO hat sich jüngst die Rechte an Andrew Ross Sorkins Bestseller "Die Unfehlbaren" gesichert. In dem Schurkenstück über die Finanzkrise spielen Heroen wie Dick Fuld, Ex-Chef von Lehman Brothers, der ehemalige US-Finanzminister Hank Paulson oder Goldman-Chef Blankfein die Hauptrollen.
Wirtschaftsbücher seien "ergiebige Materialquellen" für Hollywood, sagt Jeff Berg, Chef der Künstleragentur ICM, die den "Googled"-Vertrag ausgehandelt hat. "Unternehmen wie Facebook und
Google berühren die Öffentlichkeit jeden Tag", meint Berg, "diese Filme beruhen auf wahren Ereignissen. Bedenkt man, wie sich das Desaster in den Märkten entwickelt hat und wie neue Wirtschaftszweige entstehen, so werden wir wohl noch mehr davon zu sehen bekommen."
Doch eignen sich die Stoffe tatsächlich für das Kino, nicht für trockene Dokumentationen wohlgemerkt, sondern für spannende Spielfilme? Zweifel sind angebracht, schließlich handelt es sich bei Ken Aulettas "Googled: The End of the World as We Know It" zwar um ein zwar hochgelobtes, aber doch eher trockenes Unternehmensporträt. Auletta räumt ein, dass die Geschichte über die Gründer Page und Brin wenig Sex zu bieten habe. Allerdings hätten ihm die Filmemacher versichert, an schlüpfrigen Details ohnehin weniger interessiert zu sein. Seine Dramatik beziehe der Film vielmehr aus der Diskrepanz zwischen dem Glaubenssatz "Sei nicht böse" und der harten Wirklichkeit, also etwa den Kompromissen mit Chinas Regime ...
Vielleicht ist es ja ganz gut, dass zunächst der Facebook-Film kommt. In dem nämlich, so lautet jedenfalls der Untertitel der deutschen Buchausgabe, geht es um "Sex, Geld, Freundschaft und Betrug".
Quelle: ftd.de
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