Leistung wird belohnt, etwa mit einer Woche Schulausflug nach New York. Die Schüler des Gymnasiums Achern haben die Botschaft verstanden. 49 von ihnen verkauften in der örtlichen Sparkassenfiliale ihre im Unterricht erstellten Kunstwerke. Damit finanzierten sie Anfang des Jahres den Trip zum Central Park, wo Christo 7500 mit safrangelben Tüchern verzierte Tore, The Gates, aufstellen ließ.
In ihrer Schule im Nordschwarzwald wird auf Kunst ebenso viel Wert gelegt, wie auf die Fächer Deutsch oder Mathematik: "Kunst verbindet Originalität und Disziplin", sagt Schulleiter Paul Droll, "künstlerisches Arbeiten fördert das Denken und zielorientiertes Handeln. Am Ende haben die Schüler etwas erschaffen, worauf sie stolz sind." So stolz, wie auf den neuen Titel ihres Gymnasiums: Sieger in der Capital-Untersuchung der besten Schulen Deutschlands.
Orientierungshilfe. Seit den schlechten Pisa-Ergebnissen steht das deutsche Bildungssystem unter massivem Druck. Politiker streiten um Konzepte, Eltern sind verunsichert: Welche Schulen sind empfehlenswert, wo wird der Nachwuchs optimal ausgebildet? Ein Leistungsvergleich deutscher Schulen existierte bislang nicht. Die Capital-Studie zeigt jetzt erstmals bundesweit Schulen mit gymnasialer Oberstufe, die sich beste Noten verdienten. Die Bewertung erfolgte anhand von Qualitätsmerkmalen wie Ausstattung, Kursangebot oder Schülerbetreuung. Durchgeführt wurde die Studie vom Bonner Marktforschungsinstitut Europressedienst.
Top-Schulen. Das wichtigste Ergebnis: "Deutschland hat sehr viele Schulen, die weitaus besser sind als ihr Ruf. Vor allem unter den Gymnasien gibt es Vorbilder, die auch im internationalen Vergleich sehr gut abschneiden", sagt Michael Forst, Chef des Europressedienstes. Im Durchschnitt sitzen in einer deutschen Klasse mit 27 Schülern zwar mehr als in den Unterrichtsräumen anderer Länder, 38 Prozent der Lehrer sind älter als 50 Jahre und viele Auslandsschulen haben eine bessere Ausstattung. Forst: "Gleichzeitig ist das Bildungsangebot in Deutschland jedoch sehr groß."
Immerhin 89 Prozent der Schulen offerieren Berufspraktika, zwei Drittel haben Bewerbungstrainings im Kursangebot. Das ist ganz im Sinne von Jürgen Gallmann, Deutschland-Chef von Studiensponsor Microsoft: "Ein Gymnasium sollte auf das spätere Berufsleben vorbereiten, aber auch künstlerische und sportliche Interessen fördern", sagt der zweifache Vater.
Eine sehr gute Schule für den eigenen Nachwuchs zu finden, ist keineswegs eine Frage des Geldbeutels. Unter den zehn besten Schulen der Untersuchung rangieren sowohl private als auch staatliche Gymnasien und Gesamtschulen. Bei der Suche nach der richtigen Ausbildungsstätte spielen unterschiedliche Aspekte wie etwa die Schülerbetreuung oder das Kursangebot eine Rolle.
Schulsuche
Fünf Fragen an den Direktor:
Wie ist die Erfolgsquote?
Je mehr Schüler eines Jahrgangs das Abitur schaffen, umso besser die Förderung.
Wie lautet das Konzept?
Die besten Schulen haben eine klare Ausrichtung.
Wie ist der Zustand?
Ein gepflegtes Gebäude spricht für gute Lernatmosphäre.
Gibt es Fortbildungen?
Engagierte Lehrer hören nie auf zu lernen.
Wird Beratung geboten? Die Lehrer sollten zu ausführlichen Gesprächen zur Verfügung stehen.
"Eltern sollten nicht nur darauf achten, wie viele Schüler etwa an einem Gymnasium das Abitur machen", rät Professor Heinz Günter Holtappels, Leiter des renommierten Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Universität Dortmund. "Die Qualität einer Schule bemisst sich auch daran, ob sie schwächere Schüler auffängt", sagt der Dortmunder Wissenschaftler. "Jeder Schüler sollte individuell unterstützt werden, um Versagen zu verhindern und Begabungen zu fördern."






















