03.11.2005

Kunstkompass-Edition

Aufregende Mischung

Die Stars Joseph Beuys und Imi Knoebel sowie die junge Aufsteigerin Oda Jaune bestreiten die Kunstkompass-Edition 2005.

"Jede Edition hat für mich den Charakter eines Kondensationskerns, an dem sich viele Dinge absetzen können", proklamierte der 1986 verstorbene Weltmeister für zeitgenössische Kunst Joseph Beuys. Der einflussreiche Star vom Niederrhein sah in der Editionskunst ein ideales und preisgünstiges Medium, um seinen erweiterten Kunstbegriff zu verankern und ein breites Publikum zu erreichen. Mit Hilfe seiner 557 Auflagenobjekte aus Filz und Fett, Schiefer und Schwefel, Papier und Pappe materialisierte Beuys seine Vorstellung einer menschenwürdigen Gesellschaft, in der jeder seine kreativen Fähigkeiten entfalten kann. Der Düsseldorfer Akademieprofessor, der spätestens seit seiner großen Retrospektive 1979 im New Yorker Guggenheim-Museum weltweit als bedeutendster Künstler nach 1945 gilt, schätzte im besonderen Maße Auflagenkunst in allen Spielarten: "Ich bin an der Verbreitung von Ideen interessiert."Beuys Multiple erfordern keine kostspielige Investition. Sein Münchner Galerist Bernd Klüser: "Zurzeit sind Beuys Werke die günstigsten Blue-Chip-Arbeiten, die es seit Jahren auf dem Kunstmarkt gegeben hat. Seine Editionskunst ist völlig unterbewertet." Ein schönes Beispiel dafür ist der Elch-Siebdruck, der 1985 nach einer Silberstiftzeichnung auf Spaltleder entstand. Die von Beuys favorisierte braune Rostschutzfarbe und der symbolträchtige Elch veredeln diese Grafik zu einer repräsentativen Arbeit.

 

Joseph Beuys: "Elch in der Strömung" (1985). Siebdruck auf Karton, 90 x 63 cm. Auflage 180, vorderseitig signiert und nummeriert. Für Capital-Leser stehen 40 Exemplare parat. Herausgeber: Edition Klaus Staeck, Heidelberg. Das Kunstwerk ist mit geschlämmtem Holz gerahmt und kostet 1400 Euro plus Transport.

Bilder zum Kunstkompass auf der Art Cologne 2005 finden Sie  hier.

 
<b>"Face 1" (2005) von Imi Knoebel.</b>

Malewitsch-Nachfahre. Imi Knoebel bewegt sich konsequent und souverän zwischen Malerei, Objektkunst und Installation. Künstlerischer Nährboden sind Minimal-Art, Konzeptkunst und der russische Suprematismus mit den bahnbrechenden Inkunabeln des schwarzen Quadrats von Kasimir Malewitsch. Der in Dessau geborene Knoebel studierte als Meisterschüler an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Beuys, hielt aber von Anfang an strikt einen puristischen Gegenkurs. Anders als sein Lehrer schirmt Imi seine Kunst gegen gesellschaftspolitische Ansprüche ab. Knoebel zieht alle Register der abstrakten Farbkunst und überzeugt als innovativer Protagonist einer ebenso konstruktivistischen wie sinnlichen Kunst.

Mal übt sich Knoebel in striktem Farbpurismus, dann wieder verwendet er eine Vielfalt von mehr als 500, teils von ihm selbst entwickelten, Farbtönen. Seine komplexen Installationen fordern Bereitschaft, sich auf ein virtuos-sinnliches Spiel einzulassen. Der Ex-Direktor des Amsterdamer Stedelijk-Museums, Rudi Fuchs, bewertet ihn als einen Zauberer der Farben, der die abstrakte Kunst von ihrer formalen Strenge befreit: "Ich sehe Knoebel als Puppenspieler, der - äußerst wachsam - in der Geschichte der abstrakten Kunst seine Fäden zieht und sie wieder tanzen lässt wie nie zuvor." Seine Kompass-Edition "Face" erinnert in ihrer Farbdelikatesse an den großen Meister Matisse.

 
<b>"Face 2" (2005) von Imi Knoebel.</b>

"Face 1" und "Face 2" (2005). Einzelblatt 36 x 36 cm, gerahmt 92 x 69 cm, Acryl auf Kunststofffolie handgemalt, rückseitig nummeriert, datiert und signiert, 16 je Auflage. Die malerischen Reliefserien haben Unikatcharakter. Die Arbeiten demonstrieren eindrucksvoll den spannenden Dialog zwischen streng geschichteten Vertikalen und Horizontalen sowie nuancierten Farbkompositionen. Die Kompositionen sind sehr aufwändig mit Aluminiumrahmen auf Sperrholzplatten gerahmt. Die Kunstwerke kosten je 1500 Euro, zuzüglich Transport.

Die Reliefserie von Imi Knoebel ist bereits ausverkauft.

Seelenforschung. Die 26-jährige Bulgarin Oda Jaune aus Sofia wusste schon als Kind, dass sie Malerin werden würde. Ihr Vater ist Grafiker, ihre ältere Schwester Joana studierte in Düsseldorf bei A. R. Penck, dem ungestümen Hieroglyphenartisten aus Dresden, Malerei. Auch Oda Jaune - eigentlich Michaela Danowska - zog es zur Malerei, der Königsdisziplin der Künste. Sie bewarb sich mit 17 Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie bei dem international gefragten Politmaler und Beuys-Schüler Jörg Immendorff und wurde angenommen. Vor zwei Jahren schloss sie dort als seine Meisterschülerin ihr Studium ab.

 

"Ohne Titel" (2005). 17-farbiger, eindringlicher Siebdruck, 100 x 70 cm. Auflage: 50. Die mit geschlämmtem Holz gerahme Grafik kostet 480 Euro, zuzüglich Transport.

Die Koblenzer Kunsthalle stellte vom 24. April bis zum 30. Mai 2004 ihre unter die Haut gehenden, beklemmenden Ölbilder und Skulpturen in einer Einzelausstellung vor, die große Resonanz in den Medien und in Sammlerkreisen auslöste. Die großformatigen, technisch perfekt gemalten Arbeiten umkreisen düstere, alptraumhafte Szenarien, mit verstörenden Symbolen und dramatischen, surrealen Elementen. Anregungen für ihre traumhaften, mythischen Tableaus findet Oda Jaune in Bildbänden, in der intensiven Beobachtung des Alltags und auch im Internet: "Ich will hinter die Fassade in die Seele der Menschen sehen und das, was ich sehe, weitergeben. Und da gibt es nicht nur Schönes, sondern auch Gewalt und Bedrohung, ob wir das nun wollen oder nicht." Die Malerin gibt ihren kraftvollen, immer figurativen Bildern, Papierarbeiten und Skulpturen keine Titel, weil die Assoziationen des Betrachters nicht eingeengt werden sollen. "Ich will für meine Arbeiten keine Titel, weil ich nicht mit Worten, sondern durch meine Bilder sprechen will. Das, was ich transportieren will, kann ich nur visuell zum Ausdruck bringen." Für die Capital-Kompass-Edition 2005 gestaltete die Künstlerin eine ausdrucksvolle, dramatische Grafik von hoher Qualität, die ihr malerisches Talent eindrucksvoll unter Beweis stellt.

 
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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs