Ausgerechnet Brutus. Aufgeregt springt der Pitbull seine neue Freundin Katie an. Brutus dürfe nicht in die Nähe anderer Hunde, sagt Lauren vom Barc Shelter in Brooklyn noch schnell: Mit denen komme er nicht besonders gut zurecht. Das Tierheim sei deshalb froh, dass Katie an diesem Morgen mit dem drei Jahre alten Kampfhund Gassi geht. Ansonsten sei Brutus nämlich ein echtes "Sweetheart", sagt Lauren, hin und wieder etwas impulsiv vielleicht. Wie auch immer, jetzt gehört er für die nächsten zwei Stunden Katie. "Have fun!"
Katie - kurze Hose, die hellblond gefärbten Haare zum Zopf gebunden, Sonnenbrille - ist auf den ersten Blick eine ganz normale Amerikanerin, die sich am Wochenende ein paar Stunden ehrenamtlich engagiert. Nur der Schriftzug auf ihrem weiten blauen T-Shirt deutet an, dass die 36-Jährige sonst eher Businesskleidung trägt. "Community Teamworks" steht in großen Lettern auf dem Leibchen. Und weiter oben, an der linken Schulter: "GS" -
Goldman Sachs.
Seit 1997 schickt die Investmentbank ihre Mitarbeiter in aller Welt einen Tag im Jahr zwischen Mai und August los, um an Bedürftige Essen auszuteilen, um Kinder in den Zoo zu begleiten oder eben mit einem Kampfhund aus dem Tierheim Gassi zu gehen.
Das Hundeprogramm, sagt Katie, sei besonders beliebt. "Man muss sich sehr früh eintragen, um einen Platz zu kriegen." Seit zehn Jahren ist die Frau aus dem mittleren Westen inzwischen bei Goldman. Zuerst in Los Angeles, jetzt in New York. Seit acht Jahren führt sie einmal pro Jahr Hunde aus. Dazu kommt sie extra nach Brooklyn.
Mit seinem "Community Teamworks"-Programm will Goldman Sachs seinen gestressten Managern und Bankern die Möglichkeit geben, "fern der Arbeit gemeinsam mit anderen in einer Non-Profit-Organisation zu arbeiten". So geht jedenfalls der offizielle Text.
Tatsächlich könnte der Kontrast zwischen pfadfindermäßigem Gutmenschentum und Investmentbank kaum größer sein. In Umfragen würde Goldman die Beliebtheitswerte von Heiratsschwindlern, Drogendealern und selbst Journalisten vermutlich locker unterbieten. Die Investmentbank sei eine "große, blutsaugende Krake, die sich um das Gesicht der Menschheit geschlungen hat und sich mit ihren Tentakeln an allem festsaugt, was nach Geld riecht", fasste der "Rolling Stone" das öffentliche Bild der Bank einst zusammen. Goldman Sachs sei für jede größere Marktmanipulation seit der Großen Depression verantwortlich.


















