Der Klub ist so privat, dass man schnell an ihm vorbeiläuft. Zu kurz ist die vier Meter lange Glasfront, zu dezent ist das geschwungene S, das ganz oben am Nachbarhaus leuchtet. Stammgäste nutzen ihren Fingerabdruck als Türöffner, die anderen drücken die kleine unscheinbare Klingel.
Öffnet sich die Tür, ist man Teil eines kleinen, aber feinen Kreises. Die knapp 100 Mitglieder sind handverlesen. Wer ins Seven Swans aufgenommen wird, das entscheiden allein die Betreiber: Simon Horn und das Ehepaar Stella und Steen Rothenberger, Spross des Rothenberger-Clans, der ein weitverzweigtes Werkzeugmaschinenimperium aufgebaut hat. "Die Chemie muss einfach stimmen", sagen sie. "Wir machen das rein nach Bauchgefühl."
Der Private Dinner Club am Frankfurter Mainkai ist einmalig in seiner Art. Die Mitgliedschaft kann man nicht erkaufen, die Kosten für das Menü – 65 E ohne und 95 E mit Weinen – sind überschaubar. "Die Mitgliederauswahl ist das Herzstück unseres Klubs", sagt Rothenberger.
Wer im nur knapp 23 Quadratmeter kleinen Restaurant logiert, der weiß, welche Genüsse ihn erwarten. Jede Woche schickt Koch Simon Horn eine Mail mit Menüabfolge an die Mitglieder. Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Eine Karte gibt es nicht. Reserviert wird per E-Mail unter Angabe der Mitgliedsnummer, die auf dem hölzernen Schlüsselanhänger eingestanzt ist.
"Es gibt Leute, die zu uns kommen und immer wieder nach der Karte fragen", sagt der 31-jährige Rothenberger. "Oder die der Bedienung sagen, dass die Küche mal Gas geben soll‘. Das sind nicht die Gäste, die wir haben wollen." Horn betont, dass die Mitglieder keine feste Gebühr bezahlen müssen. "Allerdings erwarten wir eine gewisse Treue." Wer lange Zeit nicht erscheint, müsse damit rechnen, ausgeschlossen zu werden.
Der 26-jährige Horn und Rothenberger, die zusammen das Konzept erdacht haben, wollen Gäste wie Ursula Schlegel. Die Mittvierzigerin fühlt sich im Seven Swans wie zu Gast bei guten Freunden. Der Klub biete ein wohltuendes Gegenprogramm zu komplizierten Grüßen aus der Küche, sagt die Anwältin. "Ich komme gerne her, wenn ich am Fenster sitzen darf und auf den Main schauen kann." Der Platz im Glaserker im dritten Stock des angeblich schmalsten Hauses in Frankfurt ist begehrt.
Viele von Horns Gästen arbeiten hart und suchen durch einen Abend im Seven Swans die schnelle Entspannung. Wenn sich Bankerin Gesche Möller etwas Gutes tun will, geht sie entweder in ein Spa oder ins Seven Swans. "Danach fühle ich mich entsprechend erfrischt."
Normalerweise hat das Seven Swans nur am Wochenende geöffnet. Doch auf Anfrage werden auch Ausnahmen gemacht – beispielsweise für Banker, die den Abschluss eines Deals feiern wollen.
Oder für PR-Manager Jürg Leipziger. Horn machte für den Schweizer und dessen sechs Geschäftsfreunde unter der Woche extra den Klub auf. "Das Seven Swans bietet eine Exklusivität, die einzigartig ist. Wenn man will, kann man das Restaurant ganz für sich alleine haben", sagt der 66-Jährige. "Der Club bietet das perfekte Ambiente für sensible Gespräche."
Horn will mit seiner Gastlichkeit und seiner Küche, die er selbst als französisch-mediterran mit internationalen Einflüssen bezeichnet, nur für die passende Umgebung sorgen. "Den Spaß, den müssen unsere Gäste schon selbst haben", sagt der gebürtige Frankfurter, der sich vorzugsweise in seiner schwarzen Kochkluft porträtieren lässt. Seine Herkunft blitzt in den Speisen immer mal wieder auf. Eine Salsa Verde wird plötzlich zum hessischen Pesto, wenn sich die heimischen Kräuter auf der Zunge voll entfalten. Der hochgewachsene Koch hat im Queens Hotel nahe dem Frankfurter Flughafen gelernt. 2005 eröffnete er mit "Blumen" sein eigenes Restaurant im Frankfurter Nordend. Nächstes Jahr will Horn in guter britischer Tradition den Seven-Swans-Mitgliedern einen Picknickkorb-Service anbieten.
Die klitzekleine Küche des Klubs, in der Horn die vorbereiteten Speisen noch auf den Punkt bringt, ist auch für ihn eine Herausforderung: "In der Küche einer Boeing 747 kann das Kochen nicht viel anders sein als im Seven Swans. Bald wird unser Servicepersonal auch in einem entsprechenden Dress auftreten, der an die Uniform der Stewardessen erinnern soll." Schon jetzt verständigt sich Horns Team über Knopf im Ohr, wenn es auf den sieben Etagen unterwegs ist.
Ende 2006 hat Rothenberger die begehrte Immobilie bei einer Zwangsversteigerung für 300 000 E gekauft. Erst wollte er das Haus privat nutzen. Er hat ein Faible für kleine, schmale Häuser in Toplagen. Für diese Leidenschaft musste er beim Umbau büßen: "Immer wieder hat uns das Haus mit seinen Eigenheiten herausgefordert. Wir wollten ein Treppenhaus, einen Aufzug und separate Einheiten pro Etage. Um das genehmigt zu bekommen, ging es zum Schluss um 1,2 Zentimeter."
Wenn man Horn und Rothenberger zusammen erlebt, denkt man an Künstler und Mäzen. Auf dem Papier sind sie Immobilienbesitzer und Pächter. Für Rothenberger ist das Seven Swans sein privates Vergnügen, das nach seiner Aussage bereits Gewinn abwirft. Das liegt wohl vor allem daran, dass man im Seven Swans auch wohnen kann – für 400 E pro Woche je nach Saison und Apartment. Aus den zwei Apartments hat Rothenberger das meiste an Platz herausgeholt. Bett und Küche lassen sich nach Bedarf ein- und ausklappen, das Design ist japanisch geprägt.
Wenn die Apartments nicht gerade vermietet sind, nutzt Horn nahezu alle Etagen für den Dinner-Abend. Dann arbeiten sich die Gäste im Laufe des Menüs nach oben bis zur Dachterrasse, wie auf einer Karriereleiter. Allerdings lohnt sich im Seven Swans der Absturz. Denn für den Absacker geht es in die Bar im Gewölbekeller – das Einzige im Haus, was noch aus dem Baujahr 1838 erhalten geblieben ist.
Quelle: ftd
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